Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erziehung des Auges, Erziehung zur Kunst
Person:
Mollberg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-663176
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-664156
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interessante Dinge für das Kind, wenn auch für uns alt und 
bekannt; doch auf uns kommt-s ja nicht an. 
Nicht vorübergehen an der Stelle, wo ein Bächlein in den 
Bach mündet, um zu sehen, wie die Wassermassen sich mischen, 
das Bett breiter wird, der Wasserstand höher; nicht vorüber- 
gehen, wenn im Walde die Holzarbeiter mit Hebestangen oder 
Winden die langen Baumstämme auf den Wagen laden; nicht 
an der Wiese, wo man mäht, oder am Felde, wo man Garbe 
an Garbe schmiegt, um das hohe Fuder kunstvol1 aufzutiirmen; 
nicht an der Schmiede, wenn eben das Hufeisen geglüht und 
dem Pferde aufgepaßt wird; nicht am Schwalbennest, das ge- 
baut, nicht an der Pflanze, an der die Hummel saugt.  Der 
Mond, wie er wächst oder abnimmt, wie er heute um die siebente 
Stunde hier, morgen um dieselbe Zeit dort steht; die Farbe des 
Abendrotes, wie es umrändert ist und seine Töne von Minute 
z11 Minute ändert; das Ziehen und der Aufbau der Wolken; 
der Regenbogen, wo er entsteht und wie er sich aufbaut; die 
Sonne, wo sie untergeht heute und wiederum in vier Wochen, 
am Winteranfang und Sommerende, und wie lange sie dazu 
braucht; wie die untergehende Sonne und der Vollmond, das 
erste Viertel und die erste Sichel zu ihr stehen: alle diese Dinge 
auf der Erde, in Wasser und in der Luft reizen das Auge und 
schärfen es, wenn 1nan mit Geduld das Kind betrachten läßt. 
Gehe ab von der Straße mit deinem Kind, quer durch 
Wiese, Wald und Feld! Denn hier gibt"s mehr zu sehen, und 
außerdem nötigt man das Auge, sich zu orientieren- Drum 
mache Halt am Querweg oder auf dem Hügel, bringe Plan 
in die Wanderung und zerlege die Landschaft in die Haupt- 
gruppen. Erst gehen wir links, heißt es, dann rechts und 
wieder gerade aus, und bei der Rückschau auf das durch- 
wanderte Gebiet überblickt man die Strecken noch einmal. 
Später redet man genauer von östlich und westlich statt rechts 
und links und ist noch später immer noch bestimmter in 
Richtung und Lage und Entfernung. 
,,Wie lange meinst du, daß wir bis dahin gehen?" und 
,,Wie lange denkst du, daß wir gegangen sind?" so fragt man
        

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