Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Botticelli
Person:
Steinmann, Ernst Botticelli, Sandro
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-642966
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-644046
zu finden vermögen für das was die bildende Kunst so wunderbar gestaltet hat. 
Beginn des 29. Sonettes mag man getrost unter Botticellis Gemälde sehen: 
Den 
When, in diSgra.ce with f0rtune and men9s 
I all alone beweep n1y 0utcast state. 
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Vom Schicksal preisgegeben, bei den Menschen in Ungnade, ausgestoßcn, unter Tränen 
allein,  braucht es noch weiterer Worte, um die Stimmung dieses Bildes zu bei 
zeichnen, dessen Deutung wohl ein jeder am besten in sich selber findet9 
Die eigentlich charakteristischen Außerungen des inneren Lebens Botticellis in den 
goldenen Tagen des Lorenzo Magnisico bleiben aber doch die Venusdarstellungen, Primas 
vera vor allem, und die Geburt der Aphrodite. In diesen Schöpfungen spiegelt sich 
mit Wunderbarer Treue der Glaube an die Antike wieder, der damals alle Welt bei 
glückte.   
Aber ach, keines Sterblichen Fuß wird auf irdischer Wallfahrt jenes Land erreichen, 
wo Sinnenglück und Seelenfrieden eins. Ein fröstelndes Erwachen schreckte auch Bottii 
celli aus aus seinen Träumereien, als die Donnerstimme Savonarolas sein Ohr erreichte; 
erschrocken suchte er nach einem Halt für Leben und Sterben, die Götter Griechenlands 
sanken wie Phantasmen in die.Tiefe, und immer klarer, immer leuchtender hob sich aus 
dem dämmernden Meer der Kindheitserinnerungen das reine Symbol der christlichen 
Kunst, Maria, die Gottesmutter, empor. 
Wie Predigten Savonarolas und der persönliche Einfluß des großen Dominikaneri 
mönchs haben nicht nur das Madonnenideal der späteren Jahre Bottieellis neu 
und eigenartig gestaltet. Wie der Künstler schon in der Wahl der ausschließlich biblischen 
Gegenstände durch Fra Girolamo bestimmt wurde, so spricht des Bußpredigers herber 
Geist auch sonst aus den übrigens wenig zahlreichen Tafelbildern der letzten zwei Jahri 
zehnte seines Lebens. Allen diesen Getnälden ist eine gesteigerte Empfindung eigen; 
vielen eine unerhörte Leidenschaftlichkeit in Ausdruck und Bewegung. Daneben häufen 
sich die Figuren, die Farbentöne werden kalt und düster und die Durchführung der 
Einzelheiten geschieht nicht mehr mit derselben Sorgfalt wie früher. Drei kleine Längss 
tafeln mit Szenen aus dem Leben des heiligen Zenobius, die heute in London 
Or. Ludwig Mond, Abb. 78 und 79D und Dresden zerstreut sind CAbb. 80J, offenbaren 
alle diese Merkmale einer späten Entstehungszeit. Die mattfarl1ige Verkündigung in den 
Uffizien CAbb. 81J wurde sogar Botticelli schon abgesprochen, ist aber so reich an zarten 
Zügen, so glänzend gezeichnet und komponiert, daß Schülerhänden höchstens hier und dort 
die Ausführung in Farben überlassen wurde. Wie demütig empfängt Maria, die sich 
eben vom Betpult erhebt, die Bots0aft des knieenden Engels, wie wirkungsvoll sind die 
Gebärden des ehrerbietigen Übermittelns, des zögernden Empsangens in der erhobenen 
Rechten des Engels und der gesenkten Linken der Jungfrau zum Ausdruck gebrachtl 
Hatte Savonarola in der Schilderung des Verhältnisses der Maria zu ihrem Kindes 
deren Mntterglück als ein durch die prophetische Ahnung kommenden Wehs getrübtes 
darzustellen versucht, hatte er betont, wie sich in ihrer äußeren Erscheinung mehr die 
zitternde Erwartung eines ungeheuren Schicksals kundgab, als die reine Freude an ihrem 
erstgeborenen Sohn, so wußte er anderseits doch ihren Schmerz um den Gekreuzigten 
auf ein edles Maß zurückzuführen. In den Karfreitagspredigten der Jahre 1494 und 
1495 stellte sich der gottgesandte Mann, dessen glühende Beredsamkeit den Höhepunkt 
erreicht hatte, mit seinen atemlos lauschenden Zuhörern, welche der mächtige Dom von 
S. Maria del Fiore nicht mehr zu fassen vermochte, unter das Kreuz, an das Grab 
des Herrn. Mit ergreifenden Worten schildert er den legten Akt des großen Heilsdramas, 
beim Abschied Christi von seiner Mutter beginnend, bis zur Kreuzerhöhung, und seine 
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