Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von K bis Z
Person:
Sulzer, Johann Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-616996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-621129
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Reh 
Reh 
sehr großen Wichtigkeit. Die Rede hängt mit der 
Vernunft selbst so genau zusammen, daß die Ver: 
Vollkoninung der erstern zugleich auch die andere 
betrift. Ein Ausdruck der uns einen Begriff, oder 
eine Wahrheit, mit vorzüglicher Klarheit, Stärke 
oder mit,großem Rachdruk erkennen läßt, ist allemal 
für eine nüzliche Erfindung, nicht eben eines neuen 
Begriffes , oder einer neuen Wahrheit, aber eines 
neuen Instruments zur Vervollkommnung der Ver; 
nunft.  
Alte Bemühungen der Philosophen, und derer, 
die sich auf Entdekungen speeulativer Wahrheiten 
legen, missen, wenn sie dem menschlichen Geschlechte 
wahrhaftig nüzlich seyn sollen, auf populare Vor; 
siellungen gebracht, das ist auf eine leichte, sinnliche 
und dem Gedächtnis leicht inhastende Art ausge; 
drukt werden können. Je vollkommener zu dieser 
Absicht die Sprach eines Volkes ist, je mehr wahre 
Kenntnis und Vernunft.besizet es auch. Die Rai 
tion der .Huronen kann im Grunde so Viel Genie, 
so viel Fähigkeit des Geistes haben, als irgend eine 
der erleuchtesien Nationen Von Europa; aber so 
lange,sie eine arme unausgebildete Sprache hat, blei: 
her auch der größte Geist unter diesem Volke, weit 
unter einem .inittelmtißigen Kopf, der eine wolaus; 
gebildete Sprache besizet. 
Man ums diexRedner, Gefchichtschreiber und 
Dichter, als Mittelspersonen zwischen den spekula2 
tiven großen.Philosophen und dem Volk ansehen, 
welche die wichtigsien Begriffe und tiefesien Wahr; 
heitere der Vernunft in die gemeine Sprach über: 
sezen. Taeitus ist frehlich in seinem Vortrag nicht 
popular; aber wenn wir zum Beyspiehl sezcn, daß 
auch ein von specuiativen Wissenschaften entfernter 
Mensch, sich mit dem Vortrag dieses G.eschichtschrei: 
Sees völlig bekannt gemacht hätte, so müssen wir ge; 
siehen,.daß er nun auch überaus feine Kenntnisse 
sittlicher Dinge bes7zen würde, die nur der große 
Philosoph zu entdeken, und deren popularen Aus: 
dri1k zu winden nur ein großer Redner in Stande 
gewesen. 
Eine genaue Ausführung dieser Sache möchte 
hier zu fkhweerfällig nnd auch zu weitläuftig wer; 
den: darum begnüge ich mich eine Wahrheit, die ich 
schon anderswo in, ihren eigentlichen philosophifchen 
GefTchtspUI1ktgefkzk habe, O hier blos anztizeigen, 
und den wichtigen Schluß daraus zu ziehen, daß die  
redenden Kiiniie, wenn wir auch ihren nnmitte1ba; 
ren Ruzen behseite sezen, nur in so fern sie die Spur: 
che Vervol1kommnen, und mit neuen Wörtern und 
ganzen Säzen, die von ihnen aus al1mäh5ig in die 
popnlare Sprach übergehen, bereichern, vorzüglich 
verdienen geschäzt und mit großem Ehfer betrieben  
zu werden.  
cis; Ja der Sammlung meiner aus dem französischen 
übetsezten academiscl;en Abhandlungen; an zwei, Orten, 
nämllch in der 3ergiiedmmg des BegtiiTes der Vernunft 
auf der 278 u. s. f. S. und in der Untersuchung über den 
weäpsekseuigen Einiius den Vernunft und Sprach auf eins 
ander haben.  
cHsJ Aus esnet Saite la Lucians Lob des Demofibenee, 
wo einem Dichter keine kurze Vergleichung iwtschcn;Homtr 
is R e on e r. 
Die Griechen und Römer, die in allein, was zu 
den schönen Künsten gehört, unsre Lehrmeister sind, 
scheinen dem Redner den ersten Rang unter den 
Künstlern gegeben zu haben. Nur Homer allein, 
ward als Lehrer nnd Muster aller K:3nsller, außer 
allen Rang, und ohne Vergleichung , immer obenan  
gesetzt; nicht weil er ein epischer Dichter, sondern, 
weil er Homer, das Meiner aller Genien war. cHJ 
Wenn man bedenkt, was für Kräfte des Geistes,  
was für Gaben, KenntnisTe und erworbene Fertigkeit 
zu einem vollkommenen Redner erfodert werden, so 
scheinet es, daß beh ihm mehr seltene Fähigkeiten 
zusammentreffen, als bei; irgend einem andern Künste 
ler. Eben darin glaubte Cicero den Grund der so 
großen Seltenheit vollkommener Redner gefunden 
zu haben O, und er sagte einmal öffentlich, als eine VI Dis 
bekannte unzweifelhafie Wahrheit, es gebe in einem  
Staate nur ztveherley vorzüglich wichtige Arten gross msgcfs1dt1 
see Männer, nämlich ;jeldherren und Redner. END www. 
Mehr, als irgend einem andern Künstler ist ihm 
ein durchdringender Verstand nöthig, main allem, 
was die Menschen am meisten .intereßirt, das Wahre, 
 Wich:s 
nnd Dentosihenes in den Mund gelegt wird, möchte man 
rnuthmaßen, daß Lucian dem Dichter den Redner ivenfgs 
neue an die Seite gesezet, wo mehr gar ihm vorgezogen. 
Aber er scheuhete sich , die Sache gerade heraus zu sagen. 
kiHsD Dass sunt Artes, quE polkunt lorare l1omines it: 
amps.isIImo gradneligt1it:1tsss uI1simxieratoris, altem, Orts 
mit honi.4 0rat. pro L. Minerva. c. H.
        

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