Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
von K bis Z
Person:
Sulzer, Johann Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-616996
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-618428
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Tät 
schieden zu sehn, daß jede Leidenschaft jedem See 
müth könne elngepsianzt, und daß jedes von jeder 
Leidenschaft, wenigstens bis auf einen gewissen Grad 
könne gereiniget werden. Nur müste hieben, wenn 
die Frag aufgeworfen wird, wie eben diese Würtung 
durch die schönen Künste zu erhalten sey, dasjenige, 
was von der mechanischen Würkung des Clcma 
abhängt, von den andern Ursachen,abgesondert 
lverden..  
Man siehet, ohne iich in schwerste Untersuchungen 
einzulassen, wie die Gemächer der Menschen zu ge: 
wissen leidenschaftlichen Empsindungen allmählig ge: 
stimmt, und geneigt gemacht werden. Wer das 
Unglüt hat unter geizigen, oder rachsüchtigen Leu; 
ten auferzogen zu seyn, hat auch das Vorurtheil 
eingesogen, daß der Betst des Geldes, der höchste 
Wunsch des Menschen seyn, nnd daß man nie eine 
Beleidigung verzeihen müsse. Daraus läßt sich 
schließen, wie durch die schönen Künste die Gemächer 
,zu Leidenschaften können geneigt werden.  Da sie 
den gemeinen Vorstellungen, die wir auch in dem 
täglichen Leben.haben könnten, mehr Lebhaftigkeit 
und mehr Kraft gehen, so müßte man solche Werke 
der Kunst, die zu Tilgung oder Erwekung, gewisser 
Leidenschaften eingerichtetisind, täglich genießen. Pyg 
ebagcsraa hielt seine Schüler an, alle Morgen nnd 
Abend durch die Musik gewisse Empfindungen in sich 
zu erregen, und der berühmte Penßloanier Franks 
tin, einer der größten und feinefien Köpfe unsrer 
Zeit, meidet in einem,Schreibrn, einem seiner Faun: 
de, der ihm in Roten gefezte Lieder geschitt hatte, 
daß er davon gute Wknkung zu Beförderung der 
Mäßigung nnd Liebe zur htiuslichen Sparsamkeit 
erwarte; O In großen Städten , wo täglich drei: 
matische Schauspiele aufgeführt werden, könnten 
diese dazu gebrauä;t werden. 
 Uebekhaupt also ist hier zu merken, daß durch 
eine allgemeine Ausbreitung und den .tciglichen Eies 
brauch solcher Werke der .Betedsamkeit nnd Dicht: 
kniest, die Vorsiellungen.und lIrthecle, die eigentlich 
die Grundlagen gewisser Neigungen ausmachen, 
lebhaft und eindringend vorgetragen sind; darin leis 
denschaftliche Gegenstände und die Leidenschaften 
selbst; mit, einpfehienden , oderwarnend.e.ri Zügen 
begleitet, kräftig geschildert werden, als gewisse ;   
Mittel k5MtM;gngesehen werden, Neigungen und   
Leidenschaften zu zeugen, oder aussden Gemächern 
zu oerbannen. Wenn die Jugend, die von nichts, 
als der iisKkiegesdiensten zu,erwerhenden Ehre 
sprechen hört, und nichts, als dahin abziehlende 
Bücher zu lesen bekommt, von dieser Art Ehrbe; 
gierde entflammt wird, und wenn das anhaltende 
Lesen. etwas schwarmerischer Andachtsbüeher, die 
Leute zu Pietisien macht, wie die Erfahrung beydes 
hinlänglich lehret; so kann man daher denselben  
Schluß auf jede andere Neigung und Leidenschaft 
indischen, wenn ähnliche Mittel gebraucht werden. 
Und so können auch die andern Künste zu glei: 
them Zwei dienen. Indem sie leidenschaftliche Gei  
gensiände und Leidenschaften selbsiJ kräftig schildern, 
erweken sie allemal in uns gewisse daher.entsiehende 
Empfindungen, und versiörken dadurch alimähiig 
unser Gefühl der 8uneigung, oder Abneigung; denn 
es ist offenbar, daß wir endlich herrschende Neigung 
oder Abneigung für solche Gegenstände bekommen, 
die wir oste mit Vergnügen oder mit Schmerz, Uns 
willen oder Ekel empfunden haben. Von alienWer; 
ten der Kann scheinen die Lieder in dieser Absicht 
die größte Kraft zu haben, tviean seinem Ort unt; O C 
siändlicher angemerkt worden ist. cis Wie das Las s2ikpJ 
cherliche hiezu diene, ist bereits gezeiget worden. O se; H, 
Schriften und andere Werke des Geschmaks, dick 4MUkbs 
besonders daraus abziehlen, die Menschen zu htilsak 
met: Leidenschaften Izu reizen, odersschädliche zu 
schwächen, verdienen die höchsie Achtung Von einer 
ganzen Nation. Wie unendlich würde nicht die 
Erziehung erleichtert werden, um nur einen Fall 
des Nuzet1s fOcthEt Werke anzuführen, wenn man 
,Sihriften bei; der Hand hätte, worinn die wahre 
Ehre, die Liebe zum allgemeinen Besten, und jede 
zur allgemeinen und besondern Glükseeligkeit abzieh: 
lende Leidenschaft eben so reizend vorgestellt würde, 
als die Wollust, in so manchem Werke des Wizes 
geschildert wird2 Wann ansiatt blosV4lus1iger oder 
tviziger Lieder, eben so angenehme zu jener höhern 
Absicht dienende, überall ausgebreitet wären2 Was 
 für 
the cEe3Ict yoFs,11oke and escpeä from it. Leeres to Mk.Neu. 
part in FktnklinII Experiments. and obkekntioI1s ou E.1ekjki. 
cis,  :769. 4. S. M.
        

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