Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von K bis Z
Person:
Sulzer, Johann Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-616996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-620655
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POß 
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sehr Viel Geschiklichkeise in natürlicher Darstellung 
 der Gewänder haben, thun doch eben dadurch, daß 
sie dieselben entweder zu hell halten, oder einen küh; 
neu inahlerisshM Wurf darin suchen, den Portraiten 
Schc1dMi III ges7ehe, daß ich kaum ein Portrait 
von dein mit Recht berühmten Rigc:ud gesehen, wo 
mir nicht seine Bekleidung, so schön sie in andern Ah; 
 lichten MS mag, anstößig gewesen. Man isI ge: 
zwangen ihr einen beträchtlichen Theil der Aufruerk; 
samkeit zu wiedcnen.      
Man empfiehlt dein Mahler, und die weissen las; 
sen es sich nur allzusehr angelegen sehn , den Perso: 
nett in Zeichnung nnd Farbe etwas zu schmeicheln, 
das isi, behdes etwaszu oerscbönern. Wenninan 
damit sagen will, daß gewisse zum Charakter der 
Phhsionoinie wenig behtragende, dabei; eben nicht 
angenehme Kleinigkeiien, sollen iibergangcn werden, 
 so mag der Mahler dem Rath immer folgen. Er 
kann so gar in den Verhältnissen der Theile biswei: 
ten etwas verbessern, einige Theile näher an ein; 
 ander, andere etwas aus einander bringen; wenn 
nur dadurch der wahre Geist der Phhsionoinie, work 
 auf hier alles ankommt, nicht verlezt wird. 
 Das Colorit muß überhaupt den Ton und die 
 Farbe der Natur haben, streng, oder lieblich, ein; 
farbige oder niannigfaltig sehn, wie es sich im Urbild 
 zeiget. Dieses hindert aber den Mahler nicht kleine 
Fehler desselben. zu verbessern, und Harmonie zu 
beobachten, wo sie in der Ratur etwas Vernachläßi; 
get worden ist. Etwas muß das Helle i1nnier über; 
 trieben sehn. Denn die Zeit siinnnt insge1nein die 
hellen Farben etwas herunter, nnd denn hangen 
auch die Portraite meisientheils so, daß kein Ueber: 
stieß von Licht darauf fällt.   
O M M Der .Holländer Ten :23ate giebt O den Rath, 
Vvr7ede die Person etwas entfernt, sizen zu lassen, damit ver: 
FZJnsUVIki schiedene .Kleinigkeiten in Zeichnung und Farbe, die 
 g des     
9:iki,gkp, nicht zur schonen Natur gehören, dein Auge des Mah2 
kWs lers entgehen. DerRath könnte gut sehn, wenn nicht 
eben so viel zum Schönen gehörige Kleinigkeiten 
dadurch ebenfalls unsichtbar würden: die nicht zum 
 Schönen gehörigen .Kleinigkeiten, in deren genauer 
  Darsiellnng ein Denner nnd Seybold ein großes 
Vcrdiensi suchten, kann ohnedem ein Mahiek Von 
Gesch:nak leicht Vermeiden.   
Man hat oft eine nicht unwichtige Frage über 
,die Portraitmahlereh aufgeworsen,s ob man die Pers 
sonens in Handlung, oder in Ruhe mahlen solt. 
Garcviel Liebhaber rathen zum ersten, und sch5zM 
dieHso genannten historischen Portraite am. meisten. 
Allein es läßt sich dagegen dieser erhebliche Einwurf 
machen, daß die Ruhe das Ganze des Charakters 
allemal besser sehen läßt. Denn lieh der auch Mit 
einigermaßen wichtigen Handlung, herrscht natürp 
licher Weise eine nur Vorübergehende Gemüthslage 
über die ganze Phhsionomie ; und man hat alsdenn nur 
das Portrait der Person in diesen Umständen. Vieh 
leicht war es eine Folge dieser Betrachtung, daß M 
Alten in ihren Statuen die Personen ineisientheils 
in ruhigen Stellungen bildeten. Es kannjfreylich 
Fälle geben , wo der wahre Charakter einer Person 
während einer gewissen Handlung, sieh im besten 
Lichte zeiget: ist dieses, so wähle man in einem lob 
then Fall eine historische Stellung. 
In Ansehung der Kleidung ist der Geschmak sehr 
verschieden. Miclkdünkc es sey das beste, daß man 
sich nach dem lieblichen richte, und jeden so ntahle, 
wie man ihn zu sehen gewohnt isi. So gern ich 
ein wahres Portrait von Cicero haben möchte, so 
würde dieser Römer in einer griechischen, oder Pers 
fischen, oder gar in einer neuen Kleidung mir wenig 
Vergnügen machen; so wenig als ich den Sokrates 
in der römischen Toga haben mochte. Da nun in 
künftigen Zeiten mancher, in Absicht auf uns eben 
so denken wird, so scheinet es, man sollte kein Poe; 
trat: anders bekleiden, als wie die Person sichszu 
kleiden gewohnt. ist.  
.ssPsoßirlich.  
  C Schöne Künsie.J 
Es kommt mir vor, als wenn die ineisien Mem 
schen zwischen ivürklichen Possen und dem Poßirlis 
chen einen Unterschied machten, und unter dem lezs 
tern Namen ein gewisses niedrig Lächerliches version 
hen, dessen Gebrauch nicht ganz aus den schönen 
Kiinsien zu verbannen ist, da die Possen darin 
durchaus nirgend zu dulden sind. Diese sind Be; 
sirebnngen der niedrigsien Narren , denen es an als 
ten: Wiz nnd an aller Urtheilskraft fehlte, durch 
überkriebene Ungereiintheiken lachen zu machen. 
Wenn aber medrige Menschen, deren ganzer Ges 
sichtskreis nicht über das hinansreichk,i was die uns 
,tersie Classe der Menschen sieht nnd weiß, in ihrer 
Einfalt, es seh ans Laune, oder aus Unwissenheit, 
lächerliche Dinge thun, oder sprechen, die ihnen im: 
türlich sind, so möchte dieses unsesehr fo etwas seyn, 
das
        

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