Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von K bis Z
Person:
Sulzer, Johann Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-616996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-619567
Zu 
Nak 
N ask 
natürliche Gegensiände derselben Art haben, belomk 
men hat.  
Es giebt Knnsiriehter, die dem Künstler rathen, 
die aus der Natur gewählten Gegenstande zu ver: 
schönem. Aber wo iß der Mensch der dieses zu 
thun im Standeiwöre, da anch der beste Künstler 
die Schönheit der Natur nie völlig zu erreichen Ver; 
mag2 Meinen diese Kunsirichter, daß man oste 
von dem, was der in der Natur gewählte Gegen: 
stand hat, etwas verändern, oder weglassen, oder 
etwas, das er nicht hat, zusezen soll; so drüben sie 
sieh nicht fchiklich ans. Wer würde sagen, daß der, 
den cCicero verschönen hätte, der einen Gedanken, 
ein Bild von diesem Redner geborget, aber ihm, da 
feine Absicht beh dem Gebrauch desselben etwas von 
der Absicht die der Römer hatte, verschieden isi, eine 
andere Wendnng gegeben, oder etwas darin weggee 
lassen hätte2 Wo soll der Künstler Schönheit her: 
nehmen, als aus der einzigen Quelle des Schönen T 
Man nehme aber seinen Gegenstand ans der Rai 
tut, aus dem Ideal, oder man bilde ihn durch die 
Aha asie; so muß er, wenn er volle Würkung 
thnnnHoll, durch die Geschillichkeit des Künstlers, 
wie ein natürlicher Gegenstand erscheinen. Es muß 
darin, wie in der Natur selbst, alles passend, neige: 
ztvungen, genau zusamnrenhangend nnd wahr;sehn. 
Hierüber aber wird im nächsten Artikel mehr vor: 
kommen.    
CSchöne .skünIie.J 
Dieses Beytvort giebt, man den Gegenständen der 
Kann, die uns so vorkommen, als wenn sie ohne 
Kann, durch die Würknng der Natur da wären. 
Ein Gemählde, das gerade so in die Augen fällt, 
als sähe man die vorgesiellte Stich in der Natur; 
einesdratnatische Handlung, bei; der man vergißt, 
daß man ein durch Kunst veraniialtetes Schau; 
spiehl sieht; eine Beschreibung, die Vorstellung eines 
Charakters, die uns die Begriffe von den Sachen 
geben, als wenn wir sie gesehen hätten; der Ge; 
sang, weben uns dünkt, wir hören das Klagen, 
oder die freudigen, zärtlichen, kornigen Aenßeisun: 
gen einer von tvürklichen Leidenschaften durchdrang. 
genen Person is Alles dieses wird natürlich genennt. 
Bistveilen wird auch insbesondere, das Ungezwnni 
gene, Leichtfließende in Dariiellnng einer Sache mit 
diesem,Worte bezeichnet; weil in der That alles, was 
die Natur unmittelbar sberoürkt, diesen Charakter an 
siä; hat. Daher kann man auch einen Gegenstand 
natürlich nennen, den der Küntiler nicht aus der 
Natur genommen, sondern durch seine Dich:ungs: 
kraft gebildet hat, wenn er ihm nur das Gepräg der 
Natur zu geben gewußt hat.  
Auch außer der Kunst nenne: man das natürlich, 
was keinen Zwang verräth,, was nicht nach Nr; 
geln, die man durch die That entdeken kann, abgee 
paßt, sondern so dasisi, oder so geschieht, daß es 
das gerade, einfache Verfahren der Natur zu steten. 
neu giebt. So nennet man den Menschen natur; 
lich, der sich in seinen Reden, Gebehrden, Beide: 
gungen, mit vollkommener Einfalt, ohne alle Reg 
tbenabsiehten, ganz seinem Gefühl überläßt, ohne 
daran zu denken, daß er auf eine gewisse gelernte 
Weise handeln müsse.  
Das Natürliche ist eine der vorzügliehsiens Eigen; 
schaften der Werke der Kunst; weil das Werk, dem 
es mangelt, nicht völlig das ist, was es sehn soll, 
und weil diese Eigenschaft schon an sich die Kraft 
hat, uns zu gefallen. Diese behden Säze verdienen 
etwas entwikelt zu werden. 
 Der Zwei der schönen Künste macht es nothwen: 
dig, daß uns Gegenstände vorgehalten werden, die 
uns intereßiren, die unsre Anfmerksainkeir fesseln, 
und denn dies besondere ihrem Zwek gemäße Wär: 
kung auf die Gemüther thun. Nun ist zwischen 
den in der Natur vorhandenen Dingen und dem 
menschlichen Gemüth eine so genaue Harmonie, als 
ztvisihen dem Element, darin ein Thier zu leben be; 
nimmt ist, und dem Bau seines Körpers: die Nu: 
tue hat unsere Sinnen, und die, Empßndsanikeit 
daraus alle Begierdens entstehen, nach den in der 
Schöpfung vorhandenen Gegenständen, die uns in; 
tereßiren sollten, genau abgepaßr; und wir haben 
kein Gefühl, als für die Dinge, die von der Natur 
selbst für uns gemacht sind. Will man uns also 
durch.die Kunst rühren, so muß man uns Gegen; 
stände vorlegen,s welche die Art und den Charakter 
der natürlichen haben. Je genauer der Künstler 
dieses erreicht, je gewisser kann er die gesuchte Wäre 
kung von seinem Werk erwarten. 
Daraus folget nicht nur, daß er uns nichts seht. 
tnärisches, nichts phantaslisches, der Natur wieder: 
sieeirendes vorlegen soll; sondern daß.aueh die naG 
der Natur gebildeten Gegenstände ganz natürlich. 
seyn müssest, W die völlige Wirkung zu. thän. 
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