Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herkomer
Person:
Pietsch, Ludwig Herkomer, Hubert/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-667073
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-668167
nüancen in allen Teilen rund und fleischig. 
Wie ihre Farbe in ihrer goldigen Klarheit 
und zarten Wärme,doch lebenswahr bleibt, 
so sind auch ihre Formen und Linien, trotz, 
ihrer reizenden Schönheit, nicht die eines 
von der Antike abstrahierten Jdealkörpers, 
sondern die eines ganz individuellen, menschs 
lichen, lebenswarmen, holden Geschöpfes, wie 
es die Natur in guter Laune wohl von 
Zeit zu Zeit entstehen läßt, leider zu nur 
zu kurzer Dauer. Jst doch das Schönste, 
was sie bildet, auch das Vergänglichstel Die 
Farbe des ganzen Bildes ist wie von Sonnens 
gold durchtränkt und durchzittert, troHdem 
die ganze Scene im Schatten liegt. Auch 
die, welche Herkomers künstlerisches Wesen 
und die Größe seiner künstlerischen Kraft 
genau zu kennen glaubten, wurden durch 
diese wundervolle Schöpfung seines Genius 
überrascht. Das hatten sie nicht von ihm 
erwartet. Der märchenhafte Zauber des 
 Bildes konnte seine Wirkung auf keinen 
verfehlen. Bei seiner Ausstellung in Berlin 
ist es von einem feinsinnigen Kunstfreunde, 
Dr. Darmstädter, angekaust worden. 
Die Menge und die Vortressflichkeit der 
Bildnisse, welche Herkomer im folgenden 
Jahre 1894 gemalt hat, kommt der, von 
ihm in seinen aus diesem Gebiet fruchtbarsten 
Jahren produzierten, mindestens gleich. Zwei 
dieser Bildnisse, lebensgroße Kniefiguren in 
Olsarben, sind die von Berliner Persönlich: 
keiten: des bekannten Kunstfreundes, Samms 
lers und BesiHers einer an Meisterwerken 
alter Malerei ungewöhnlich reichen Gemäldes 
galerie, Herrn von Carstanjen Cfrüher 
in KölnJ und seiner Gattin. Besonders das 
erstere ist eine der imposantesten künstleris 
schen Leistungen Herkomers in der Bildnisi 
malerei, von einer unvergleichlichen Kraft 
der Charakteristik, Großartigkeit des ganzen 
Wurss der Zeichnung und malerischen Bei 
handlung und einer prächtigen Wärme und 
Klarheit der Farbe. Weiter sind in. seinem 
Register der in diesem Jahr in Olfarben 
gemalten Bildnisse aufgeführt: die von Miß 
Letty Lind, Lady Wiggin, Lord Roscberry, 
W. Law, Mayor von Plymouth, Sir W. 
Agnew, Mrs. Lees, Mrs. Abel Buckley, 
Mrs. Tree, Mrs. Wirt Dexters Sohn Cnach 
dem Tode gemaltJ, Mrs. Barton French, 
 F. W. Harris, Miß Williams Cvon BuffaloI, 
:s;.Ahel Buckley, Sir Henry Cockley, M. William 
3Ksenrick M. P., Mrs. Buxton, Cecil 
Rhodes, C. T. D. Acland. An Bilds 
uissen in Aquarellsarben nennt das Register: 
die des Herrn H. H. Armstead und R. W. 
Macbeth von der Royal Academy und das 
der eigenen Gattin. Aber das Hauptwerk 
dieses Jahres bleibt doch das wahrhaft mos 
numentale Bildniswerk: der Bürgermeister 
und der Magistrat von Landsberg am Lech 
und das bereits erwähnte Triptychon ..The 
makers of my housesf C,,Die Schöpfer meines 
Hausesl7, Abb. 58J, d. h. der VateriTischler 
und die beiden diesem so ähnlichen Oheime: 
der Zimmermann und der Weber. 
Mit der Ausführung und Stiftung jenes 
gewaltigen ,,DoelenstückesU, des Bildes einer 
Magiftratssihung in Landsberg LAbb. 88J, ers 
füllte Herkomer eine Pflicht der Erkenntlichkeit. 
Er verlebte seitJahren allsommerlich glückliche 
Monate mit den Seinen in tiefer ungestörter 
Stille, dort im städtischen Gebiet auf eigenem 
Grund und Boden am rauschenden Strom, 
angesichts der sich jenseits am Hügelhang 
des Ufers aufbauenden, zu dessen Höhe ans 
steigenden, höchst malerischen Stadt, deren 
Einwohnerschaft, stolz auf den berühmten 
Mitbürger, ihm ihre Verehrung in jeder 
Weise kund gibt. Er fühlte den lebhaften 
Trieb, sich dafür dankbar zu beweisen. Und 
die Stadt hat durch ihn die alte Wahrheit 
glänzend bestätigt erhalten: ,,Es ist Vorteils 
hast, den Genius bewirten.U 
An ihrem MarktplaH steht ihr Rathaus, 
ein Gebäude aus dem Anfang des achts 
zehnten Jahrhunderts. Aus den Fenstern 
in der Front genießt man eine interessante 
Aussicht über diesen Platz mit dem alten 
Brunnen und die ihn umgebenden alten 
Giebelhäuser und Kirchen. Ein paar Säle 
in den oberen Geschossen waren bereits unter 
Ludwig II. durch Ferdinand Piloty und 
andere Münchener ,,HistorienmalerU jener 
Zeit und Schule mit höchst fragwürdigen 
Wandgemälden ,,geschmücktH, durch welche 
wenig bekannte Vorgänge aus der Lokals 
und Provinzialgcschichte früherer Jahrhuns 
derte verherrlicht werden sollten. Echter 
Theaterkram nach damaliger Mode, der Bils 
der aus der bayerischen Geschichte auf den 
Arkadenwänden im Münchener HvfguVten 
würdig. Der große Sihungssaal im ersten 
Geschoß aber war mit solchem zweifelhaften 
künstlerischen ,,Schmucktt noch glücklich vers 
schont geblieben. Die beiden großen Seitens 
wände mit Gemälden nach seinem Sinn,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.