Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leibl
Person:
Gronau, Georg Leibl, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-653812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-654633
Leibl. 
Wilhelm 
selbständiges Ganzes, sondern Teil eines 
Ganzen. So hat sie Leibl mit feinem 
Gefühl gemalt. Andere Bilder, die in ges 
1neinsamer Arbeit entstanden, sind die Lands 
schaft mit Leibl auf der Jagd, neben ihm  
sein Hühnerhund CPrivatbesitzJ und jenes, 
wo im Vordergrund eine alte Bäuerin mit 
einem Rechen steht CPrivatbesiHJ. 
Vor wenigen Jahren konnte man bei 
Gurlitt eine kleine Landschaft von Leibl 
sehen, sein Haus in Kutterling und dessen 
Umgebung CCrefeld, MuseumJ. Hier sind 
Haus, Wiesen, die kaum belaubten Bäume 
und einige ferner schimmernde Dächer zu 
einem glücklichen, harmonischen Werke vers 
schmolzen, das recht die. Freude an der 
Landschaft und feine Empfindung für ihre 
Eigentümlichkeit erkennen läßt, so daß man 
bedauern mag, daß Leibl bei gelegentlichem 
Versuch stehen geblieben ist. 
Danach hatte Leibl die Figur einer 
Bauernmagd begonnen und den Kopf und 
ein Stück ders Figur in der Hauptsache 
fertig gemalt; während dieser Arbeit aber 
überfiel ihn Krankheit und zwang ihn, den 
Pinfel aus der Hand zu legen.  
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Oft 
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Bei einem so gewissenhaften Künstler, 
der sich selbst. nie genug gethan hat, daher 
zu immer neuer Gestaltung seiner Arbeitsss 
weise gelangte, konnte man mit der Möglichs 
keit, rechnen, daß auch die Zukunft noch 
Uberraschungen bringen würde. Man darf 
sagen, daß der Tod Leibls Entwickelung 
unterbrochen hat, gerade als die Arbeiten 
der letzten Jahre den Ausblick in eine Zeit 
reichen Erntens erschlossen. 
Das legte vollendete Bild von Leibl 
ist das schöne Frauenbildnis geworden 
CAbb. 60J, das die Liebenswürdigkeit des 
Besitzers in leHter Stunde zu reproduzieren 
ermöglichte. Noch einmal treten die großen 
malerischen Eigenschaften des Künstlers siegs 
haft hervor und vereinigen sich ein Ganzes 
von großem Zauber zu schaffen. Er weiß die 
natürliche,Anmut der Dame noch zu steigern, 
indem er das Kostü1n mit größtem Geschmack 
malerisch behandelt, die reichen, farbigen 
Seidenaufschläge koloristisch zu der lebhaften 
Karnation stimmt; zugleichaber bringt er 
alles durch den gedämpften Ton des Hinter; 
grundes, wo die Hauptformen eben nur 
angedeutet sind, zusammen, so daß nichts 
herausfälIt und der Kopf mit den wunderbar 
belebten Augen die Dominante bleibt. Man 
darf fragen, welcher von unseren Malern 
der Mode feineren Takt in allen diesen 
Dingen bewiesen haben würde. 
Wenn man verfolgt, wie sehr Malerei 
und Zeichnung um den Vorrang bei Leibl 
streiten, und wie er zu Zeiten den male; 
rischen Stil, soweit es irgend möglich ist, 
zeichnerisch ausgestaltet, so kann es nicht 
Wunder nehmen, diese zwei Richtungen in 
den Zeichnungen Leibls greifbar klar zu 
Tage treten zu sehen. 
Im allgemeinen ist zu bemerken, daß 
Leibls Zeichnungen nicht, oder nur in feltes 
neu Fällen, Vorstufen für feine Gemälde 
sind. Wir besiHen wohl gemalte Studien 
und Untermalungen, die später ausgeführte 
Kompositionen in früheren Stadien kennen 
lehren; nur selten aber sind solche Borg 
arbeiten in irgend einer Zeichentechnik ausi 
geführt. Vielmehr sind seine Zeichnungen 
meist entweder malerifch gesehene, breit ans 
gelegte Niederfchriften einer einzelnen Ges 
stalt, eines landschaftlichen Motivs, wohl 
auch einer Gruppe; oder sie sind von vorns 
herein als Zeichnungen beabsichtigt gewesen 
und bis zur höchsten Feinheit durchgeführt. 
Für seine breit angelegten Entwürfe 
bedient sich der Künstler meist des Stiftes 
oder der schwarzen Kreide, gelegentlich des 
Rötels; seine Hand fährt kräftig über das 
Papier, legt höchstens die Hauptformen im 
Kontur an und sucht vorzüglich die mai 
lerifche Wirkung, die fein Auge festzuhalten 
wünscht, herauszubringen. Daher ist gewöhns 
lich eine starke seitliche Belichtung angenoms 
men, die Einzelheiten kräftig hervortreten läßt 
CAbb.61 u.62J; die Schatten werden energifch 
herausgearbeitet. Der Gesamteindruck ist 
stets sehr farbig, wofür die ,,Schufterwerks 
stattt mit dem voll einfallenden Licht ein 
besonders schönes Beispiel abgeben mag. 
Wenn Leibl die Feder zur Hand nimmt, 
so beschäftigt vorzüglich die feine Durchs 
führung der Formen sein Interesse. Schon 
frühzeitig versucht er sich hierin; das Bildnis 
des Malers Appoldt, das noch ausgesprochene 
Schwächen zeigt, gehört den sechziger Jahren 
an CAbb. 63J. Die hervorragendften Blätter
        

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