Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Böcklin
Person:
Ostini, Fritz von Böcklin, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-626016
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-626345
16 UkTXkXkX EkkXIXXZAIXI XXXXKU 
und Kupferstichkabinett enthält, überraschen durch die schlichte Sachlichkeit und 
Genauigkeit, mit der sich hier die Natur studiert zeigt, mit der er die Formen 
komplizierter Baumäste und großblättriger Pflanzen bis ins kleinste nachbildete. 
Sieht man dies, so nimmt es einen nicht mehr Wunder, wie korrekt alle solchen 
Dinge noch auf seinen Bildern der spätesten Zeit dargestellt sind, als er längst 
keine Studien mehr zeichnete. Er hatte eben die Grammatik seiner Kunst sehr 
gründlich gelernt und daraus, daß er ein phänomenales Gedächtnis besaß  
in der Physiologie dieses Außerordentlichen wohl das Wunderbarstel  und mit 
den Augen eigentlich sein ganzes Leben lang unablässig Studien malte, erklärt sich 
der beispiellose Vorrat an Erinnerungsbildern, über den Böcklin jederzeit verfügte, 
wie ein anderer über schwellend gefüllte Mappen mit Studienblättern. Noch im 
Herbst 1845 zeichnet er seine ersten Aktstudien. Die Münchner Maillinger: 
Sammlung enthält ein paar solche, die aus dieser Zeit stammen mögen. Auch 
sie zeigen, wie jene ersten Landschaftsbilder, noch keine Spur des künftigen Böcklin 
 aber tüchtige Schülerarbeiten sind es  für einen, der zum ersten Male das 
schwere Problem des nackten Menschenleibes vor sich hat, sogar sehr tüchtige 
Arbeiten, einfach, ohne Genialtuerei, mit großem Verständnis für die Formen: 
Plastik gearbeitete Zeichnungen. Auf zeichentechnische Virtuosität hin, die leider 
auf den Akademien immer noch eine viel zu große Rolle spielt, sind sie durchaus 
nicht ,,gedeichseltss  der junge Arnold Böcklin wußte schon damals recht genau, 
was er brauchte und wollte. 
Rudolf Koller, der treffliche Schweizer Tiermaler, der Böälin bald sehr nahe 
trat und einer der wenigen Künstler war, die ihm sein Leben lang nahe blieben, 
hat den jungen Landsmann und Kollegen damals gemalt. Böcklin war ein 
schlanker, großer Bursch, nichts weniger als hübsch, nach diesem Bildnis zu urteilen, 
aber doch schon in seinem Äußeren mit dem Stempel des Genies gezeichnet. Im 
Herbst 1846 unternahm Böcklin eine Schweizer Studienreise, von der er manche 
hübsche Frucht in seiner Mappe nach Hause trug. Bald nachher trat er wohl 
KolIer nahe, und dieser Freundschaft verdanken wir so ziemlich die einzigen um: 
fassenden Berichte über Böcklins erste Lehrjahre; sie blieben nämlich für die nächste 
Zeit eng zusammen, auch als Böcklin die rheinische Kunststadt verließ. Sie waren 
einander verwandte Naturen, beide fleißig und hochstrebend in ihrem Fach und 
beide von starkem allgemeinem Bildungsdrang. Was er in der Schule, oder 
besser: ohne die Schule versäumt hatte, holte Böcklin durch unermüdliches und 
vielseitiges Lesen nach und ist sein Leben lang ein wahrhaft gebildeter Mann ge: 
wesen, ganz wie sein späterer Freund Hans Thoma. Die beiden jungen Genossen 
lasen auch viel zusammen, und schon anfangs 1847 berichtete Kollet nach Hause, 
was für schöne Früchte ihm aus dem Umgang mit Böcklin erwüchsen. So lebenS: 
lustig die beiden waren, sie lebten doch sehr haushälterisch und mäßig. Dem 
später in Bacc11o so tapferen Böcklin war das Gebräu, das den Düsseldorfer Kunst: 
jüngern bei der Knappheit ihrer Mittel zugänglich war, ohnedies zu schlecht. 
Schon sein starkes Pflichtgefühl hat Böcklin zu einem bescheidenen Leben gezwungen. 
Die Mittel zu seinen Studien wendeten die Eltern nicht leicht auf, und die Mutter 
brachte das Opfer, einen Mieter ins Haus zu nehmen, nur um dem Sohn seinen 
Zuschuß zu verschaffen. 
Schon zu Anfang 1847 strebte Böcklin  wie sein Freund Koller  wieder 
von Düsseldorf fort. Böcklin drängte es mit aller Macht nach Paris, aber von 
zu Hause aus wurde seinem Wunsche zunächst ein Veto entgegengesetzt. So be: 
gniigten sich denn die beiden mit einem Kompromiß und gingen im März nach 
Belgien, das künstlerisch sozusagen für sie auf dem halbem Wege nach Paris 
lag. Mit einem guten Zeugnis Schadows, das noch erhalten ist, verließ Böcklin 
die Düsseldorfer Akademie, um zunächst nach strapaziöser Reise in Brüssel nicht 
viel mehr als Enttäuschungen zu erleben. Auch an alten Kunstschätzen fand er 
nicht, was er suchte, keine ,,schönen LandschaftenE. So wanderten sie im Mai
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.