Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rossetti
Person:
Jessen, Jarno Rossetti, Dante Gabriel
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-629592
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-630575
schaft aus allzu eiliger Lektiire 1nißverstand. Ich gebe Rossettis Ansprüche auf die reinste 
Art literarischen Ruhmes völlig zu, und hätte ich seine Gedichte jetzt zu kritisieren, 
würde ich sehr verschieden schreiben." 
1V. 
Von 1870 ab seht die dritte und letzte Schaffensperiode Rossettis ein. Sie ist 
groß im Schwung poetischer Eingebungen und formalen Wollens, der Künstler beginnt 
jedoch verfallende Körperkräfte kundzutun. In den Gemälden nnd Zeichnungen arbeitet 
romantifches Empfinden weiter; aber schwer1nütige Stim111ungen breiten ihre verdüsternden 
Fittiche über das Kolorit. Rossetti erscheint jeht als der Sklave seiner Schönheits- 
ideale; denn er läßt sich von ihnen zu un- 
erträglichen Übertreibungen fortreißen. Die   
Formen einzelner Frauen werden bis ins  
Kolossalische gesteigert, ihre Hälse unnatiirlich     
verlängert, ihre Lippen voller geschwellt, ihre  E  
Gelenkfunktionen gänzlich lethargisiert. Das   
Fleisch bekommt-etwas Schlappes, einen kränk-     
nehm Zug in den Schatten. Es ist, ais    
ob dem Maler die eigene Unzulänglichkeit    
drückend bewußt wird, denn er korrigiert W  , .K"T-kf"ss;- 
unaufhörlich, teilt manchen Arbeiten dadurch F!      
etwas Gequältes mit und macht andere gänz- , H  H-     
lich ungenießbar. Diestatuarische,,Penelope", L( s.  " : H 
,,Proserpina", ,,Venus Astarte"und,,Mnemo-   X is-s H, J   
syne" sind typische Ausdrucksformen dieser       
Periode. Die dunkelfarbige K-reidezeichnung ,     
der ,,Penelope" (1869) im BesiH des Herrn j .  s J  ,  
Leathart ist ein Beispiel für den eigentü1u-     J;   
lichen Spätstil. Sie stellt die Fürstin als      T  
harrende Frau dar, die, das Haupt auf I B, s?   
die rechte Hand gestüHt, vor ihrer Stickerei ; -P    
sitzt und aus großen Augen in die Weite    J.  
späht. Hals und Arme sind nackt, Glied-       
maßen majestätischen Weibtums, denen jede     
bewegliche Grazie versagt scheint. Der       
Kopf ist der einzige im Werk Rossettis,     ""tss ; s   
für den ein Lieblingsmodell Burne Jones7   He'    
benuht wurde. Verwandte Formgebung trat "   :   
in den Bleistiftstudieu für ein Olgemälde   ,-T  ;  
,,Der Tod der Lady Macbeth", wahr-   s 
scheinlich aus 1870 auf, die sich in   
Händen C. F. Murrays und William      
Michael Rossettis befinden. Der Entwurf H     
selbst zeigt eine siebenfigurige Komposition    ',,;kk;;J-ZEIT    
ohne jede Vertiefung des Raumes, voller C   Z. E  
Unruhe und Zerfahrenheit. Der Körper      V  
der Ladt) Maebeth ist von un1nöglichen1      
Liniengefüge. Besonders reiche Gewand- "s     
studien mit flach-faltigem, parallelen! Linien-  -   - 
fluß sind für- dieses Bild gemacht worden.       
Troh einzelner Schönheiten hätte es den  J  
 1Abb. 58. Krcidcstub ie für eine Dante-Gestalt. 
Rossettis, ein Übermaß von 11nlustgefiihlen  PM-
        

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