Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rossetti
Person:
Jessen, Jarno Rossetti, Dante Gabriel
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-629592
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-630339
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aber seine kiinstlerische Wertschätzung muß aus dem Gesichtspunkt seiner Doppelbegabung 
als Maler und Dichter und aus seiner initiatorischeu Kraft formuliert werden. 
Zur Darstellung des Weibes bedurfte Rofsetti meist eines pomphaft aufhöhenden Dekors 
durch Kostii1n und Milieuausstattung, der dem der Luxusporträts venezianischer Hoch- 
kunst nicht nachstand. Daher bewunderte er in seinen Briefen Burkmaier besonders 
wegen seines ,,dekorativen 1"1berflusses". Ein Magazin prächtiger Stoffe und Schleier, 
erlesener Kleinodien, aparter Musikinstrumente und Kleinkunstgeräte läßt sich aus dem 
Beiwerk seiner weiblichen Bildnisse herstellen. Das gleiche ästhetische Rafsinement, das 
in den Räumen seines Malerheims waltete, kennzeichnet sich auf seinen Frauenbildnissen. 
Ein Federfächer, ein schneckeuförmiger Filigranhaarschmuck mit PerlenbesaH, allerlei Hals- 
ketten und Kolliers  
und ein herzförmi- M      
ges Kristallmedaillon    Q""  
wiederholen sich als   
Ziermotive. Die   
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konnte sich mit Helio- (Pk)otogkc-phie von W. A. Mc-:1sku -e Eis. in L-nd-u.) (Zu Seite  
gabalus7 Verschwen- 
dung gärtnerische -Sendungen für ein Bild bestellen und empfing für seine ,,Venus 
Vertieordia" von drei Freunden Zuschickungen von K-örben voll blühenden Geiß- 
blatts. Für Rossettis Frauen ist auch meist ein leichtes Neigen des Kopfes charak- 
teristiseh, wie es Lotto für seine ntelancholischen Menschenbildnisse liebte. Diese 
Neigung steigert er, wie es Botticelli zuweilen tat, hin und wieder bis zu einem unlieb- 
sameu Zusan1mengedrücktsein des Oberkörpers. Die Köpfe erscheinen unerträglich belastet. 
Es wird, wie bei der ,,Römischen Witwe", der ,,Mariana", der  dem ,,Meercs- 
zauber" eine Geknicktheit und Unfreiheit in die Formgebung gebracht, die den deutschen Ge- 
schmack abstos3eu. Das häufige Auftreten gerade dieses Zuges in der neueren englischen 
Malerei beweist, das; solche Pose jenseits des Är1nelkanals natürlicher erscheint. Seit dem 
Wirken der Präraphaeliteu ist dem Volk, dem einst Hogarths Rokokograzie und Reynolds 
reife Linie4Ychönheit genug taten, eine neue Ästhetik anerzogen worden, die das Unzuläng-
        

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