Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von K bis Z
Person:
Sulzer, Johann Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-616996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-617704
Eos 
Krds 
KIND 
schen zwei; Krinnen, wird ohngefehr den vierten 
Theil so breit gelassen, als die Breite einer Kanne 
beträgt, welche dadurch ohngefehx auf den fünften 
Theil eines Models besiiinmt wird. Man kann die 
Aushölung nach einem halben oder kleinern Zirkels 
bogen machen. Es ist kaum der Mühe iverth, 
hier,Regeln.zu geben. Nur muß man nicht, wie 
einige italiänische Banmeister in dorischen Ordnung 
thun, die Minnen ohne Saum oder Steg an ein: 
ander laufen lassen. Auch nicht wie einige franzöi 
Asche JBaumeisiet gethan, an dem untersten Drittel 
des Stammes dieKrinnen mit runden Stäben aus; 
füllen. Alles dieses scheint dem guten Gefchmak 
entgegen zu seyn.  
Ansehen; weil das Aug nicht gerade über ein Sie; 
bälke tveglaufen kann, sondern alle Augenblike an 
Eken anskößt. 
Das große Porkal an dem Königl. Schloß in 
Berlin, das eine Nachahmung des Triumphbogens 
des Kansas Sept. SeverUs in, und noch mehr die 
sonst mächtige Fassade gegen den zweyten Hof, wo 
die Haupttreppe des Schlosses ist , sind durch Ver; 
kröpfungen gänzlich verdorben. Es läßt sich nicht 
begreifen, wie es kommt, daß man diese Würkung 
eines verdorbenen Geschmaks nicht schon längst ges 
hemmt bat.  
H sKröPfung. 
 .cBaukuusi.J 
Wird auch Verkröpfung genennt. Dadurch bei 
zeichnet man in der Baukunsi die Brechung eines 
sonst gerade laufenden Gliedes, wodurch ein Theil 
desselben weiter hervorsieht, als die übrigen und 
folglich eine Art des Kropfes macht.s Man ßeht 
an neuern Gebäuden nur gar zu ofte Beyspiele hier: 
von. Es giebt zu Viel Bauineisier , die Wandsäu: 
ten anbringen, welche halb, oder noch weiter, aus 
der Mauer heraustreten, da das Gebälke über die 
Säulen so angelegt ist, daß der Unterbalken über 
die Mauer gar nicht auslänft. Weil auf diese 
Weise die Säulen gar nichts zu tragen hättenF, so 
krbpfen sie das ganze Gehalte über den Säulen, 
und begehen dadurch einen der ungereimtesien Fehler, 
die man in der Vaukunsi begehen kann. Denn 
was ist ungereimteres, als Säulen anzubringen, 
die nichts tragen7 oder das , was seiner Natur nach 
geradeslgestrekt seyn sollte, wie ein Balken, zu ists: 
pfen2 nur damit es scheine, daß die unnützen Sau; 
ten etwas zu tragen haben. Die alten Baunteisier 
aus der guten Zeit, waren weit entfernt, solche 
Ungereimtheiten zu begehen. Man trift keine Kröi 
pfungen bei; ihnen an. Aber die römischen Baumei: 
fier unter den Kaysern haben sie schon eingeführt, 
wie an den Triutnphbogen einiger Kahser zu sehen ist, 
 und von diesen fchcechkeuMuaem and vieVekkr5pfuni 
gen in der neuen Baukunit beybehalten worden. 
Sie sind nicht nur, wie schon angemerkt worden, 
völlig ungereimt und den wesentlichsten Regeln eure 
gegen, sondern geben auch den Gebäuden ein sehr 
überladenes gothisthes, oder vielmehr arabische8 
Kühn. 
cSchöneiKüusie.1   
Die Kühnheit ist nur vorzüglich starken Seelen 
eigen, die aus Gefühl ihrer Stärke Dinge unter: 
nehmen, die andre nicht würden gewagt haben. 
Deswegen ist unter alten Aeusserungen der Seelen: 
kräfte nichts, das unsre Hochachtung so stark an 
sich zieht, als das Schöne und Gute, das mit 
Kühnheit verbunden ist. Selbst alsdenn, wenn 
ein kühner Geist in seinem Unternehmen zuviel 
.Hinternis angetroffen hat, versagen wir ihm unsre 
Hochachtung nicht, wenn wir nur sehen, daß er 
seine Kräfte ganz gebraucht hat. Der Werth des 
Menschen muß unftreitig nur aus der Größe und 
Stärke seiner Seelenkräfte geschätzt werden. Die: 
fes fühlen wir so iiberzeugend, daß wir uns ofte 
nicht enthalten können, in verwerftichen .Handlun; 
gen, die mit Kühnheit unternommen worden sind, 
noch etwas zu finden, das wir hochachten; nätn: 
lich die Kühnheit selbst, in so fern sie eine Wär; 
kung des innern Gefühls feiner Kraft ist. 
Datum gEh5M das Kühne unter die größten 
ästhetischen Schönheiten, tveil es Bewundrung und 
.HochachtUt1g erntest: zugleich aber hat es noch den 
höthskfchälgsbarcct Vorzug, daß es auf die Stärkung 
und Erweiterung unsrer innern Kräfte abziehlr. 
Wie man unter Furchtsamen Gefahr läuft furchte 
san: zu werden; so wird man unter kühnen Mem 
sehen auch stark. Wenn ein Künstler von hohem 
Geist und großen Herzen einen Stoff bearbeitet, 
so wird man in Gedanken undiGesinnungen eine 
Kühnheit bemerken , die uns gegen die Höhe heran; 
zieht, auf der wir den Künstler sehen. 
Diese Kühnheit äussert sich sowol in der Beut; 
theilung, als in den Empändungen. Menschen 
Von
        

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