Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Historische Handzeichnungen
Person:
Geiger, Peter Johann Nepomuk Schimmer, Gustav Adolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-609723
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-614080
Gefahr 
Herzog 
Iaromir,H 
lll1U 
Böhmen. 
Selten zeigt sich uns ein langes Fürstenleben von so viel Ungemach und von fo.schnelIen1 Wechsel 
durchzogen, als das des Herzogs Jaromir. Zweiter Sohn König Boleslaw des II. sollte er so 
wie sein jüngerer Bruder Ulrich nach dem Willen des Vaters und dem althergebrachten Rechte ein 
innerhalb des böh1nischen Reiches gelegenes Fürstenthum unter der Oberhoheit des ältesten Bruders 
erhalten, welcher als Bolesla w 111., Rotha ar genannt, die Regierung antrat. Das Mißtrauen 
und die Grausamkeit dieses unwürdigen Regenten ließ ihn aber Verderbenspläne gegen die Brüder 
fassen, so daß sie nach Baiern zum Herzoge Heinrich, dem nachmaligen Kaiser, entfliehen mußten. 
Erst nach der Vertreibung Boleslawis durch einen Ausstand der böhtnischen Großen und nach dem 
Tode des als Herzog berufenen polnifchen Prinzen Wladiwoy kehrten Jaro mir und Ulrich 
zurück und ersterer wurde 1003 als Herzog anerkannt. Der vertriebene Boleslaw aber suchte 
Hilfe beim kriegsfertigen Polenherzoge Boleslaw Chrabry, der ihn mit einem Heere nach sPrag 
führte und Ja.romir und Ulrich neuerdings vertrieb. Als jedoch Boleslaw viele Wr5oweee 
und sonstige Große, seine Gegner, bei einem Fastnaihtsschmause meuchlings erschlagen ließ, benüZte 
der Pole die entstandene Aufregung, den Herzog gefangen nach Polen zu schicken und das Land im 
eigenen Namen in Besitz zu nehmen.  
Allein die verweigerte Lehenshuldigung verwickelte ihn bald in Krieg mit dem deutschen Kaiser, 
Jaro mir und Ulrich begleiteten das deutsche Heer, welches siegreich im Lande vordrang und Ulrich 
bemächtigte sich durch Ueberfall der Stadt Prag, worauf Jaromir neuerdings in der Herzogswürde 
bestätiget wurde. Er behauptete dieselbe durch 8 Jahre, und in diese Zeit fällt ein von alten Chronisten 
erzähltes, in den Details unsiiheres Abentheuer Jaro1nirls, von welchem unser Künstler ein Bild enti 
wirft. Der Herzog, obwohl redlich und gutmüthig, konnte doch die Abneigung nicht verbergen, welche 
er gegen einige Große, darunter besonders den mächtigen Kochan von Wräowee fühlte, deren 
schwanEendes Benehmen Mitfchuld an den erlebten Schlägen war. Hierdurch soll der jähzornige 
Kochan von wilder Rache erfüllt worden sein und auf das Verderben des Herzogs gesonnen haben. 
Ein Jagdzug, bei welchem Jaromir sich von seinen Gefährten entfernte, schien günstige Gelegeni 
heit zu bieten, die Versihwornen rissen den Herzog vom Pferde, entkleideten ihn, banden ihn mit 
Händen und Füßen an Pflöcke und setzten hierauf unter Hohnesworten mit den Pferden über ihn 
weg. Des gräßlichen Spiels endlich satt, waren die Frevler eben im Begriffe, Jaron1ir an einen 
Baum zu binden und durch Pfeile zu tödten, als das Jagdgefolge, von einem Diener, der des 
Herzogs Gefahr ersehen, schnell herbeigerufen, anstürmte, einige der Missethäter erschlug nnd den 
Herzog befreite. An der Stelle, wo er die Todesgefahr ausgestanden, errichtete Jaromir das 
Kloster Welicz, von den Verschworenen mußten mehre den Frevel mit dem Leben büßen. 
Für Jaromir jedoch brachte auch die spätere Zeit nur traurige Schicsale. Mit seinem 
Bruder 1012 in Uneinigkeit gerathen, mußte er abermals aus dem Lande entweichen und beide 
wendeten sich an den Kaiser Heinrich 1I. um Entscheidung. Dieser erklärte sich zu Gunsten Ulriclys 
und überlieferte ihm Jaromir, der in die Burg Lissa eingesperrt und bis 1030 gefangen gehalten 
wurde, wo er beim Zerwürfnisse des Bruders mit dem Kaiser Konrad I1. nochmals auf kurze 
Zeit zur Verwaltung Böhmens gelangte. Denn Ulrich bemächtigte Ach vier Jahre später der 
Alleinherrfchaft wieder, bekam den Bruder in seine Gewalt und ließ ihn blenden. Derselbe lebte 
hierauf ruhig in seiner Burg Lissa, und eilte 1037, auf die Nachricht von Ulrichis Tod nach 
Prag, um an der Leiche des grausamen Bruders zu weinen, die Regierung aber an dessen kräftigen 
Sohn, seinen Neffen Bketislaw zu übertragen. Aber auch diese Edelthat sollte ihm zum Vers 
derben werden, denn durch die Rede, welche der alte Fürst bei dieser Gelegenheit an das versammelte 
Volk hielt, erbitterte er neuerdings seine einstigen Feinde, deren Haupt, der Wrs7owee Ko chan, 
ihn bald darauf meucheln ließ.
        

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