Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von K bis Z
Person:
Sulzer, Johann Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-616996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-621916
Schi3 
Seins 
t043 
durch das unnatürliche in den Sitten noch under; 
dorbenen Mädchens weit glüklicher und richtiger, 
als die Ueberiegung ihres Vaters, zu unterscheiden, 
ob ein Jüngling, sie glüklich, oder unglüklich mag 
khen werde2 Selbst in diesem Punkt betveisetseine 
oft fehkk3eschlOgEM Wahl nichts gegen unsern Saz; 
weil in unserm etwas Unnatürlichen Zui2ande, das, 
wodurch die Menschen hätten glüklich werden sollen, 
bisweilen ihr Unglük am meinen befördert; nnd 
weil Vorurtheile, die allen Anschein der Wahrheit 
haben, uns softe zu falschen Erwartungen und wie: 
dernatiirlichen Ansprüchen verleiten, die nicht erfüllt 
werden können.   
Noch müssen wir eine Hauptanmerkung nicht 
übergehen, die zu richtiger Benrtheilnnei dieser Sag 
che höchst nothwendig ist. So wol das äußere An: 
sehen des Menschen, als sein innerer Werth, zwis 
schen welchen unserer Meinung nach, die Natur 
eine Vollkommene llebcreinslimmung betvürkt hat, kön: 
nen durch Zufälle, oder vorübergehende Irrungen 
so versiellt werden, daß ein überaus fcharfes Aug 
und mehr , als gemeine Uktheilskraft erfodert wer: 
den, wenn man sieh in seinem Urtheil über die 
wahre Beschaffenheit der Sache nicht betrügen will. 
.Kkankheiten und andre ungläkliche Zufälle, können 
die schönste Leibesgesialt entweder für eine Zeitlang 
verdunkeln, oder für immer verderben. Wie wenig 
Menschen sind in solchen Fällen im Stande die ur; 
sprüngliche Anlage zu einer Vollkon1inenen Gestalt, 
unter der znfkilliger Weise verdorbenen Form , noch 
zu erkennen7 Wer aber dieses nicht kann, wie soll 
er die natürliche Harmonie der Gestalt mit dem in: 
snern Wei1h bemerken können7 
Und so kann im Gegentheil der Mensch von einem 
tvürklith schlechten Charakter durch Zwang, Ver: 
siellung und ans andern ebenfalls blos zufälligen, 
oder Vorübergehenden Ursachen , Von ha1henKek1; 
nern der Menschen für edel gesinnt und rechtschaffen 
gehalten werden, ob er gleich im Grunde nichts 
tverth ist. 
Diese Anmerkungen können den, deines der Er: 
fahrung entgegen scheinet, daß die äußere Gestalt 
mit dein inneren des Menschen harmonire, belehren, 
daß es beh,den mannigfaltigen Vornrtheilen, die 
unnatürliche Sitten in uns veranlassen, und bei; den 
vielfältigen zufälligen Verdunkelungen der äussert: 
und innern Gestalt in manchem Falle gar keine leichte 
Sache sey, so wol über die Schönheit, als über 
den innern Werth der Menschen richtig zu urtheilen. 
Man muß sich deswegen hüten, jeden ansrheinenden 
Wiederspruch in dieser Sache, für einen Beweis, zu 
halten, daß das äußere Ansehen des iMenschenskeine 
Versicherung seines innern Werths gebe. Aber es 
ist Zeit wieder auf die Hauptsache zu kommen. 
Noch weikniehr betrügen lich nur zu viel Mein 
schen in ihren urtheilen über den innern Charakter. 
Wie ofte geschieht es nicht, daß ein Jüngling, den 
eine Vorübergehende Leidenschaft, oder eine blos 
zufällige Verblendung, zu allerhand Ausschweifun: 
gen verleitet, die die Anlagen des edeli1en Charak: 
ters so verdunkeln, daß schwache Beurtheiler ihn für 
einen schlechten Menschen halten, da er sich doch 
bald hernach in dem fürtrefflichen Charakter zeiget, 
den sein söußeres Ansehen , zu versprechen schien7 
Wie das schönsie Gesicht durch Staub und Schweiß 
und eine vorübergehende Verunstaltung auf eine 
Zeitlang unkenntlich wird, so geschieht es auch in 
Ansehung des innern Charakters. 
Zwekter Theil. 
Da wir gezeiget haben, daß die n1annigfalti9 
nnrichtigen Urtheile und die betrogenen Ektvartun: 
gen, denen zufolge man das äußere Ansehen für ein 
betrügerifches Kennzeichen des innern Wuchs hält, 
nicht vermögend sind, unsern allgemeinen Saz verdächx 
tig zu machen; so halten wir uns, alles wol iibeklegt, 
berecbtiget zu behaupten, daß die Gestalt, und das 
ganze äußere Ansehen des Menschen, denen, die zu 
fassen und zu urtheilen im Stande sind, seinen weih: 
ten Werth erkennen lassen, und ziehen daraus für 
den Begriff der Schönheit diesen Schluß: das der; 
fertige der schöni7e Mensä1fey, deffenGeikalr den, 
in Rüksicbt auf feine ganze Bestimmung, vollkoms 
mensken und bessert MenfdJm ankündiget.  
Diesem zufolge müssen die Urtheile über Schön: 
Heft nothwendig eben so Verschieden seyn, als die 
Begriffe über den Werth des Menschen von einander 
abgehen: diejenigen, die über diesen Werth einseii 
tig .urtheilen, werden auch eben so einseitige Urtheile 
über Schönheit fällen, und indem einige blos auf 
NGesundheit, und eine nthletischc Gestalt sehen, Mel; 
den andere blos auf den sittlichen Charakter des Sei 
iichtes Achtung geben.  
Sind n3ir nun gleich nichti1n Stande die slcbtbare 
Schönheit dem Bildhauer, oder dem Mahlek weder 
zu beschreiben, noch vorznzeichnen, so können wir 
Ooo ooo ihm
        

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