Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Historische Handzeichnungen
Person:
Geiger, Peter Johann Nepomuk Schimmer, Gustav Adolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-609723
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-612690
EmpftMg der 
EkZhkrzogin 
Maria 
Louise 
durkh 
Uapoleon 
1810. 
Die Vermählung des Kaisers N a p oleon mit der Erzherzogin Ma ri a Loui se, wie behauptet wird, 
schon in einem geheimen Artikel des Wiener Friedens angebahnt, wurde nach Napoleonis Rückkehr 
nach Paris eifrig betrieben. Den 15. December 1809 erklärte er in einer Familienversammlung, das 
Glück seiner Völker begehre, daß er seinem Throne Kinder hinterlasse und da seine langjährige Ehe 
mit der Kaiserin Josephine kinderlos sei, er dieselbe auflöse. Am folgenden Tage erklärte sich der 
Senat für diese Scheidung, die denn Anfangs Jänner 1810 vor dem geistlichen Ofsicialate vor 
sich ging. Bereits den 7. Februar wurde durch den Minister C hampagny und dem österreichischen 
Botschafter Fürsten von Schwarzenberg das Eheverlöbniß in Paris unterzeichnet. 
Den 4. März traf der Marschall Berthier als Großbotschafter in Wien ein und stieg in der 
Reichskanzlei ab. Der feierliche Einzug geschah Tags darauf vom fürstlich Schwarzenberg7schen 
Palast aus und nun folgten prachtvolle Hofseste bis zum 8., wo die seierliche Anwerbung statt fand. 
Kaiser Franz erwiederte die Ansprache des Botschafters mit den Worten: ,,Jch betrachte die Werbung 
um die Hand meiner Tochter als ein Pfand der Gesinnungen des Kaisers der Franzosen, die ich zu 
schätzen weiß. Meine Wünsche für das Glück der künftigen Gatten können nicht mit zu großer Jnnigs 
keit ausgedrückt werden, denn dasselbe wird das meinige sein. Ich werde in der Freundschaft des 
Fürsten, den Sie repräsentiren, die besten Trostgründe für die Trennung von meinem Kinde finden 
und meine Völker in ihr das sichere Pfand ihres gegenseitigen Wohlbefindens erblicken. Jch gewähre 
die Hand meiner Tochter dem Kaiser der Franzosen.t 
Den nächsten Tag legte die kaiserliche Braut den üblichen Entsagungseid auf die Ansprüche 
bezüglich der österreichischen Lande ab und am 11. März erfolgte die feierliche Vermählung durch Pros 
curation bei den Augustinern durch den Erzbischof, wobei der Erzherzog Karl, auf Napoleonis 
eigenes Ansuchen, die Stelle des kaiserlichen Bräutigams vertrat. Denselben Abend war in allen 
Theatern freier Eintritt und die Stadt wie, die Vorstädte waren herrlich beleuchtet. Am 12. März 
reiste der Großbotschafter nach dem Uebergabsorte Braunau, und am 13. erfolgte die Abreise der 
neuvermählten Kaiserin. Erzherzog Karl führte sie an den Wagen, an dessen Schlag der Stadts 
kommandant Fürst Johann Liechtenstein mit gezogenem Degen ritt. Ihre Obersthofmeisterin, 
Gräfin Lazansky und eine zahlreiche Dienerschaft begleitete sie. Von dem in großer Menge versams 
melten Volke wurde die hohe Neuvermählte mit Liebe zum Abschiede begrüßt und Ae dankte mit 
Thränen der Rührung.  
JnsBraunau übernahmen der MarschalI Berthier und die Königin von Neapel die Kaiserin 
von dem Fürsten Trautmannsdorf und die Reise ging über München und Straßburg nach 
Compiegne, wo Napoleon seine junge Gemahlin empfangen sollte. Er reiste derselben aber, nur 
vom Könige von Neapel begleitet, noch fünfzehn Stunden entgegen und kam in Corcelles an, als 
eben die Couriere eintrafen, um die Pferde für die Reisewagen beizustehen. 
Napoleon verließ seinen Wagen und harrte, da eben Regenwetter eingetreten war, unter 
dem Portal der Kirche, bis der Reisewagen Maria Louisenis eintraf, worauf er den Wagenschlag 
öffnete, sich an ihrer Seite niederließ und so die Formen der Hofetiquette, auf die er sonst aufs 
Strengste hielt, durch diesen einfachen Empfang beseitigte.
        

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