Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von K bis Z
Person:
Sulzer, Johann Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-616996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-618524
D708 
END 
Sich 
An: sorgfältigiien muß der Mahler die Fälle beobs 
achten, wo die vereinigte Wütknng der Anordnung 
der Gegenstände, nnd des einfallenden Lichts eine 
Hänzlicbe Zersirenunz des hellen und dunkeln, in lau: 
ter kleine Messen verursachte; denn dieses ist einer 
der lvichrigslen Fehler eines Gemähldes. 
Es giebt auch Fälle, wo die Same des Gemahl: 
des von zweit Lichtern erleuchtet wird; wie wenn 
z. B. ein Zimmer von zwei: Seiten her Fenster hätte. 
Dieses thut meisienthells eine sehe schlechte Wäre 
sung, und ist dem Mahier zu rathen, das doppelte 
Licht zu vermeiden. Nur in dem Falle, wenn das 
von einer Seite entfallende Licht zu 1iark, oder wie 
man sagt, zu steil wäre, kann ein von der ent: 
gegeniIehenden Seite kotnmendes gedämpfies Licht 
sehr voxtheilhaft sehn; weil es die allzudunkele 
Schatten mildert. 
Bistveilen sieht man der Natur Samen, wo 
durchaus ein überall verbkeitetes sehr gedämpftes 
Licht herrscht, das hier und da durch ein weit hellt; 
ists, aber nur durch eine enge Oefnungs einfallen: 
desißärteres Licht erhöhet wird, und dieses kann 
eine sonderbar gute Wütkung thun. In der Chiusi 
süriilicben Gallerie in Dreßden til eine sehr schöne 
Landschaft von Knssdael, die eine Jagd mitten 
in einem Wald vokscellr, darin solche helle Mike 
eine sfüetrek1iche Wückung thun. Herr Zins der sie 
gestochen, hat in,Behandlungs dieser hellen Liehter 
große Gescb:klicbieit gezeiger.  
Alle diesesAnmerkungen betreffen das Studium 
über die vorthetlhafte oder schädiiche Würkung. dessi 
Lichtslfür die Geniöhlde in der Natur selbsi. Da: 
durch hat der Mahler noch nicht alles gethan; er 
muß mit diesen Beobachtungen and: die verbinden, 
die er an Gemählden großer Meiner manchen kann. 
Die Arbeiten des Corregionoerden ihn lehren, wie lieh 
ichs skutkem Lichte dennoch in dentGeniählde, sendet 
in Mk hEl1M, als in den dunkelm Stellen eine bei 
tvundrungswürdige Schönheit nnd Harmonie statt 
haben könne. Die Getnählde der älteren Veneriani: 
schen Schule werden ihtnialle Verweile eines generis 
ßigten Lichts zur höchsten Liebliihkeit und Harmonie 
der Farben zeigen.  
L c eh tk e r.   
 cMahlereys.J    
So werden in einem Gemählde diejenigen Stellen 
gmemit, auf welchen das einfallendeLicht ohne einige 
Schloächnng seine ganze Starke behält. Auf einer 
Finger, worauf das ganze Licht fällt, ist, wie in: 
Vdkh2ksChenden Artikel.gezeiget worden, ums eine 
einzige kleine, Stelle, die dasselbe in seiner ganzen 
Stärke bekommt; also nur ein sola;ies Licht: aber 
auf einem vielförmigen Körper, fleht man insgemein 
MEk2kM AGtkks Ein Asche, worauf ein streifen: 
des Seitenlirht fälie, wird auf allen erhabenen Sees: 
ten, z. Sauf der Stirn, auf der Nase, aufdem 
Kinn nnd4aUf. der höchsten Rundung der Bann 
Lichter zeigen, wenn diese Theile gegen diesFläche des 
einfallenden Lichts so hervorstehen, das; sie Vom gan: 
sen Lichtes getroffen werden, da es vor den. weniger 
hervorsiehenden Theilen sviokbenglttikhet.i  
Man muß lich das eingeschränkte Licht, als einen 
Strohln vorstellen, der feine bestimmte Ufer und. 
Gränzflärhen hat. So iß das Licht, das durch eine 
vierekigte Oefnnng, wie ein Fensier, in einen danke; 
len Raum fällt, ein in Viee,.gerade Flächen rings; 
schloiTener Lichtfirohm. Steht ein Körper, an welk 
them Erhöhungen nnd Vertiefungen Held, so neben 
diesem Strohin, daß nur einige heraussiehendeTheile 
sich in denselben eintauehen, da andre außer ihm lle: 
gen, Sei erscheinen die Lichter ans diesen Theilen. 
Die richtige Ausiheilungi der Lichter in einein 
Genn3hldes iß eine Sache, wozu eine neaeheunttische 
Genauigkeit erfodert wird, die, wie die Regeln der 
Perspektiv nur durch wüsrklich geotnetrisd;e Besinne 
nenngen kann erreiche werden. Weil die Mahlen 
fetten das Licht mit dieser Genauigkeit behandeln, so 
siehet man gar ofte Lichter auf Geniaylden vekiiisent,s 
deren DafeynsauH dein einfa:lenden Hau,otlccht un: 
möglich kann, erklärt werden.  
Ja einein Gemählde, ivotnnr einzele Theile von 
dem vollen .Hauptlichte getroffen werden, da ers auf 
allen andern mehr oder weniger durch Schatten ges 
dämpft wird, können die Lichter ohne jene.geoinetris 
sehe Genauigkeit nicht angebracht werden. Desi 
wegen sollten die, welche Anleitnngen znr.Perspek: 
tioifüe die Mahlet schreiben, auch diese Materie 
etwas genau abhandeln. Um nur einigermaaßen 
Mk Probe der Behandlung dieser Materie zu geben, 
wollen wir folgendes antnerken. 
Vor allen Dingen muß den eingefchrc3nktem Lichte 
der Lichtßrohm nach feiner Größe ,s nach seiner 
Figur und nach feiner Richtung genau beiiim1nt 
werden. Er kann eonifCh ; CplMdkITch, prislna: 
tisch n. f. fs seyn. Rächst diesem muß die eigene: 
liche
        

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