Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von K bis Z
Person:
Sulzer, Johann Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-616996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-617468
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K i.r 
Kir 
Kla 
allein, kann die wahre Deklamation befördert, oder 
gehindert werden. Also müssen z. B. die Shlben, 
diein einen ununterbrochenen Zusammenhang, bis 
auf einen kleinen oder grössern Ruhepunkt fortfltess en, 
nur von einer Harmonie begleitet werden, die das 
Gehör ununterbrochen fortreißt; so daß es höchst; 
fehlerhaft seyn würde, auf eine Sylbe, auf welcher 
schon das Gefühl der folgenden ertvekt wird, eine 
beruhigende..Hartnonie, wie der s.Dreytlang ist, zu 
nehmen. 
Es ist vorher gesagt worden, daß die Kirchen: 
mußt sichvornehntlich an das diatonische Geschlecht 
halte.  Dieses ist aber nur vonsdem genieinsten Chr: 
ral, den die ganze Gemeinde tnitAnget zu verstehen, 
wo das Einfache, und das Consonirende allemal die 
beste Würkung thut; besonders auch darum, weil 
zu solchen Chorälen allemal ein sanfter AsTekt sich am 
besten schiket. Wo aber schon ein lebhafterer oder gar 
heftiger Affekt vorkommt, welcher den Tonsetzer vers 
anlasset, die Form des Chorals zu verlassen, da wird 
auch in dem Gesang nnd in der Harmonie zu Errei: 
chung des Ausdruks s.ison mehr erfodert, nnd da 
thun kleinere Intervalle als die Diatonischen sind, 
ofte die beste Würkung. Man hat deswegen, bis: 
weilen nicht nur Chromatische , sondern gar enhar: 
monische iFortschreitungen hiezu nöthig. Ehedem 
hatte man in einigen großen Cathedralkirchen eigene 
Sänger, die sich in enharmonischen Fortschreintngen 
besonders übten, und deswegen bei, Gelegenheiten, 
wo sehr starke Leidenschaften anszudruken sind, der; 
gleichen z. B. in den Klageliedern des Jeremias vors 
kommen, ihre besondern Stimmen bekamen.  
Da überhaupt jede Kirchenmusik, von welcher 
Form sie sonst sen, den Charakter der Feherlichkeit 
und Andacht nothwendig an sich haben muß; so, hat 
der Tonseher sich aller Künstelehen, aller Figuren, 
3ierrathen nnd Läufe, die blos die Kunst des Sein: 
sgers anzeigen; ferner allersgeschwiuden Passagen, 
und alles dessen, was den Ausdruk der Empfindung 
mehr ausschtveifendsmacht, als verstärkt, zu enehal: 
ten. Fürnehmlieh muß in den tiefen Stimmen die 
qllzugroße Geschwindigkeit vermieden werden, weil 
sie .in den Kirchen sehr nachschallen, und durch eine 
schnelle Folge tiefer Töne alle .l;7armonie verwirrt 
wird. Deswegen sind alle Arten, die nach der 
Opeknform gemacht werden, besonders aber die da: 
ein angebeachten Läufe nnd Schlnßeadenzen ipöllig 
zu verwerfen.   
Darum erfodert die Kirchenmuisk nicht nur einen 
sehr flinken Harmonislen, sondern auch zugleich ei: 
Um Mann VVU skc1tkerUeberlegnng und einem rich: 
tigen Gefühl;Ndamit nicht entweder blos unordents 
Hohes Geräusch, ohne belkcmn1ten Ausdruk, oder 
eine Vermischung von Feyecslichkeit und Ueppcgkeit, 
die Stelle der ernikhaften Empj7ndungen der Andacht 
einnehme. 
 LMufik.J  
Die Betrachtung des Ursprunges und der wahren 
Beschaffenheit des Klanges, erkläre: so manchen 
Punkt in der Musik, und giebt verschiedene so wich: 
tige Folgerungen für die Kenntnis.der Harmonie, 
daß sie hier nicht kann umgangen werden.   
Der Klang iß ein anhaltender steter Schall, der 
Von dem bloßen Laut, dadurch unterschieden M, daß 
dieser nur einzele abgesezte Schläge hören läßt, wie 
die Schläge eines J;Jainmers; da der Klang anhat; 
tend ist. Wie sich das Heruntetfallen, einzeler Tro; 
pfen, sie folgen schneller oder langsamer auf einander, 
zu dein sieten Rinnen eines WaiTersirales verhält, 
so verhält sich der bloße Schall oder Laut, der aus 
einzelen Gehörtropfen besteht, zu dein Klang, der 
ein ununttrbrochenes Fließen des Schalles ist. Die 
Raturkündiger sagen uns, daß auch der Klacig, ob 
er gleich uns als anhaltend vorkommt, ans wieder: 
holten einzeln und tvürklith abgesehten Schlägen beste; 
he, die aber so schnell auf einander.folgen, daßivir den 
Zwischenraum der Zeit von einein zum andern nicht 
mehr empfinden, sondern sie in einen steten Ton zu; 
samtnen hängen; das Ohr zeiget sich hieben, wie 
das AUg.it1 ähnlichem Fall. Wenn.man in der 
Dunkelheit eine gliiende Kohle schnell ivegivirft, so 
scheinet uns der Weg den sie nihmt, ein steter sen: 
riger Strich, oder eine glüende Schnitt zu sehn, ob 
wir gleich jeden Augenblick nur einen glüenden Punkt 
dieser Linie sehen. s. 
Diese Bemerkung über die wahre BesthlM7UWk: 
des Schalles ist der Grund Zur wissensch0ftUThM Des 
trachtung des Klanges und der Hc1UUDUks Bes 
sonders wissen wir daher, .lvvkM TM UMEksthicd 
zwischen hohen und tiefen Tönen hesiche, welches 
diesGelegenheit giebt, die Töne in Ansehung ihrer 
Höhe gegen einander zu berechnen. Nämlich  
 Je schneller die einzelen Schläge, aus denen der 
Klang beslehtiauf einander folgen, je höher scheinet 
uns
        

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