Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von K bis Z
Person:
Sulzer, Johann Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-616996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-617531
Kla 
Kta 
III 
hinzusehen. Nur die hiTlEs7tn Köpfe können gute 
.K;1nsiler seyn; die sich bei; jeder nur einigermaaßen 
wichtigen Vvklkellung verweilen, um sie bestimmt, 
und in oölligMI Lichte zu fassen. Jeder Mensch 
von einigem Genie, Und ein wahrer Künsiler mehr, 
als andre, beobachtet alles, was ihm vorkommt, 
wird mehr oder weniger davon gerührt, macht seine 
Betrachtungen darüber. Der große Hause, der 
sich von seinen eigenen Vorsiellungen, oder Eins 
psindungen nie Rechenschaft giebt, überläßt sich 
dabei: dem znfcilligenGenuß dessen, das ihm vor: 
kommt: aber der nachdenkende Mensch will wenig: 
siens das Vornehmsle davon genau bemerken; er 
verlveilet dabey, fragt. sich selbst, was das isi, das 
er sieht; wohin das ziehn, was er denkt; woher 
das kommt, was er empfindet. Daraus entsteht 
die Bemühung alles klar zusehen; er verläßt keines 
Vorstellung eher, bis er sie genau gefaßt. hat. 
Scheine: sie ihm wichtig, so giebt er sich die Mühe 
länger dabei; zu Verweilen, sie Von mehrern Seiten 
zu betrachten; sie zu bearbeiten, und ruhet nicht 
eher, bis er sie in der höchsten Klarheit und Einfalt 
gefaßt hat.  
iWer so mit seinen eigenen Gedanken verfährt, 
der bekommt das Licht, in seine Seele, ohne welches 
er andere nicht erleuchten kann. Das größte Genie 
isi,hirzu nicht hinlänglich, wenn es nicht vorzüglich  
mit dem, was man im engsten Sinne Verstand 
und Urtheilslraft nennt, verbunden isl.s Ohne 
lang anhaltende Uebung entwikeln sichsdie Anlagen, 
die man von Natur dazu bekommen hat, nicht. 
Darum ist die Erlernung der Wissenschaften, oder 
in Ermanglung dessen, ein beständiger Umgang 
mit den hellesien Köpfen, für den Künstler eine 
h5ThlkIVkVhtige Sache. Der Versiand ist von allen 
Eigenschaften der Seele unslreitig der, welche sich 
am langsatnsien entwikelt. ,Darmn kann man 
nicht zu viel dafür thun. Der größte Theil ver 
Menschen behilft sich Lebenslang mit .confusen Vor; 
nellungen.    
Hat der Könntet sich selbst klarer Vorstellungen 
versichert, ist ersieh dessen ,.was er zeichnen ,s oder 
auf andre Weise vorbringen will, in dein Maaße be; 
wußt, daß er sagen kann, was erYeigentlich vorsiels 
Im soll, zu welcher Art der Dinge es gehöret, und 
WILL damit auszurichten gedenken alsds:nn kann 
W Aus den Ausdruk und die richtige Zeichnung der 
SEND denken.   
Dieses kamt Feine große Schwierigkeit mehr has 
ben, nachdem man einmal auf das beslimrntefie 
weiß, was man sagen oder vorstellen will. Doch 
muß  jede einzele zusainmengesezte Vorstellung mit 
eben der Valentin behandelt werden, wie das Ganze. 
Man sieht Getnählde von Holländischen.Meistem, 
wo nicht nur jede Gruppe, sondern jede Figur, 
auch wol jeder einzele Theil einer Figur in Zeichnung, 
Perfpektiv, Haltung und Colorit eben so vollkom: 
wen, als ein ganzes Gemählde behandelt worden. 
Dadurch bekonnnen soiche Gemahlde auch in den 
kleinesien Theilen die höchste Klarheit. So muß 
man auch in andern Künsten Verß1hren. Der Rede 
ner muß jede einzele Periode besonders bearbeiten, 
so wie die ganze.Rede; nur mit dem Unterschied,  
daß das Einzele nicht die höchste absolute Klarheit, 
sondern den Grad derselben haben muß, der sieh 
für den Ort und die Stelle und die Wichtigkeit der 
Sache schiket. Rath diesen Verhältnissen, muß 
das, was man zusagen hat, durch mehr oder we; 
niger allgemeine, oder durch mehr oder weniger, 
besondere individuelle Begriffe ausgedrükt tverden.s 
Je allgemeiner die Begriffe und Ausdrüke find, je 
weniger relative Klarheit bekommt der Gedanken, 
und der besondersie Ausdruk, der blos auf einen  
einzelen Fall zu gehen scheinet, hat die höchste relai 
tive Klarheit. So hat, um nur ein Behspiel zu 
geben, die Aesopische Fabel, in so fern sie einen 
einzeln Fall erzählt, eine unendlich grössere Klarheit, 
als die in allgemeinen Ausdriiken, nnd durch allgei 
meine Begriffe vorgetragene Lehre, die. darin ents: 
halten ist.  
Daraus folget überhaupt, daß der richtige Grad 
der. relativen Klarheit erfi alsdenn erhalten wird, 
wenn nach Maaßgebung des.Lichts, darin eine. 
Vorstellung stehen soll, mehr oder weniger alle 
gemeine Begriffe und Ausdrüke zur Vorstellung der 
Sache gebraucht werden. .Wenn man z. B. sagt, 
daß die Zeit die Trauer über einen versXorbenen 
Gemahl liudexti so hat der Gedanken, weil er in. 
allgemeinen Ausdrüken abgefaßt ist, sehr viel wenig  
get relative Klarheit, alt wenn. man mit La Zone 
taine sagt:   7  
Ernte la steure Gans muss  
Bein vcuve clIane joamTs    
  L: elilTerenes alt xrmds.cV. CI in der 
Und wenn man sagt; nach einiger Zeit der Trauer, 
haben sieh die verliebten: Vorstellungen von allen. sss 
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