Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Klinger
Person:
Schmid, Max Klinger, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-651068
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-651459
Max Klingen 
La11dftk2Ufts 
Studie. 
Berlin. 
Nationalgalerie.s 
u11d zum Meere, die Fluten tragen den 
Handschuh davon, und wie der Träumende 
Im Schlafe irrend nach ihm tastet, erscheint 
er sich selbst als der Jüngling am Meeres: 
strande, der angstvoll nach dem Hand: 
scJUh angelt.  
Doch dieser wunderbare Handschuh that 
Mehr Eigenleben, als sonst leblose Dinge 
zU besitzen pflegen. Auf hohen Wellen zieht 
ev als Symbol der Liebe trinmphierend 
heran, auf einem Muschelwagen, von See: 
Pferden gezogen. 
Und wie von unsichtbarer Hand wird der 
HTlUdschuh, riesengroß wachsend, an eine 
Felswand im Meere angelehnt und als 
eine verehrungswürdige Gestalt emporgerich: 
set. Ein Felsblock liegt vor ihm, glatt 
wie die Fläche eines Altars, schlank ge: 
stielte, antike, hohe Lampen erscheinen zu 
beiden Seiten, und das Meer selbst huldigt 
dFM Symbol der Liebe, denn die nnab: 
lässig heranrollenden Wogen scheinen statt 
des weißen Gischtes Rosen heranzutvälzen 
1ZUd in Ergebenheit den Fuß des Altares 
küssen zu wollen. 
Aber das Meer steigt und sGwillt, un: 
ruhiger nnd lastender werden die Träume. 
In des Schlafenden Kammer gnrgelt die 
Flut, bis zum Bette steigt sie empor und 
UZäslzt sich durch das enge Zimmer. Wie 
ein sturIngeblähtes Segel steht der Hand: 
schuh, den Mond halb verhüllend, zu seinen 
Häupten, angstvoll wälzt sich der Tränmer 
an die Wand hin, l1oshaft und höhnisch 
tauchen Nix und Nöck aus den Fluten und 
zerren an ihm und weisen hin auf eine 
fremde Faust, die den geliebten Handschuh 
über ihre profanen Finger zu zwängen 
scheint.  
Die Flut verrauschts, die Verwirrung 
glättet sich, und plötzlich liegt feierlich auf 
dem Martnortisch eines Gemaches wieder 
der Handschuh .vors uns nnd unzählige 
Riesenhandschnhe hängen dahinter, wie eine 
SQntz,1nauer ihn umgebend. Doch was ist 
das9 Unter dieser Wand hindurch scheint 
tückisch, seinen gräßlichen Kopf.herausreckend, 
ein Untier das köstliche Besitztum zu be: 
drohen. Und wirklich fährt der Drache auf 
das Heiligtum zu, packt es mit seinen 
.schneideuden Kiefern nnd die häßlichen 
Fledermausflügel ausspreizend, schießts er 
schnell, wie der Fisch durch die Fluten, so 
geradeswegs durch die Fensterscheiben hinaus 
in die stille Nacht CAbb. 29J. Angstvoll 
springt der Liebende empor, und wir sehen 
noch, wie durch die zersplitterten Scheiben 
sich se.ine,nackten Arme vergeblich dem Un: 
tiere nachrecken.   
Das war der letzte Stoß, der auf sein 
Herz geführt wurde. Dann endlich fand 
das müde Haupt Ruhe in den Kissen, nnd
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.