Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
H. von Zügel
Person:
Biermann, Georg Zügel, Heinrich von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-632265
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-632522
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Natur begegnet ist. Die Künstler wurden unsere besten Lehrmeister für das richtige 
Genießen und die künstlerische Bewertung aller Stimmungen und tonigen Fein- 
heiten, die dem AlItagsmenschen schlechthin nicht zum Bewußtsein kommen. 
Der Stofskreis der Kunst aber konnte sich gleichzeitig an unserem wieder 
wachgewordenen Raturgefiihl verdoppeln und verdreifachen. An die Stelle einer 
öden Kulissenkunst trat die Landschaftsmalerei unserer Modernen, an Stelle jener 
billigen NovelIistik, wie sie unsere Väter noch geliebt, das starke Temperament 
der Schaffenden, die sich und ihr Wollen im Leben und der Natur wiedergefunden. 
Ja, wir sind heute so weit, daß wir zum guten Teil sogar den Wert eines Kunst- 
werkes nach Maßgabe unseres Naturgefühls abschätzen und speziell in der Malerei 
diejenigen Schöpfungen am meisten lieben, in denen am unmittelbarsten die Natur 
zur Geltung kommt. 
Ein Meister wie Zügel aber ist uns  wie wir sehen werden  auf dem 
Wege dieser neuen künstlerischen Erkenntnis ein wertvoller Führer gewesen. Er 
war vielleicht der erste und markanteste Typ dieser neugearteten Zeit. Sein Oeuvre 
begleitet, in Einzelheiten aufgelöst, rhythmisch die Evolution im Großen. Ihm und 
seinesgleichen danken wir es zumeist, wenn in uns Menschen des zwanzigsten 
Jahrhunderts der Sinn für alle natürliche Schönheit so stark wieder auflebte. 
Sein Beispiel mußte nicht nur befruchtend auf die Schaffenden wirken, sondern 
ebenso Erkenntnis weckend auf die Genießenden. 
Was aber die moderne Kunst im besonderen anlangt, so kann man sagen, 
daß sie in einer verhältnismäßig kurzen Zeitspanne noch einmal den ganzen Kreis 
der Entwicklung hat durcheilen müssen, für den, die Kunstgeschichte bereits die 
Merksteine am Wege dargeboten hatte. Heute wissen wir es alle, wie sehr gerade 
die historische Unfreiheit, d. h. jenes selbstverständliche Schwächegefiihl, das die 
Künstler des neunzehnten Jahrhunderts im Anblick der Höhenleistungen früherer 
Zeiten iiberkam, die natürliche Vorwärtsbewegung gehemmt hat. Eben jenes 
Jahrhundert, das wir fast genau mit der letzten Säkulumswende auch künstlerisch 
überwunden haben, bedeutet ein fortgesetztes Pendeln zwischen dem imponierenden 
Erbe früherer Epochen und dem alIzuschwachen Willen, zur Selbständigkeit durch-
        

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