Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Tanz
Person:
Storck, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-654836
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-655193
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Weltlicher Tanz der Juden. 
Vorderafiatische Völker. 
schließen können, wo es ihnen nicht einmal nach Moses Vorschrift ,,Früchte von schönen 
gelang, ihre Religion rein zu erhalten. Bäumen, Palmzweige und Maien von 
Vielleicht hatte Michals Empörung über dichten Bäumen Und Bachweiden und war 
den tanzenden König darin ihren Grund, sieben Tage fröhlich". (3. Moses XXIII, 
daß für gewöhnlich nur das ,,fahrende 14.) Es ist wahrscheinlich, daß bei dieser 
Volk" sich zu -solchen Sprüngen hergab. Vorschrift dem Geseßgeber die Osirisfeste 
Salomon, der Uppige, hatte alle Freuden Agyptens vors-chwebten.  Nach einer 
der Welt erst gründlich genossen, bevor er Stelle in der Ubersehung der Septuaginta, 
zur Erkenntnis ihrer Eitelkeit gelangte, und die in der Vulgata ausgelassen ist, hat 
unter dem Herrlichen, mit dem er sich um- auch Judith zur Erinnerung an die Be- 
gab, nehmen die Sänger und Sängerinnen, freiung Bethuliens ein jährlich wieder- 
die ,,Wollust der Menschheit", eine hervor- kehrendes Fest eingerichtet, bei dessen Tänzen 
ragende Stelle ein. Die Sängerin war man Baumzweige in den Händen trug, 
aber damals immer auch Tänzerin. Sonst die an die Thyrsusstäbe der Bacchantinnen 
hätte es auch Sirach kaum nötig gehabt wohl erinnern konnten. Denken wir daran, 
zu warnen: ,,Gewöhne dich nicht zur daß auch die jubelnden Scharen, die 
Christus bei seinem 
 H,    M Einzuge in Jerusalem 
   begkiißten,PaImwede1 
  ;  L.  ;  schwangen. Daß and; 
X          bei den häuslichen 
X- IF,     (   Festen der Juden ge- 
.   R  H B-L H    tanzt und gesungen 
-H  H.   J- -   - wurde, braucht nicht 
-  :      f    erst gesagt zu werden. 
 ;    X       Wir schließen unsere 
 X ;M T? "s"  ,  V        Ubersichtmi-tdemH1n- 
""s ,   X;3;s,      Z weis auf jenen ver- 
    H; -Z   Z     X, hängnisvollen Tanz 
 J- :  -N.   "  T ro- 
 's IF.   Links, o?ntietr d;xtiiHedie 
       blühende Tänzerin 
Abb. 9. Geistlicher Tanz von Juden aus dem 13. Jahrhundert.  Kon1g so U.m- 
Miniatnrgemälde aus einem jüdischen Gebet- nnd Gesetzbuch der Universitätsbibliothek strlcte - daß er ihr 
zu Leipzig. (3u Seite 9.) jeden Wunsch zu ge- 
währen versprach. 
Sängerin, daß sie dich nicht fange mit Das heilige Haupt des ernstenBußpredigers 
ihren Reizen." Mit dem steigenden Ein- wurde das Opfer sündiger Gier und sinn- 
fluß der Fremde brachen auch ihre Sitten licher Lust. 
immer mehr ein, bis zuletzt Herodes der V J -E 
Große sogar ein Theater römischen Stils 
in Jerusalem erbaute, auf dem auch Tänzer Für die Assyrier, Babylonier, die 
ihre Künste zeigten. Meder und Perser bedarf es keiner be- 
Viel verbreitet ist im Altertum die sonderen Darstellung. Wie die Musik, 
Meinung, als hätten die Juden auch einen diente auch der Tanz bei ihnen hauptsäch- 
Bacchuskult gehabt. Dieser Behauptung lich zur Reizung sinnlicher Triebe undswar 
widerspricht schon jene Stelle im zweiten ein Hauptbestandteil ihrer weibisch ent- 
Buch der Makkabäer (V1, 7), in der er- nervten Genüsse. Der beste Beweis dafür 
zählt wird, wie die Abgesandten des ist der Umstand, daß Tänzerinnen und 
Antiochus die Juden zwingen mußten, Musikerinnen einen Hauptbestandteil jedes 
beim Bacchusfeft mit Kränzen von Efeu Harems bildeten. Daß dabei Tanz und 
umher zu gehen. Doch ist es leicht er- Musik auch im Kultus eine wichtige Rolle 
klärlich , woher diese falsche Vorstellung einnahmen, spricht nicht dagegen; denn auch 
kommt. Beim Laubhüttenfeste nahm man die Götterfeste arteten zumeist in Orgien
        

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