Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Böcklin
Person:
Ostini, Fritz von Böcklin, Arnold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-626016
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-627465
pomeneE, dann ,,Dejaneira und NessusE, eine wunderschöne ,,Melan: 
cholie0, an der nur der Kopf vielleicht noch nachbessernder Retuschen bedurft 
hätte, und das wenigst glückliche der Triptychen: ,,Horch, der Hain erschallt 
von Lied ernst, an dem wirklich deutliche Spuren des Alters zu merken sind. 
Ein ,,Flötender PanE, von einem Kinderreigen umgeben, soll 1898 noch in 
Arbeit gewesen sein, ebenso die schon erwähnte ,,Pestts CAbb. 102J. Daß dies 
legte Bild, aus der ,,EholeraH von 1876 hervorgegangen, nicht mehr fertig wurde, 
ist besonders schmerzlich; klingen darin doch die kühnsten koloriftischen Roten, die 
Böcklin je gewagt hat. 
Im April 1895 zog der fast Achtundsechzigjährige in die Villa zu San Do: 
menico bei Fiesole hinaus  sein eigenes Heim1 ,,So habe ich endlich eine 
Heimat, nachdem ich lange genug herumgetrieben worden als heimatloser Vaga: 
bund,tI schrieb er, glücklich und bitter zugleich, damals an seine Schwester. Und 
die spät erworbene Heimat war des großen Mannes wertl Von allen Seiten um: 
gaben ihn landschaftliche Schönheiten CAbb. 104J, wie er sie auf früheren Bildern 
oft geschildert, und im Hause selbst war Wohlhabenheit und Behagen. Unser 
Bild 105 gibt einen Raum aus der Villa wieder. An der Wand hängt der un: 
vollendet hinterlassene Paulus, Dejaneira und Nessus und rückwärts das schöne, 
ernste Selbstbildnis von 1873. 
In San Domenico hatte der Meister all seine Lieben um sich versammelt 
und genoß, soweit ihn die arg geschwächte Gesundheit dazu kommen ließ, seinen 
Lebensabend mit Behagen. Hier verlebte er auch 1897 seinen siebzigsten Geburts: 
tag, der in Basel durch eine großartige Böcklinausstellung, in ganz Deutschland 
durch Feste, Publikationen und auf alle mögliche andere Weise gefeiert wurde. 
Von dieser Zeit an, die wohl im Gemüt des Langverkannten tiefe und nicht 
durchweg freundliche Eindrücke hinterlassen haben mag, drückte die Wucht des 
Alters ihn immer schwerer. Sein Sprachvermögen war durch wiederholte Schlag: 
anfälle behindert, das Gehen wurde ihm hart. Am 16. Januar 1901 ist er nach 
kurzem Kranksein sanft entschlafen. Ein wehes Klagen ging durch die deutsche 
Kulturwelt  das offizielle Deutschland aber legte nicht einmal einen Kranz auf 
seinen SargZ 
Auf den Menschen Böcklin, auf die vielen und verschiedenartigen Jnteressen, 
die ihn auch neben der Kunst bewegten, auf seine Gesinnungen und Meinungen 
einzugehen, fehlt hier leider der Raum, der nur eben genügte für eine knappe 
Übersicht seines künstlerischen Werdens und Schaffens. Es wäre höchst anziehend, 
zum Beispiel über seine Bestrebungen zur Lösung des Flugproblems zu be: 
richten, das ihn so sehr beschäftigte, daß er in Momenten der Forscher:Erregung 
seine ganze Kunst gering achten konnte im Verhältnis zu dieser Aufgabe. Böcklin 
war auf dem Gebiete der Flugtechnik nicht etwa ein Phantast und Dilettant, 
sondern er arbeitete  und zwar in allen Phasen seines Lebens2  so ernsthaft 
und zielbewußt, daß Helmholtz den von ihm eingeschlagenen Weg sehr günstig 
beurteilte. Das preußische Kriegsministerium hat sich für ihn interessiert, Werner 
Siemens wollte sich seiner Jdeen annehmen, starb aber  und Böcklin wurde 
durch zwei SchlaganfäIle am Weiterführen dieser Jdeen gehindert. Heute haben 
die ,,AviatikerH die Jdeen, die damals den vielseitigen Geist des großen Malers 
bewegten, längst zu glänzender Verwirklichung geführt. Und zwar ganz im Sinne 
der Erwägungen Böcklins, der immer für das ,,Schwerer als die Luftst eingetreten 
ist und sich oft genug dafür auslachen ließl Von der Möglichkeit, so unglaublich 
leichte und kompendiöse Motore zu bauen, wie sie heute die Flügelschrauben der 
Flugzeuge treiben, hat er freilich damals nichts ahnen können.  Welche Rolle 
die Musik in seinem Leben und Wesen spielte, ist angedeutet worden. Er nahm an 
allen Tagesfragen lebhaften Anteil, und die Aufregung seines letzten Lebensjahres 
bildete, wie man erzählt, das Schicksal der Buren, das er mit schmerzlicher Teil: 
nahme und ohne Hoffnung verfolgte. Er war immer auf der Seite des Rechtesi 
        

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