Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von K bis Z
Person:
Sulzer, Johann Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-616996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-617500
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Kla 
Kla 
Sylben gut von einander absterben, daß die einzelne 
Theile eines Worts klar vernommen werden. Es 
giebt Wörker, die kein Mensch, der sie zum erstens 
mal hören nachsprechen, oder schreiben könnte: diese 
find das Gegentheil demcicher Wörter. 
Hat ein Wort die spenden erwähnten Eigenschaf, 
ten, fo hat es auch schon das Wichtigste in Absicht 
auf das leichte Behalten. Doch: mag wol noch in 
manchen Fällen das leichte Aus3spreeI;en noch von 
andern Eigenschaften herkommen. Der Buchsta: 
sen R hat, als ein Mitlauter, den ßäckfIen Klang, 
iß auch deutlich, aber doch schwer auszusprechen. 
Darum kommt auch viel dcusauf an, daß ein Wort 
nicht allzufchwere Bewegungen der Gliedmaaßeu ver 
Sprach erfordert   
Dieses scheinen also die Grundsäse zu seyn, 
nach weichen die Wökter der Sprach zum äsiheti: 
schen Gebrauch verbessert werden müssen. Wäre 
nicht die Bildung der Sprach dem völligen Des; 
vutisiuns des Gebrauchs unterivorfen; so würde 
es wol,der Miit; weich seyn, eigene Veranstaltung 
gen für die Verbesserung. derselben, in Absicht 
auf den guten Klang der Wetter zu machen. Sollte 
es inzwischen irgend einer dmkfd2en Academie gelin: 
gen, Ansel;enggenug bei; der ganzen Nation zu er: 
halten; so könnte sie alsdenn wich ein W5rterbuci; 
hierinn viel Nutzen siifken. Aber der Gebr,auch ists 
ein fchnelleees nnd kräftigeres Mittel. Wir müsis 
sen die Verbesserung des Wolklanges der Sprache 
von Scl;risisieliern erwa.rtens, die allgemeinen Beide. 
kalt Heiden.   
Hier zeiget sich die Wichtigkeit bkos ergöz,ender  
nnd belnsIigenderWetke der Beredsamkeit ttndDichk: 
kunsi; wenn die Verfasser vorzügliches Gefühl für; 
den Wolklang haben. Sie sind die bessert Mittel 
den guten Klang der Sprach anszubreiken. So 
wenig Achtung sie bisweilen ihres Inhalts. wegen 
verdienen, so schäHbar müssen sie der,Ration we: 
.gen dieses Nebennulzens lehn. Einem blos ergZ: 
senden Schriftsteller liegt oh, mit änsTersier Sangs 
satt wolklingend zuschreiben; weil darin seinHeiupt; 
verdienst besteht. Es ist so gar billig, daß man die 
Dichter die ein vorzüglich feines Ohr haben, nnd 
Ach dem äuisersI mühesam.en Geschäft, den höchsten 
Wolklang zu suchen, unterziehen, durch Beyfall 
trmuntere; weil die Sprache durch sie in einer ihrer 
skhätzbarsten Eigenschaften gewinnen  
Hier ist, glaube ich, auch der Ort anzumuten, 
daß blos in Riiksicht aus den.Wolklang der Worte, 
die Einführung fremder, anstatt einheiinisrhee Wör: 
ter, nicht nur erlaubt, sondern verdiensilith sen. 
Haben wir für gewisse nichtsunwZchtige Begriffe 
eigenthsnnliche Winter von schlechtem Klang, und 
isi.ihnen gar nicht aufznhelfen, so sollte man sie, 
so oftes angeht, gegenifremde, ivolklingende ver: 
tauschen, und sie blos der gemeinen Rede überlaß 
sen. So möchte ichs, um ein Behspiel zu geben, 
wol leiden, daß. das Wort Gerücht für iinnter ges 
gen sama Vertauscht würde; nnd so könnte man 
mit viel andern :auch noch verfahren. Darin ist 
He. Ramler allen nach ihm fotgenden Dichtern mit 
Einem Beyfpiel vorgegangen.  
Gut würd es auch sehn, wenn die, welche die 
nett herausko1nmendrn Schriften des Geßhmaks 
der Nation ankündigen, besondere Aufnietksanikeit 
auf den Wolklang richteten, und allemal das Reue 
und Vorzüg1ikhe was sie hierüber bemerken, anzeigs 
ten. Unsre Sprach ni darin noch großer Beweise: 
rung fähig. Man sollte darum diejenigen, die den 
Klang eines Worts durch Weglassung, oder Aen;s 
drang irgend eines Bitcl7siabens verbessern, nicht 
tadeln, noch sie einer llcberire:i:i:g der gra1nn:ati7 
schen Regeln liescl;uldigen, sondern ihnen viel. mehr 
Dank dafür wissen. Dadurch haben,di.e Istaliänee 
ihre Sprache so tvolklingcnd gemacht, als sUt1sl 
keine neuere Sprache ist. In Deutschland würde 
der eines kritischen Verbrechens schuldig erklärt wer; 
den, der sich untersiünde mit einein deutschen Worte 
eine solche Veränderung,vorzunehmen, als die isi, 
da der J,caliäner Fian1ma, fiktive, anstatt Datums, 
Plutus, gesetzt hat. Will man aber dergleichen 
Dinges nicht erlauben, so kann auch der Klang der 
Sprache nicht zu einer gewissen Vollkommenheit 
kommen.   
Die Dichter, denen unsre Sprach in diesem Stük 
am meisten zu Danken hat, sind unsireitig KlopliolZ 
Und RKMkm Matt hat den letztern sehr ernsllith 
geraden, daß er eigenmächtig in andrer Dichter Ar7 
beit viel geändert habe. Es gehört nicht hieher, die 
Rechtmäßigkeit dieser Sache zu untersuchen; aber 
dieses kann hier gesagt werden, daß ich es für ein 
sehr verdienskliches Werk halten, würde, wenn He; 
Ramlet gewisse sehe gute Gedichte die nicht tvolkllng 
gend genug sind, nach seiner Art n:narbeiten, und 
anstatt srhkeihter Worte tvolklingende nehmen wollte, 
wenn
        

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