Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von K bis Z
Person:
Sulzer, Johann Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-616996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-620084
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Ort 
Ori 
Man könnte dass Wort auch noch in einer dritten 
Bedeutung nehmen, um dadurch die Werke zu de: 
zeicbnen, die aus wahren Trieb des Kunsigenies, 
aus würklicher, nicht narbgeahmter, oder versieuter 
Empfindung entstanden sind. Nämlich, die itzabi 
ten Originalkünsiler arbeiten gemeiniglich aus Fälle 
der Empfindung; weil sie einen untviedersiehlichen 
Trieb fühlen, das was sie würklich in der Phantasie 
haben, oder was sie lebhaft empsinden, durch ein 
Werk der Kunst an den Tag zu legen. Hingegen 
gesihiehet es auch, das ein Werk nicht durch die 
Empfindung des Künstlers, sondern durch fremde 
Vorstellung oeranlasset wird, ein Werk des Vorsa; 
Fels, der Ueberlegung, und nicht ein Wert der Be: 
geisierung ist.s Jene könnte man im Gegensaz dieser 
Originalwerke nennen.  
Man siehet leicht, wieviel Vorzüge diese Originale 
vor den Werken, die es nicht sind, haben müssen: 
sie sind wahre Aeußerungen des Genus; da die an; 
dern Sdhilderimgen verstellter nicht tviirklich .vorhan: 
dener Empsindungen sind. Jene lassen uns allemal 
die Natur, diese nur die Kunst sehen. Ein Dichter 
der Von einem Gegenstand bis zur lhristi;en F5egeig 
sterung gerührt worden, nnd denn singt, weil er 
der Begierde das was er fühlt auszudeuten, nicht 
lviedersiehen kann, dichter eine Otiginalode, die ein 
wahrer Abdruk des Zustandes seines Gemiithei ist. 
Ein andermal aber fodern außer der Kunst liegende 
Beranlassnngen eine Ode; oder er selbst stellt sich 
vor, er seh in einem Fall, in eine Lage, darin 
et nicht iß, sucht Empsindungen hervor, die dem 
Fall natürlich sind, die er aber nicht tvürkliih hat, 
und in dieser angenommenen Stellung dichter er. 
Da muß fraglich ein ganz anderes Werk entstehen, 
das uns mehr die Kunst , als die Natur sehen läßt. 
Ein solOes Werk ist etwas betrügetifches,s damit man 
uns, blos um die Kunst zu zeigen, hintergehen.will. 
Auch große Originalgeisier machen bisweilen folg 
ehe Werke; die denn fraglich weit unter den wahren 
Originalen sind, diesaus dem vollen Gefühl aus: 
siröhmen. Der schlaue Künstler sucht den Betrug 
zu verbergen, aber man merkt ihn doch. So fühle 
man bei; der Horazischen Ode auf den Baum, und 
an der Ramlerlsthen auf das Geschüz, Kunst und 
nicht Ergießung der Natur. Es war .Horazens 
Ernst nicht so gar sehr auf den Pslanzer des Bau: 
wes zu sehimpfen, wie er Ach ansiellt: hier ist mehr 
Spaß, denn Ernst. Mit völliger Heiterkeit des 
Gemüthes, nahm der Dichter sich vor, sich anzns 
stellen, als wenn der gehabte Schreien ihm solche 
Empsindungen verursachte hätte; weil er uns zeigen 
wollte, daß er ein guter Odendichter seh. 
Auf die Originalwerke der erstern Art, können 
die Betrachtungen und Anmerkungen des nächst 
vorhergehenden Olrtikels angewendet werden. Da: 
rurn brauchen wir uns hier nicht in umständliche 
Betrachtung derselben einzulassen. Wir wollen nur 
noch traktierten, daß ein Werk von mehr als einer 
Seite Original seyn könne. Der ganze Stoff kann 
entlehnt und die Behandlung desselben kann Original 
sehn. So ist in reisenden Künsten ein Werk bistveis 
ten blos im Ausdruk Original, und der Stoff selbst 
hat eben nichts besonderes. Indessen, wie gering 
auch der Theil der Kunst, darin das Werk Original 
ist, sehn mag; so ist ein solches Werk immer schäz; 
bar, weil es wenigstens etwas von der Kunst ers. 
weitere. 
Wir tnicsikn noch besonders Von den Originalen 
der ztvehten Art in den Werken der zeitt,nendcn 
Künste sprechen. DieGetvinnsncht hat eine Menge 
Copeyen unter Originale gestellt. 
Es ist also für Kenner und Liebhaber eine wichtiges 
Frage, ob es allemal möglich ist, oder ob man ei 
wenigstens durch sleißige Beobachtung und Ersatz, 
rang dahin bringen kann , mit Gewißheit zu ents 
scheiden, ob ein Werk ein Original ist, oder nicht2 
 Die Erfahrung hat diese Frage noch nicht entschei: 
dend beantwortet, da man gewisse 8eugnisse hat, daß 
rvürklich Kenner vom ersten Rang sind betrogen 
worden. Es ist vielleicht keine beträchtliche Saturn; 
lang von Gemähiden, oder geschnittenen Steinen, 
toosnirht Copehen für Originale gehalten werden. 
Man ist so gar über einige Werke der ersten Art un; 
gewiß, welche von zivey Gallerien, deren Bestzet 
sich fchnteitheln das Original zu haben, es tvürklich 
besizet. Vastn:t versichert, daß Julius Rornanms 
eine Cvpie nach Raphael für das Original gehalten 
habe, ob gleich er selbst an den Gewändern des wahs 
ten Originals gearbeitet hatte. 
Die Regeln, die Originale zu kennen, lassen sich 
nicht wol angeben. Denn, was man Von der Froh; 
heit der Bearbeitung, die das Original zeiget, und 
von dem furchtsamen und gesuchten in der Corie 
sagt, ist weder sicher noch hinlänglith genug. Es 
kommt hier auf ein sehr seines Gefühl an, dessen 
Gründe und Regeln ßch nicht beschreiben lassen. 
Mit
        

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