Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erziehung des Auges, Erziehung zur Kunst
Person:
Mollberg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-663176
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-663741
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Die Ursachen und Wirkungen des deutsch-französischen 
.Qrieges, die Jahre 1866, 1864, 1848 sind nur so obenhin be- 
kannt. David und Samuel sind der Jugend meist bessere Be- 
kannte als Wilhelm I., Scharnhorst, Bis-marck. Die Geschichte 
hört in so vielen Schulen noch immer mit dem Jahre 181.5 
auf, und in den legten Wochen vor dem letzten Ostern peitscht 
man schließlich das 19. Jahrhundert durch, statt es zu einem 
gründlichen Studium des ganzen legten Jahres zu machen. 
 Ähnlich ist's mit der Geographie! Trog aller Fort- 
schritte in modernen Bildung;-anstalten nimmt die Ansammlung 
von Wissensstosfen aus fremden Erdteilen noch immer zu viel 
Zeit und Kraft in Anspruch. .Nachdem man von der Heimat 
ausgegangen ist und die Ferne mit dem geistigen Auge durch- 
n1audert hat, müßte man früher als geschieht heimkehren und 
in den Oberklassen Deutschland und die nähere Heimat 
durchforschen lassen. Nicht die politischen Grenzen, nicht die 
Namen der Städte, Berge und C-isenbahnen sind Hauptsache, 
sondern das Studium der Bodenbildungen, die sich daraus 
ergebende Kultur- und Erzeugungsfähigkeit der Gegend, die 
davon abhängige Beschäftigung und Eigenart der Bevölkerung 
ums; das geographische Verständnis für das heimische Land 
sit)ulen. In dieser Forderung sind sich einsichtige Schulmänner 
längst einig, aber die Starrheit der Lehrpläne und die Fesseln 
der verwünschten Leitfäden wollen's noch immer nicht zulassen, 
daß neue und neueste Geschichte und heimatliche Geo- 
graphie in den entschiedenen Vordergrund gerückt 
werden. 
Ähnliche Klage führen die Naturwissenschasten, die 
durch 1mmittelbare Betrachtung interessanter Naturdinge und 
-ereignisse das Auge schulen wollen, wie kein anderes F-ach. 
Denn auf die Frage, ob sie nicht jetzt schon ihre Aufgabe er- 
füllen? muß ehrlich mit nein geantwort werden. Zuerst wird 
leider noch nicht überall den Naturwissenschasten der ihnen ge- 
biihrende hohe Bildung?-wert und somit auch nicht die volle 
(85leichberechtigung mit den Schwesterdisziplinen zugesprochen. 
So fehlen sie in den oberen Klassen der humaniftischen Gym- 
Z-G
        

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