Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Burne-Jones
Person:
Schleinitz, Otto von Burne-Jones, Edward Coley
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-647959
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-649347
gewinnen. Rossetti hat die präraphaelitische 
Bewegung in Fluß erhalten. Seine Freunde 
sagen ihm nach, daß er ein schlechter Rechner 
war, aber wenn er Geld besaß, was aller: 
dings nicht zu oft der Fall gewesen sein 
soll, stets für seine Umgebung eine offene 
Hand hatte. Zehn Jahre dauerte es, bis 
er sich zu dem Entschluß aufraffen konnte, 
Miß Siddal, sein Modell nnd seine Liebe, 
zu heiraten. Als diese Dame plöHlich 
starb, überkam ihn eine solche Fassungs: 
losigkeit, daß er seine schriftstellerischen 
Produkte, Manuskripte und Gedichte,n mit 
ihr begraben ließ. Wenn man diese Auße: 
rung des Schn1erzes und sein überwallen: 
des Herzensgefühl verstehen kann, so ist es 
doch geradezu unbegreiflich wie Rossetti, 
auf Anraten seiner Freunde, des Geld: 
interesfes wegen, sich zu der grauenvollen 
Handlung hat verleiten lassen, die Ruhe 
seiner heißgeliebten Miß Siddal Cunter 
welchem Namen sie allgemeiner bekannt bliebJ 
zu stören, um die im Sarge befindlichen 
Manuskripte verwerten zu können. Für 
das sensationsbedürftige, lüsterne Publikum 
war allerdings seit langer Zeit kein so 
pikantes Objekt auf den Markt gekommen, 
wie die betreffenden und unter so eigen: 
tümlichen Verhältnissen wieder an das Licht 
der Welt hervorgezogenen Gedichte. 
Burne:Iones hat in zwei Bildern die 
Züge von Miß Siddal verewigt: In den 
1861 bis 1862 gemalten ,,Backgammon 
Playerstt, früher ,,Die Schachspielertt ge: 
nannt, ein Werk, das Sir John C. Holder 
gehört.  ,,Backgammontt ist ein Spiel, 
das ungefähr ,,Trick:Tracktt oder dem 
,,Pufftt entspricht. Das andere bezügliche 
Gemälde, ,,Eine Liebesfzenett, 1862 ent: 
standen, befindet sich im Besitz von Mr. 
G. F. Watts. Schließlich, so sagen die 
einen, trat das Unerhörte ein, daß Rosfetti 
kurz vor seinem Ende nach einem Beichtss 
Vater sandte, während umgekehrt, die: 
jenigen, welche ihn im Leben verdammt 
hatten, sich wenigstens im Tode mit ihm 
aussöhnten. 
Der erste dekorative Maler unserer 
Zeit, Walter Crane, urteilt in seinem Auf: 
sah ,,T11e English Reviva1 of c1ecorative Arttt 
wie folgt über die präraphaelitische Be: 
wegung und über Rossetti: ,,Um den Ur: 
sprung unserer Renaissance zu bezeichnen, 
müssen wir bis auf die Tage der prä: 
raphaelitifchen Vereinigung zurückgehen. 
Obgleich keines ihrer Mitglieder ein deko: 
rativer7Zeichner im strengen Sinne des 
Wortes war, wenn wir Dante Gabriel 
Rossetti ausnehmen, so richteten sie doch 
durch ihre entschlosfene und begeisterte Rück: 
kehr zum unmittelbaren Symbolismus, zum 
freien Naturalismus, zum poetischen oder 
romantischen Gefühl des Mittelalters, denen 
sie die Macht der modernen Analyse hin: 
zugesellten, und scJließlich durch ihre charak: 
teriftisch ausgedrückte Liebe zu allem Detail, 
ihre Aufmerksamkeit ebenso sehr auf alle 
Zweige der Zeichnung wie auf die Malerei. U 
Nachdem Burne:Jones 1882 noch zwei 
Vorlagen für die später von Sir Edgard 
Böhm in Bronze ausgeführten Reliefs 
,,Flodden FieldV vollendet, hatte er leider im 
nächsten Jahre mit längerer Krankheit zu 
kämpfen. TroHdem beendete er 1883 das 
Aquarellbild ,,Die HoffnungU, einen Karton 
für ,,König CophetuaV CAbb. 83J, das Por: 
trät von Philipp Comyns Carr CAbb. 65J 
und sechs Zeichnungen für die Fenster eines 
Hauses in Newport, Rhode Jsland, in 
den Vereinigten Staaten von Nordamerika. 
Die oberen Fenster enthalten die drei Dar: 
stellungen der nordischen Gottheiten: Odin 
des AlIvaters, Freya und Th6r. Das 
Mittelfenster stellt ,,Odint7, in Asgard auf 
einem, Thron sitzend, dar. Jn der Rechten 
hält er einen Speer, auf der Schulter 
sitzen Hugin und Munin, die gute und 
böse Mär bringenden Raben, und zu den 
Füßen stehen seinenbeiden reißenden Wölfe 
Geri und Freki. Uber das fehlende Auge 
des Wanderers ist die Tarnkappe gerückt. 
Zur Rechten Odins wird ,,FreyaU als 
Göttin der Ernte symbolisiert. Sie ist 
gleichfalls in den Wolken thronend, und 
neben sich mit dem Eber Gullinbursti, dar: 
gestellt. Zur andern Seite Odins befindet 
sich ,,Th6rtt, der ,,DonarU der germanischen 
Mythologie, mit seinen üblichen Attributen: 
dem Hammer Mjölnir, den Donnerkeilen 
und dem Ziegenbock abgebildet. 
Unterhalb jener wird in drei anderen 
Fenstern, sehr sinnreich, der Platz sagen: 
umwobenen Persönlichkeiten aus der skan: 
dinavischen Vorzeit eingeräumt. Diese, am 
Rande oder noch mit einem Fuße in den 
rollenden und hochaufgetürmten Wogen des 
Meeres stehenden Erscheinungen, als He: 
roen, Halbgötter oder Ubermenschen auf:
        

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