Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von K bis Z
Person:
Sulzer, Johann Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-616996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-623362
s.sgsssscsj.1ks1, 
 
Uebereinandersiellung ; Uebersielluug. 
cBax:lunsU 
Jn großen und hohen Gebäuden, hauptsächlich lieh 
Thürmen geschieht es bisweilen, daß jedes der über: 
einandersiehenden Geschosse seine eigene Säulen hat. 
In diesen Fällen hat der Banmeisier verschiedenes 
zu bedenken, um nicht gegen die Regeln anzumaßen. 
Was zuerst hieben in die Augen falle, sind die 
 zwei; Grundsäze, auf welche das Wesentliche in der 
UebereinandersIellung ankommt. Daß die sch1vä: 
 there Ordnung oben, und die stärkere unten komme, 
und daß die Säulen gerade übereinandersiehen, so 
daß die Ohren der übereinandersiehenden Säulen in eine 
 einzige senkrechte Linie fallen. Behdes sind noch: 
wendige Regeln, deren Verabsäumnng den Gescblnak 
und das Auge bcleidigen würde. 
Jnsge1uein wird die dorische Ordnung zu untersi 
gesezt, darüber die jonische, und wo drei; Geschosse 
sind, über dieser die Corinthiscbe oder Römische, 
Auf diese Weise ist die gehörige Abstufung der Stärke 
und Fesiigfeit von unten bis oben wol beobachtet. E 
Die starke Aiisiadung der Gebsilke könnte Ver: 
hindern, daß man die Füße der darübersiehenden 
Säulen nicht mehr schen könnte. Diesem wird, 
entweder dadurch abgeholfen, daß die untern Ge; 
balke weniger Ausladung über den Fries haben, 
als ihnen zukäme, oder daß die obern Säulen auf 
eine über dem untern Gebälke tveglaufende Plinthe 
gesezt werden. EinigeBaumeisier sezen sie aus eben 
diesem Grunde auf Säulensiühle. Allein, zu ge: 
schweigen, daß sie, weil man die Füße dieser Sau: 
1eniiühle nicht sehen kann, verstümmelt aussehen, 
so haben sie noch dieses Nachtheilige, dasI.dadurch 
die edle Einfalt zu sehr aufgehoben wird.   
Aus der andern Regel folget auch nothwendig, 
daß die untere Dike des Stammes der Saale, die 
auf einer andern sieht, nicht größer sehn könne, als 
die obere Dike des Stammes an der darunterstei 
henden. Daher bekommt nothwendig jedes Sei 
schoß seinen Model, der aus dem Model der unter; 
sien Ordnung und der Regel der Verdünnung der 
Stämme.bestimmt werden muß. Wenn also der 
untere Säulensiauim um H berdünnee oder einiges 
zogen wird, so ist der Model der ztve:;ten Ordnung H 
dessen, wonach die untere abgemessen ist. Iß noch 
eine dritte Ordnung über der zwey:en, so ist deren 
Model H dessen, der in der zivepten gebraucht work  
den, oder H dessen, der zu untern angenommen 
worden. W Dieses ist schleehterdings nothwendig. W S. 
Sollte es sich finden, daß dadurch eine der obern MAY. 
Ordnungen .in andern Absichten zu niedrig würde,  
so weiß ein ver:iändiger Baumeiiier sich durch an;  
dre Mittel, als durch Uebertretung einer so wesents Z.  
lichen Regel zu helfen. Er kann die Plinthe höher  
machen, oder ansiart der Plinthe einen hohen ge; 
rede durch das ganze Geschoß laufenden Fuß anheim  
gen, um die Höhe zu erreichen.   
Ein .Hauptumi7and iß hier noch zu bedenken. 
Weil die Arm der Säulen nothwendig auf einander 
treffen müssen, die Model aber in der Höhe immer 
kleiner werden, so wird auch die Säulenweice in je;  
dem Geschoß anders. Wenn sie z.B; unten S Mo: 
del iß, so ist sie in der nächsten Ordnung I o und in der 
dritten re; Model. Dieses kann in den Fällen, 
wo jede Ordnung Balken: oder Spaercnkötsfe oder 
8ahnschnitte hat, den Baumeiiier in große Verlies 
genheir sezen; weil auch die Mitte dieser Theile durch 
alle GeschoiTe auf einander, und allemal eine.auf die 
.Axe der Säulen treMn muß. Daher kommt es, 
daß auch von guten Baumeisiern häufige Fehler,  
die daher entiiehen, nicht oermieden worden sind. 
Um so viel mehr hat man Ursache, wegen der Aus;  
mesTungX dieser Theile, die Goldniannische Regeln   
anzunehmen, welche allen dieseniSchwiercgkeiten 
am ßehersien abhelfen. O  TO; S. 
  Ordnung. 
 UeberfItrs.  
 cSehöne Ktiniie.J 
Der Reichthum in Werken der Kunst, der ihrer 
Würkung schadet. Es in eine bekannte Anmerkung, 
daß man auch des Guten zu viel thun könne. Wir  
wollen dieses besonders auf die Werke der Kunst ans 
wenden, und einigen Künstlern, denen dieses nüzlieh 
sehn kann, begreißich machen, MS mass Nishi zu 
viel Schönes zusammen häufen könne. Die Künste 
haben hierin mit den Veranlkc1ktMIgEU des geineinen  
Lebens nichts voraus, noch der Geschiuak am Schös  
neu, vor dem grobem Geschmak, der auf die Be:  
 friedii
        

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