Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Münchener Malerschule in ihrer Entwickelung seit 1871
Person:
Rosenberg, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-624446
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-625252
PiI0tY5. 
,,Karls V. Zug nach dem Kloster Sau Yustett, ,,Michel 
Angeln und Vittoria Colonnatt sind seine Hauptbilder 
aus der Renaissaneezeit, ,,Eiu Cyniker Vor dem Tempel 
der Cytherett nnd ,,Tanzstunde im DiouysostempelU C1886J 
diejenigen aus dem Altertum. Letzteres ist ganz in der 
glatten, auf treue Nachbildung der Architektur, der Fuß: 
bodenmosaiken und der Geräte abzielenden Art Alma: 
Tademas gemalt, streift aber in der pikanten Darstellung 
der nubekleideten Tänzerinuen hart an die Grenze der 
Frivolität. 
Nach dem Ausdruck tieferer Empfindung, freilich nicht 
ohne sentimeutalen Beigeschmack, strebt Claudius Sihran: 
dolph Cgeb. 1843J, der Sohn des Historienmalers Johann 
Schraudolph ans der Corneliusschule. Als Schüler seines 
Vaters nahm er an der Ausführung von dessen Malereien 
im Dom zu Speier teil und betrieb auch später, nachdem 
er selbständig geworden, wenn auch ohne innere Neigung, 
die religiöse Malerei nach dem ihm überlieferten Schema. 
Nachdem er mit einer ,,Brot austeilenden heiligen Elisa: 
bethtt das Gebiet der Genremalerei betreten, wagte er 
1866 einen weiteren, noch keäkeren Sprung mit einer 
humoristischeu Szene aus dem Münchener Hofbräuhaus. 
Von da ab kehrte er der Heiligeumalerei ganz den Rücken. 
Ein ,,Mädche11 am Klaviertt, zart empfunden und mit kolo: 
ristischer Feinheit durchgeführt, vermittelte seinen Über: 
gang auch zum Salonbild, nnd nach 1871 erweiterte er 
seinen Stosfkreis durch Studien des mittelalterlichen Lebens, 
als deren erste Frucht ein figurenreicher, nach Art der 
alten deutschen und niederliindischen Meister behandelter 
,,Osterspaziergangtt aus Goethes ,,FaustU ersäJien. Ein 
fröhliches Leben, welches durch die Zartheit des Kolorits 
noch gehoben wurde, sprach aus den geistvoll charakteri: 
sierten Figuren. Es folgte eine Anzahl kleinerer Genre: 
bildet, meist Liebespaare in schmücken Renaissance: nnd 
Rokokokoftümen, ein ,,Quartett auf einer veneziauischen 
Terrassett C1874J nnd ein ,,D01ee kais nientett C1879J. Von 
da ab widmete sich Schraudolph vorzugsweise der Jllu: 
stration und der dekorativen Malerei und ist auch seit 
1885 an der Kunstschule in Stuttgart thätig, zu deren 
Direktor er berufen wurde. Mit Schraudolph ist Josef 
Flüggen Cgeb. 1842J, der Sohn Gisbert Flüggens 
 in der empsindsameu Auffassung verwandt.  
In seinen ersten Bildern C,,Landgrtifin Elifabeth auf der 
Fluchttt, ,,Milton, das verlorene Paradies diktierend,lt  
,,Landgräfin Margaretha, von ihren Kindern Abschied 
nehmendUJ legte er, wie er es in der Pilotyschule gelernt 
hatte, den Schwerpunkt auf die malerische Darstellung der 
Kostüme. Dann scheinen die Erfolge von Makart und 
Gabriel Max einen Umschwung in seiner kiinstlerischen 
Richtung herbeigeführt zu haben. Einem romantischen 
Genrebilde nach Uhlauds Gedicht ,,Der Wirtin Töchterleins, 
gab er durch Verschwommenheit der Zeichnung nnd durch 
einen gelblich:grünen Ton ein kraukhaftessAussehen, wel: 
ches kranken Gemütern als iiberans interessant gilt. Noch 
 mehr steigerte sich die süßliche Verschwommenheit und 
Kränklichkeit des Kolorits in einem figurenreichen Genre: 
bilde ,,Regine Jmhof, spätere Gemahlin Georg Fuggers, 
empfängt die BrautgeschenkeU, und auf einem zweiten, 
ähnlich arrangierten, der ,,Tanfe Kaiser MaximiliansH. 
Jn einem grau in grau gemalten Cyklus von Olbildern zu 
Richard Wagners Opern, die für photographische Bewies: 
fältignng bestimmt waren, kam seine Neigung fiir die Ro: 
1nantik ohne die Beigabe einer nngesunden Zuthat gliick: 
licher zur Geltung, und eine völlige Umkehr zu einer 
gesünderen nnd tieferen Charakteristik bezeichnete das Sitten: 
bild ,,Das legte Kleinods, welches eine verzweifelte Mutter 
zum besten ihres kranken Kindes an einen alten Trödler 
verkauft. 
Diese Richtung sentimeutaler Kostiim: und Salonmalerei 
gipfelt in Robert Beyschlag aus Nördlingen Cgeb. 1838J, 
welcher sich auf der Münchener Akademie 1cud im Atelier 
des romantischen Hiftorienmalers Philipp Folg C1805 bis 
1877J und später ein Jahr lang in Paris ausbildete. 
Er singt das Hohelied der Liebe in allen Tonarten, von 
schmachtender Sehnsucht bis zum süßen Zusammeuftrömen 
zweier Seelen, welche sich endlich gefunden haben. An: 
fangs wählte er die Motive zu seinen Bildern, auf denen 
schwärmerische junge Mädchen die Hauptrolle spielen, aus 
dem modernen Leben. Bald übertrug er aber seine lie: 
benden Jungfrauen und Jünglinge in die Rou1autik des 
Mittelalters und der Renaissaucezeit, ohne ihnen jedoch 
die moderne EmPfiudungsweife zu nehmen. Das Bey: 
schlagsche Liebespaar der Renaisfancezeit, dessen stärkere 
Hälfte die beiderfeitigeu Jnitialen in die Rinde eines 
Baumes schneidet, bezeichnet den Höhepunkt dieser No: 
mantik, zu welchem sich die Sehnsucht aller gleichfiih: 
lenden Herzen mit Wonne emporschwingt. Durch Farben: 
druck, Photographien und andere Nachbildungen hat jene 
Komposition eine Verbreitung gefunden, welche an die: 
jenige der populärsten Genrebilder der Diisseldorfer Schule 
heranreicht. Der sentimentalen Ausdrucksweise, welche 
die meisten Beyschlagschen Gemälde kennzeichnet, 811kfPMhk 
die süßliche, nur in der Behandlung der Stoffe zu grö: 
ßerer Virtuosität entwickelte Färbung. Eine ,,Liebesszene 
aus Fausts, der ,,SonutagsmorgenE,.der .,,Geburtstags: 
morgeuU, ,,Ju der KircheU, ,,Der Abfkhiedu Cis Die AVVkks
        

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