Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Münchener Malerschule in ihrer Entwickelung seit 1871
Person:
Rosenberg, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-624446
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-624744
 
Die 
älteren 
Genremaler 
und 
dir 
JIandsrlxafk. 
LJz7.2 H  wäre ein Irrtum, wenn man glauben 
Hi  wollte, das; zur Zeit, wo CorneliuI im 
; . Vordergrunde des Münchener Kunstlebens 
  stand und seine Anschauungen mit tyran: 
  nischem Eifer zur Geltung zu bringen 
 suchte, die kea1isiische 2r1eqIeFei viirIig unter: 
 drückt worden wäre. Wir erfahren es 
 nicht nur aus den Lebenserinuerungen 
 Franz Adams  sondern wir 
ersehen es auch aus den älteren Gemälden in der Neuen 
Pinakothek zu München, daß eine stattliche Anzahl von 
Münchener Künstlern, von Schlachten:, Genre: und Land: 
schaftsmalern, in scheuer Entfernung von der erhabenen 
Corneliusschule und in bescheidener Zurückgezogenheit ein 
vergnügliches Dasein führte. Die Säle der Alten Pina: 
kothek waren ihre Akademie. Hier oder in Schleiszhein1 
suchte sich ein Jeder die ihm zusagenden Vorbilder, 
namentlich aus den alten Niederländern, heraus, und 
indem diese Quellenforscher immer tiefer in die Ge: 
heimnisse alter Paletten eindrangen, schufen sie eine 
solide Maltechnik, welche sich von Atelier zu Atelier ver: 
erbte. So hat Franz Adam in Söhnen und Enkeln eine 
ganze Dynastie von Malern begründet, welche die ver: 
schiedenen Gattungen des Tierstücks vom ruhigen Pferde: 
portrait bis zum wilden Kampfe auf einander stiirmender 
Tiere kultivierten und deren berühmtester Sprößling, Franz 
Adam d. j.  das Genre der kleinen Kriegs: 
episode oder des Manöverbildes zum Historiengemälde von 
höchster dramatischer Wirkung erhob. Sein ,,Reiteraugriff 
bei Floing in der Schlacht von SedanU C1874 nnd 1879, 
Berliner NationalgalerieJ und seine ,,Einnahme von 
Qrleans durch das 1. bayerische ArmeekorpsE C1879, 
Münchener PinakothekJ bezeichnen den Höhepunkt moderner 
Schlachtenmalerei: höchste Lebendigkeit der Schilderung 
treffen mit tadelloser Vollendung der Zeichnung nnd 
glänzendem Kolorit zu einem Vollklang kiinstlerischen 
Schaffens zusammen, welches die unbestreitbare Bcrech2 
tigung realistischer Darstellungsart nachweist. Sein Bruder 
Benno Adam Cgeb. 1812J zeichnet sich besonders in FUthss. 
Hirsch: und Saujagden, in Viehmärkten und in der Dur: 
stellung von Haustieren ans, sein Sohn Emil Adam 
Cgeb. 1843z im Reiterportrait, in der Aufnahme größerer 
Jagdgesellschasten und in Lagerszenen. Ein dritter Sohn 
Franz Adams des Älteren, Eugen Adam  
malte unter der Leitung des Vaters vorzugsweise Militär: 
szenen, Pferde: und Reiterportraits und behandelte dabei 
Motive aus dem Leben der Völker in Ungarn und den 
Donauländern. Aus jener älteren Periode der Münchener 
Malerei reichte auch eine ihrer originellsten Persiinlich: 
keiten, der Humorist Karl SpiHweg  bis 
in die jüngste Vergangenheit durch unermiidliche Thätig: 
keit hinein. Als Autodidakt hatte er sich ebenfalls durch 
das Studium der alten Niederliinder eine malerische Aus: 
sassung angeeignet, welche seinen teils romantischen, teils 
humoristischen Bildern ein durchaus modernes Gepräge 
gab nnd dieselben bis in die letzte Zeit des Meisters 
hinein stets frisch und lebendig erscheinen ließ. Wie sein 
Freund Schwind suchte er gern die Plätze und Gäßchen 
altertijmlicher Städtchen auf, welche er mit drolligeu Ge: 
sellen, mit Zollwächtern, Polizisten, Stadtsoldaten, Nacht: 
wächtern, Biirgergardisten, mit Guitarrespielern, die im 
Mondschein der Dame ihres Herzens ein Ständchen 
bringen, mit Jnvaliden u. dgl. m. belebte. CS. d. Abbil: 
duug S. 8.J Originell und bizarr, wie die Umgebung, in 
der diese halbverschollenen Philister ihr beschauliches Da: 
sein führten, war auch ihre äußere Erscheinung, welche in 
jedem Zuge von schärfster Beobachtung sprach. Gelegent: 
lich behandelte Spitzweg auch, aber in derselben sorgfältig 
detailIierenden Manier, kleine Waldpartien und felsige Ein: 
öden, die er mit Klausnern, Mönchen, Jägern, kämpfen: 
den Rittern u. s. w. stassierte. Spik3weg war auch mit 
Schwind einer der ersten, die sich an den 1844 von Braun 
und Schneider gegründeten ,,Fliegenden BlätternH betet: 
ligten, in welchen geraume Zeit hindurch das romantisch: 
p.oetische Element neben dem humo1jistisch:realistischen gleich: 
mäßig vertreten war. Schwind und Spik3weg sind Thpen
        

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