Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Münchener Malerschule in ihrer Entwickelung seit 1871
Person:
Rosenberg, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-624446
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-624794
Landsii2aft. 
Genremaler 
los bei Seite geschoben wurden. Er bildete sich anfangs 
auf eigene Hand durch Studienreisen, schloß sich dann an 
Morgenstern und Rottmann an und malte Partien aus 
den bayerischen Alpen. Erst ein tieferes Eindringen in 
die niederländischen Landschaftsmaler, in Ruisdael und 
van Goyen, brachte ihn auf den seiner Begabung zusagen: 
den Weg. Von ersterem übernahm er den tiefen Ernst, 
die schwermiitige Naturbetrachtung, welche seiner eigenen 
Gemütsstimmung entgegen kam. Durch van Goyen lernte 
er das malerische Zusammenwirken von Sonnenlicht, Luft, 
Wasser und Terrain kennen, sowie die Flüssigkeit und 
Durchsichtigkeit, zu welcher die koloristische Behandlung 
eines Naturausschnittes gebracht werden kann. Aber weit 
entfernt, den einen oder den anderen nachzuahmen, brachte 
er die gewonnene Erkenntnis an völlig neuen oder doch 
neu aufgefaszten Motiven zur Geltung. Obwohl er Stu: 
dienreisen nach Belgien, Holland 1md Frankreich gemacht 
und gelegentlich auch Strandbilder und Binnenlandschaften 
aus den Nordseeländern CScheveningenJ und Partien aus 
Nordfrankreich CMondnacht in der NormaudieJ gemalt 
hat, warens die Umgebung Münchens und die Ebenen 
Oberbayerns sein Hauptstudienfeld. Die Jsargegenden und 
das Dachauer MoosAboten ihm zahlreiche Motive, an 
denen er die Magie seines Lichtspiels erproben konnte. 
Er bevorzugte Herbft:, Regen: und Mondscheinstimmung, 
wobei er braune, graue und bläuliche Töne zu einer 
feinen Harmonie zusammenstimmte. Bisweilen wurde aus 
der Elegie auch ein Drama, und er zeigte das Moor, 
nachdem der Wind darüber hinweggefegt und droben am 
Himmel die grauen Regenwolken in flatternde Fetzen zer: 
rissen hatte, so daß ein fahler Lichtschein auf das nasse 
Erdreich und die kahlen Bäume fällt. Sein gleichnamiger 
Sohn setzt mit nicht geringerem technischen Geschick die 
Kunst des Vaters so würdig fort, daß er ihm in einigen 
seiner Herbst: und Mondscheinlandschaften fast gleich ge: 
kommen ist. 
Mit Eduard Schleich eng befreundet war der Tier: 
und Landschaftsmaler Friedrich Volk;  der 
sich auch in seiner malerischen Auffassung an den älteren 
Freund anschloß. Er hatte den ersten Unterricht von 
seinem Vater, dem Maler und Kupferftecher Johann 
Michael Volk, in Nördlingen, erhalten, war dann nach 
München gegangen, fand aber wie so viele andere aus der 
dortigen Akademie keine Förderung seiner Bestrebungen. 
Er bildete sich nun durch das Studium der Niederländer 
in der Pinakothek und an der Natur, welche er in den 
bayerischen Alpen aufsuchte. Bis zum Ende der dreißiger 
Jahre malte er vorzugsweise Hochgebirgslandschaften, dann 
aber reizte ihn mehr das flache Land mit seinen Vieh: 
weiden. Rinder und Pferde, Ziegen und Schafe traten 
mehr und mehr in den Vordergrund seiner Gemälde. Das 
Rindvieh auf der Weide nnd an der Tränke wurde der 
Hauptgegenstand seines Studiums; doch verlor die Land: 
schaft darüber nicht ihr charakteristisches Gepräge. Eine 
Reise nach Belgien und Holland C1846J, wo er mit den 
dortigen Tiermalern der neueren Schule bekannt wurde, 
brachte ihn wiederum ein Stück vorwärts. Die völlige 
Reife seiner malerischeu Darstellung erfolgte aber erst im 
Umgange mit Morgenstern, Spitzmeg, Piloty und Schleich. 
Wie leHterer legte er von jetzt ab den Hauptton auf die 
Beleuchtung und die Stimmung bei feuchter Luft, geriet 
aber dabei nicht in die trübe Melancholie seines Freundes. 
Eine Herde glatten Rindviehs, die am Ufer eines Flusses, 
am flachen Gestade eines Sees weidet oder zur Tränke 
geht, ein dichter Laubwald im Hintergrunde und über dem 
Ganzen ein sonniger Himmel, von welchem sich eben die 
letzten, blaugrauen Ziegenmolken verziehen  das ist die 
gewöhnliche Physiognomie seiner bald auf einen warmen 
Goldton, bald auf eine kühle, silbrige Tonart gesti1nmten, 
an einem eigentümlichen langgestreckten Querformat kennt: 
lichen Bilder, deren Motive den Ufern des Starnberger 
Sees und den Jsargegenden entlehnt sind. 
Nach dem Tode Schleichs wurde Adolf Lier C1826 
bis 1882J, der, ohne dessen Schüler gewesen zu sein, doch 
in gleicher Richtung das Stimn1ungsbild kultivierte, das 
Haupt der Münchener Landschaftersihule. Ursprünglich 
Architekt, widmete er sich erst seit 1851 in München der 
Malerei unter dem Landschaftsmaler Richard Zimmer: 
Mann  der sich bei seinem älteren Bruder 
Albert und bei Ludwig Richter gebildet hatte und Land: 
schaften in romantischer Auffassung und mit Tierstaffage in 
der Art Berchems malte. Die ersten Landschaften Liers, 
deutsche Städte: und Dorfbilder, trugen denn auch in ihrer 
liebevollen Detaillierung das Gepräge jener naiven Ro: 
mantik, die sich in ähnlichen Ansichten Ludwig Richters 
zeigt. Erst eine im Jahre 1864 unternommene Reise 
nach Paris  eine frühere war ohne Einfluß geblieben  
führte den Umschwung zu einer anderen Naturanschauung 
herbei. Jules Dupr6, der Meister des Pa;ysage intime, 
wurde sein Lehrer, unter dessen Leitung er längere Zeit 
arbeitete. 1865 ging er von Frankreich nach England und 
kehrte dann nach München zurück, wo er seinen Wohnsitz, 
nahm nnd mit einer ,,Abendlandschaft aus Mecklenburgss 
seinen ersten Erfolg in der neuen Richtung erzielte. Er er: 
probte nunmehr die gewonnenen koloristischen Fähigkeiten 
an Motiven aus der Umgebung von München, Schleißheim
        

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