Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leonardo da Vinci
Person:
Rosenberg, Adolf Leonardo <da Vinci>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-644299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-645091
geh�rigen Nefektoriums malte, ein Seitenst�ck. Wir wissen die Zeit nicht genau 
zu bestimmen, die Leonardo auf die Ausf�hrung dieses gewaltigen Gem�ldes 
es ist Meter lang und 41X2 Meter hoch verwendet hat; aber es ist wahr 
scheinlich, da� er fast w�hrend der ganzen Zeit seines Mail�nder Aufenthaltes 
daran gearbeitet hat und da� seine Vollendung erst kurz vor 1499, vor dem 
Sturze des Herzogs Lodovico, erfolgt ist. Jn diesem Jahre erhielt er n�mlich 
einen Weinberg im Umfang von sechzehn Ruten vor dem Vercellischen Tor ge 
schenkt, und man glaubt, da� diese Schenkung eine letzte Belohnung des Herzogs 
f�r die Vollendung des Abendmahls gewesen sei. Auch w�rden mit diesem 
langen Zeitraum die Klagen �bereinstimmen, die die M�nche unabl�ssig �ber die 
Saumseligkeit Leonardos erhoben, der auch hier wieder nach dem H�chsten strebte 
und sich dabei im einzelnen niemals genug tun konnte, und die danach v�llig 
berechtigt erscheinen. 
Da� wir heute nur noch eine Ruine vor uns sehen, aus der uns der Abglanz 
ehemaliger Hoheit wie durch einen grauen Schleier entgegenschimmert, ist zum 
Teil durch die von au�en den Unbilden der Witterung ausgeset3te Wand und 
die Beschaffenheit des Materials, zum Teil durch die Experimentiersucht Leo 
nardos mit neuen technischen Prozeduren, zum gr��ten Teile aber durch den 
Unverstand, die Vernachl�ssigung und die grausame Zerst�rungswut sp�terer Jahr 
hunderte verursacht worden. Die Mauer besteht aus. salpeterhaltigen Steinen, 
die die aufgenommene Feuchtigkeit absonderten und so dem Gem�lde von r�ck 
w�rts beikamen, und dieser Grundfehler wurde noch durch mehrere �berschwem 
mungen erh�ht, die bis zu dem Nefektorium drangen. Da sich Leonardo verma�, 
hier etwas Au�ergew�hnliches zu leisten, womit er alle Sch�pfungen seiner mai 
l�ndifchen Nebenbuhler tief in den Schatten stellen wollte, begn�gte er sich nicht 
mit der schlichten, aber sicheren Freskotechnik, sondern er wandte, zum erstenmal 
bei einem Wandgem�lde solchen Umfangs, die Olmalerei an, weil er nur ihr die 
feinen und zarten Wirkungen des HelIdunkels, die verschwimmende Weichheit in 
der Modellierung der K�pfe und ihres Zusammenfpiels mit dem Hintergrunde, 
die damals schon sein malerifches Jdeal waren, abgewinnen zu k�nnen meinte. 
Da� er dieses Jdeal erreicht hat, beweist uns die einm�tige Begeifterung der 
Zeitgenossen, beweist uns die gro�e Zahl der Kopien, die die Sch�ler und Nach 
ahmer Leonardos schon in den ersten Jahrzehnten des sechzehnten Jahrhunderts 
danach anfertigten, und eine Zeitlang scheint das Bild auch die urspr�ngliche 
Farbenpracht behauptet zu haben. In dieser hat es noch Franz l., Leonardos 
edler Besch�tzer, als er nach der Schlacht bei Marignano am 16. Oktober 1515 
alss Sieger nach Mailand kam, bewundert, und trotz seiner noch unsicheren Lage 
fa�te der begeisterte Kunstsammler den f�r damalige Zeiten unerh�rt k�hnen Plan, 
es von der Wand losl�sen, es auf Leinwand �bertragen und nach Frankreich 
bringen zu lassen. Um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts machten sich aber 
bereits, wie wir von Leonardos Mail�nder Biographen Lomazzo erfahren, die 
durch die Einfl�sse der feuchten Wand und die geringe Dauerhaftigkeit der Technik 
verursachten Sch�den stark bemerkbar, und als Vasari 1566 das Abendmahl sah, 
nannte er es einen ,,blind gewordenen FarbenfleckenU. Lag also schon in dem 
Werk selbst ein innerer Keim der Zerst�rung, so kamen seit dem siebzehnten Jahr 
hundert �u�ere Gewalttaten hinzu. Man begreift es nicht, da� die M�nche selbst 
die erste Hand anlegten, indem sie zu gr��erer Bequemlichkeit des Verkehrs mit 
der K�che eine zu ihr f�hrende T�r unter der Gestalt Christi durchbrechen lie�en, 
wodurch nicht nur die F��e des Heilandes beseitigt wurden, sondern auch das 
ganze Bild Schaden litt. Sp�ter wurde sogar �ber der T�r ein kaiferliches 
Wappenschild angenagelt, das den Heiland ganz oder doch zum gr��ten Teile 
bedeckte. Jn der Zeit von 1726 bis 1770 gerieten dann unf�hige Nestauratoren 
�ber das Bild, die, bevor sie ihre �bermalung begannen, die noch vorhandenen 
Neste der Olfarbe Leonardos entfernten. Als dann 1796 die Franzosen in Mai
        

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