Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von K bis Z
Person:
Sulzer, Johann Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-616996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-621881
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Schd. 
S.chd 
der ganzen Seele bemächtigek, und deren Genuß  
Glükseeligkeit ist. Wir begnügen uns. die Art und 
das eigentliche Wesen dieser Schönheit nur an einem 
besonderen Falle zu beschreiben, un: ein sinnlicl;es Bild 
davon zu geben, vermittelst dessen der Begriff dieser 
höhern Schönheit faßlich werde. Dieses Bild iß 
der Jnhalcsdes folgenden Arcikels. 
faßt. Aber wo Mannigfaltigkeit da ist, da wärst 
jeder Theil etwas zum Ganzen. Man wird in eine 
angenehme Ueberraschung gesezt, zu sehen, wie so 
vielerlei; Dinge, doch nur ein Ding ausmachen. Das, 
mit aber das Mannigfaltige durch die Menge nicht 
. lverwirres, muß.Ebentnaaß und Ordnung darin sehn. 
Osz,3nuIH, Diese winken Faßnchkeit in der Menge O.  
Z. Von diesem Mannigfaltigen, muß kein Theil  
besonders und ftir.sich rühren; weil er die Fasjlich: 
 seit des Ganzen hindern würde, indem er die Kraft 
der Aufmerksamkeit auf sich Xzöge.  Darum muß, in 
Abßeht auf die Größe der Theile, jeder ein gutes Ver: 
hältniß zum übrigen haben; und in andern Absichten 
z. E. Form, Farbe,und andrer in die Sinnen oder 
Phantasie fallenden Eigenschaften, gute Ueberein;; 
stiinmung i;der .sJarn1onie. Wo die Menge kleines, 
users Theileigroß ist, da weissen sie.in größern Genus 
pen zusaininenhangen , damit hinan nicht das kleine: 
sie init.d,ein  mit dem Haupttheile. 
 davon es ,einsGlied macht, .zu vergleichen habe. 
Alles dieses ist in andern Artikeln weiter ausgeführt 
Ess31mJ,;ß worden. N. Dieses erlaubt: uns die Eigenschaften 
Einfses des Schönen hier.blos anzuzeigen, ohne diesSachen 
Y;s3J;IF3 roeitläuftig auszuführen,   
.Hk1.pp7k;,   Wo alle diese Eigenschaften sich zusammen sing 
sWWUks den, da ist Schönheit: Aber darum noch nicht jene 
paradiesische oder himmlische Schönheit, deren Ge: 
nuß Glükseeligkeit ist. Das Schöne, dessen Eigen; 
schaften wir, angezeiget haben, erntest Wolgefallen; 
aber es bleibe: in der Phantasie und berührt das 
Herz nur leicht und gleichsam an der Oberfläche. 
Nur Menschen ohne Herz und ohne Verstand, die 
ganz Phantasie sind, finden Befriedigung daran. 
Virtuosen Von der leichtern Art, die gleichsam von 
 Dünsten und Luft leben, und auch von bloßem Hauch 
 der Luft in. Bewegung gesezt werden, sprechen oft 
mit Entzüken von dieser, Schönheit; die Täuschung 
macht sie schon seelig. 
, J Im Grund ist dieses Schöne nur die äußere 
Form, oder das Kleid, in dein sowol gute als 
schlechte Dinge erscheinen können. Es giebt ihnen 
nochskeinen inneren Werth, sondern diene: blos die 
Aufmerksamkeit zu reizen;7daß man mit Wolgefal: 
ten auf diese schön bekleidete Dinge sieht. 
; Eine. höhere Gattung des Schönen entsteht aus 
enger Vereinigung des Vollkommenen, des Sehöi 
neu und des Guten. Diese errors: nicht blos Woli 
gefallen, sondern wahre innere Wollust, die sieh ofte 
Schönheit.   
Daß die menschliche Gestalt der schönste aller sieht; 
baten Gegensiände seh , darf nicht erwiesen werden; 
der Vorzug den diese Schönheit über andre Gatiuns 
gen behauptet, zeiget sich deutlich genug aus ihrer 
Wütkuiig, der in dieser Art nichts zu.vergleichen 
ist. Die stärksten, die.edelsfen und, die seeligsien 
EmpsXndungen, deren das menschliche Geniüth fis: 
hig iß, sind Würkungen dieser Schönheit. Dieses 
berechtigte uns, sie zum Bild oder Muster zu nehi 
inen, an dem wir das Wesen und die Eigenschaften 
des höchsten und vollkominensien Schönen anschauend 
erkennen können.   
Gelinget es uns die Beschaffenheit dieser Schön; 
heit zu eniwikeln, so haben wir eben dadurch zugleich 
den wahreuIBegrisf der höchsten Schönheit gegeben, 
die das menschliche Gemüth zu fasnn in: Stand ist. 
Bei; der großen Verschiedenheit des c5jeschmakö 
und allen Wiedersprsichen die sich in den urtheilen 
ganzer Völker und einzeln Menschen zeigen, wird 
man nach genauem Untersuchung der Sache Juden, 
daß jeder Mensch den für den schönsten hält , dessen 
Gestalt dem Aug des Beurtheilers den vol1koininens 
s1en und besten Menschen ankiindiget. Können wir 
diesessausJer Zweifel sezen, so werden wir auch setek 
was Genusses von der absoluten Schönheit der 
menschlichen Gestalt anzugeben im Stande sehn. 
Gar viel besondereBeinerkungen über die Urtheile 
von Schönheit, beweisen den angegebenen allgemei: 
neu Sc1z. Rath aller Menschen Urtheil sind ers 
kannte physische UnVollkoinmenheiten des Körpers 
der Schönheit entgegen. Plumpe, zu schnellen und 
mannigfaltigen Bewegungen untüchtige Glieder, ein 
abgefallener schtvachcr Körper, Steifsigkeit in .Ges 
lenken, kurz, jede Unvollkommenheit, die die Vers 
richtungen ,ldie jedem Menschen nöthig s7nd,i sth1VM 
oder unmöglich machen, iß auch, nach dein singe; 
meinen Urtheil der Menschen, ein Fehler gegen die 
Schönheit. Daß diese Begreife überhaupt in unser 
Urtheil über Schönheit einsliesFen, ist ferner dai;us 
o MS
        

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