Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Historische Handzeichnungen
Person:
Geiger, Peter Johann Nepomuk Schimmer, Gustav Adolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-609723
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-613418
Kaiser 
L7rikdrikh 
Mir 
Mailand 
1162. 
Kaiser Friedrich d er Rothbart  jener kräftige und einsichtsvolle Herrscher Deutschlands, dessen 
zum Heil abzielende Plane seinem Volke so unvergeßlich sind, daß es ihn nicht sterben, sondern im 
Kyffhäuser schlafen läßt, von wo er hervorbrechen wird, der Deutschen goldene Zeit zu erneuern  
dieser mächtige Gewalthaber zeigt in seiner ganzen Regierung das deutliche Streben, seinem vorleuchi 
tenden Musterbilde, Kaiser Karl dem Großen, nahezukommen. Wie dieser, hatte er eine hohe 
Jdee vom Kaiserthum, die er durch seine Regierung zu verwirklichen strebte: das römische Kaiserthum 
als eine rein weltliche Macht im Gegensätze gegen die Allgewalt des Papstes nach der Weise jenes 
ersten, großen Kaisers wieder herzustellen. Aus diesem Grunde feste er, wiewohl aufrichtiger Anhänger 
der Religion und ein Freund der Geistlichen undKirche, doch der unberechtigten Anmaßung Ach kräftig 
entgegen und war bemüht, durch die Unterwerfung Jtalien7s sich und seinem Hause hier eine unums 
schränkte Königsmacht zu gründen, deren Errichtung in Deutschland unter den obwaltenden Verhälti 
nissen bereits eine Unmöglichkeit schien. 
Dieses Ziel im Auge, schliihtete er, nachdem er 1152 seinem Oheim Konrad dem 1l1. auf dem 
Throne gefolgt war, schnell die deutschen Angelegenheiten und sammelte ein mächtiges Heer, mit 
welchem er 1154 das erstemal die Alpen überstieg. In ObersJtalien hatten Ach die lombardischen 
Städte vom Reiche nach und nach immer unabhängiger gemacht, waren aber in wilde Kämpfe unter 
einander zerfallen und theilweise der Ansicht zugethan worden, daß eine Unterordnung unter das 
Kaiserthu1n der wilden Freiheit, die sie jetzt genossen, vorzuziehen sei. So schien eine Unterwerfung 
derselben leichter als jene der troHigen VasalIenwelt Deutschlands. Die Unterwerfung des Anfangs 
stolzen M ailan d7s und die Krönung in Ro m beendeten im nächsten Jahre den ersten Römerzug. Doch 
schon drei Jahre rief die Empörung der meisten lombardisihen Städte, insbesondere Mailands, 
Friedrich das zweitemal dahin, durch Hunger zwang er die Stadt zur Uebergabe und ließ 
hierauf durch Rechtsgelehrte die Rechte der Städte wie seine eigenen untersuchen, worauf die 
Einkünfte und Zöl1e festgestellt und die Städte einem vom Kaiser ernannten Statthalter cPodest.äJ 
untergeordnet wurden. Solchen harten Schlüssen wollten sich viele Städte nicht unterwerfen und 
zeigten hartnäckigen Widerstand, aber sie wurden mit den Waffen bezwungen, am legten darunter 
Mailand. Zu dessen Belagerung hatte Friedrich ein neues Heer in Deutschland sammeln lassen, 
das 100.000 Mann stark im Frühsommer 1161 die Alpen überschritt und die Belagerung der Stadt 
begann, über deren stete WiderseZlichskeit erbittert der Kaiser gesrhworen hatte, die Krone nicht aufzui 
fegen, bis er Mailand bezwungen habe. Nachdem das Jahr mit immer engerer Einschließung der 
Stadt und zunehmender Noth in derselben vergangen war, im Winter aber zwei Drittheile derselben 
durch eine Feuersbrunst eingeäschert waren, wurden die Stimmen Jener, welche Uebergabe verlangi 
ten, immer lauter. Der Erzbischof, der noch auf Widerstand drang, wurde aus der Stadt getrieben 
und am 1. März 1162 ergab sich dieselbe auf Gnade und Ungnade, nachdem Friedrich die früheren 
Versuche zur Unterhandlung zurückgewiesen hatte. Drei Tage später erschienen die Consuln 
der Stadt mit 300 Edlen und übergaben die Schlüssel der Thore und 36 Fahnen der Stadt, 
endlich am 6. März kam die Masse des Volkes, in hundert Sc.haaren abgetheilt, mit Stricken um den 
Hals, Kreuzen in den Händen und Asche auf dem Haupte mit dem Hauptbanner der Stadt, dem auf 
einem reichgezierten Wagen geführten ungeheuren Baume mit dem Bilde Christi und des heiligen 
Am brosius, dem sogenannten Earrocio. Vor dem Kaiser wurden die Fahnen noch einmal 
 10 s
        

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