Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von K bis Z
Person:
Sulzer, Johann Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-616996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-624109
t262 
Weh 
W,aOb 
Höchjl wichtig, vielleicht allein wichtig ist also 
die Wahrheit dein Menschen, und seinem wahren 
inneren Interesse kann nichts mehr entgegen seyn, 
als Jrrkhu1n. Keine Wolkhac ifi größer, als den 
Jrrenden zurecht zu weisen; keine Missekhat siraf: 
barer, als Menschen in Jrrthum zu verleiten. Der 
Geist des Menschen kennen: kein anderes Gut, als 
Wahrheit; und Jrrthum ist das einzige Uebel, das 
ihn. betreffen kann. Alles sittliche Elend hat sei: 
neu Ursprung darin. 
 O 
P1utakcb. 
ApoFht. 
Weil die Wahrheit das einzige Gut des me,nsch; 
cichen Geistes, seine tv,ürllicl;eRahrung iß; so muß 
auch alles, was dieschönen Künsie dein Verstand 
und der Einbildungskraft vorlegen, auf Wahrheit 
gegründet seyn. Der unmittelbare Ztvek der schc3: 
neu Künste ist Lebhaftigfeit, oder Stärke der Vor: 
Heilung; durch die Bearbeitung des Künstlers be: 
kommen unsre Vori7ellungen Kraft, Leben und 
Wiirksacnkeit. Weiten sie falsch, oder ziehlten sie 
auf Jrrthnm ab;. so tviirden sie tun so Viel schädli: 
eher, je lebhafter wir sie gefaßt. haben. Darum 
macht Kenntnis und Liebe der Wahrheit eine we: 
sentliche Eigenschaft eines reehtschaffeneniKünßlers, 
und sehr richtig .urtl;eilke jener Sparthaner, der 
einem Sophisten, welcher sich rühme seinen Zuhö, 
rern alles glauben zu machen, was eHvo.llke, eint: 
ivortete: Beym Himmel I, es giebt keine, Kunii, 
und es wird nie eine Kunst seyn, deren Grund 
nicht Wahrheit iieyZ O Der Künstler , der die 
vWahrheit nicht kennt, oder sie gering sehäzt, ist ein 
deiio gefcihr1icherer Mensch; weil das, was er uns 
sagt, oder vorhält, starken Eindruk auf uns macht. 
Je größer die eigentlichen Kuniitalente lind, je 
wichtiger ist es , daß der Künstler die Wahrheit er; 
kenne und liebe. Zwar liegt die Erforschung nnd 
Entdekung der Wahrheit außer der Kunst; sie ist 
der stock der Philosophie; aber wiehtige Wahrheiten 
fühlbar zu machen, ihnen eine.ivürkende,Kraft zu 
geben, sie dem Geist unanslöschlirh.einzuprägen, 
dies ist die edelsie Anwendung der Kunst. Es ist 
noch zweifelhaft, ob der Philosoph, der wichtige 
Wahrheiten entdeket, oder der Künstler, der sie der 
Menge fühlbar macht, und sie zum Gebrauch aus: 
breitet, dem.menschlichen Geschlecht einen tviehti: 
gern Dienst leiste. Die Werke der Kunst, die 
Jrrthuin, falsche Meinungen oder.Vorurtheile über 
wichtige Gegenstände begünsiigrn, gleichen einer 
äußerlich schöneniundLüsiernheit erwekenden Frucht,ss 
die vergiftet ist; den Künstler aber, der seine Tag 
lenke auf einen schiinärischen, nicht auf Wahrheit, 
oder 9iealität gegründeten Stoff verwendet; der 
seine Vorsiellungen aus einer nicht wirklichen , sen: 
dem blos ungebildeten Welt nihint, und ihnen 
keine Beziehung auf die würkiiche giebt, können 
wir in keinen höhern Rang stellen, als den, den 
wir den Dienern der Uepuigkeit anweisen, die die 
Tafeln der Reichen init Früchten versehen, die aus 
Wachs gemacht sind.  
Damit wollen wir dem Künstler den blos erdich: 
teten aus einer nur in seiner Phantasie vorhandenen 
Welt genounnenen Stdn, keinesweges vrrbiethen. 
Er kann uns Steuers aus einer Feenwelt schildern, 
kann Thiere reden lassen, kann ein Elhsiiiin und 
einen Tartarus, ein Paradies und eine Hölle bil:. 
den, wie es seine Phatitasie verlangt; aber unter 
dieser äußern Schale muß Wahrheit liegen; wir 
müssen in dem Bilde der erdichreten Welt, die wahre 
sehen können. Nur der Stoff ist schiniörisch und 
ohne Wahrheit, in dein wir nichts von der Be: 
schafenheit der wahren Welt erkennen; der ein 
bloßer Traum, ohne Deutung isl. Dieses bedarf 
keinerunisiändliehen Erklärung; denn für den KiinsI: 
lser, der hieraus noch nicht merken kann, was wir 
durch einen erdicbtetcn, aber sich auf Wahrheit be: 
ziehenden Stoff Versiehen, ist dieses Werk nicht ge: 
schrieben. 
Wahrheit muß also bei; jedem Werke der Kunst 
zum Grunde liegen; und je wichtiger, je brauehba: 
rer diese Wahrheit ist, je schäzbarer ist sein Stoff; 
Der Künsiler also, der auf die Hochachtung der 
Welt einen Anspruch machen will, frage sich selbsk, 
so oft er ein Werk an den Tag legt, was wirst du 
nun0aniit ausrichten7 Wozu wird das, was du 
andern so lebhaft in den Geist und in die Phantasie 
einprägest , dienen2 Ueber welche Angelegenheit 
werden die Menschen nun7ricbtigers, oder würksa: 
mer denken, als vorher; welchen nüzlichen Begriff 
werden sie sich nun lebhafter vorstellen, welche heil; 
same Empsindung,, wird ihnen gewöhnlicher were. 
den2 Was wirft du überhaupt in den VZkskeuune 
gen der Menschen berichtiget, oder aufgeklärt, oder 
wilrksam gemacht .habrn2 Ist  ein 
Mann von Verstand und Kenntniß, TO Werden Pers 
gleichen Untersuchungen ihm über den Werthiseiiier. 
Arbeiten das nöthige Licht geben.  
 Wahr;
        

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