Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Klinger
Person:
Schmid, Max Klinger, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-651068
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-652146
Max 
Klinger. 
der Greis fällt anbetend ihm zu Füßen, 
läßt segnend vom Tode sich erlösen. Er 
allein ist reif. So hatte es Klinger auf 
dem Entwurfe zu diesem Blatt CAbb. 74J 
angedeutet in den dort beigefügten Versen: 
,,Dulden muß der Mensch sein Scheiben 
aus der Welt wie seine Ankunft; reif sein 
ist alIes.H Warum also flieht die thörichte 
Menschheit vor dem Unvermeidlichen in 
Todesangst P Aber Todesangst umspielt auch 
schon 1878 in einer Skizze festgelegt CAbb. 75, 
Dresdener KupferstichkabinettJ. Nur scheint 
es hier eine Art Alpdrücken, ein böser 
Traum zu sein, der ein junges Weib befällt. 
So klingt das Lied vom Tode aus. 
Diesem ersten Totenlied läßt Klinger 
ein zweites folgen, das wohl in jeder Be: 
ziehung den Höhepunkt seines Schaffens als 
graphischer Künstler bezeichnet. Nicht nur 
das wachsende Format der Blätter, vor 
Abb. 73. 
Heiland. 
Radierung. 
cAus: Vom Tode I. 
x1, 10.J 
auf dem Rahmen die Scene. Auf zuckenden 
Herzen steht der Tod. Er greift nach dem 
Manne, der ihm entflieht, er packt nach 
dein Weibe, das unter seinen Griffen sich 
windet, dem Gott Amor hat er die Schlinge 
um den Hals geworfen, während er durch 
die Lüfte mit satanischem Grinsen dem 
Mädchen nacheilt, das angstvoll flüchtet. 
Unten stößt ein Weib verzweifelt mit dem 
Fuße das Verderben von sich, während ein 
leichenvertilgender Riesenkrebs sich über den 
Mann gelagert hat. Das Motiv des Riesen: 
krebses, der in stiller Gefräßigkeit am Men: 
schenleichnam zehrt, hat übrigens Klinger 
allem die wahrhaft gigantische Kraft, mit 
der er in dem gegebenen Rahmen das Bild 
monnmentalisiert und die an sich zum Teil 
genrehaften Motive zu historischer Größe 
erhebt, setzen uns in Erstaunen. Blatt 
um Blatt erscheint da der Todesgedanke 
in seinen Beziehungen zu menschlichem Leben 
und mensrhliehe1n Wirken. TechnisQ ist hier 
alles aufgeboten. Welcher Reichtum an 
Tönen, welche ungeheure Fülle von Ab: 
stnfungen und Modellierungenl Die Ra: 
dierung, und selbst die früher so virtuos 
angewandte Aqnatinta, tritt fast ganz gegen 
die Grabstichelarbeit zurück. Klinger denkt
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.