Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedrich Preller d. Ä.
Person:
Gensel, Julius Preller <der Ältere>, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-608062
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-609298
lichen Prüfung nachkommen. Von vornherein aber gehörten zur Reisegesellschaft die 
treue Freundin des Hauses Fräulein Olinda Bouterweck und der ehemalige Pflegesohn 
und Schüler Ernst Hemken; Frau Storch war durch häusliche Verhältnisse zu all: 
seitigem Bedauern verhindert sich anzuschließen. Die Reise ging durch die Schweiz 
und über Genua und Pisa nach Florenz, dann weiter nach Rom; im Frühjahr 1860 
nach Neapel und dessen Umgebung, von wo die Gesellschaft im Juli nach Rom zurück: 
kehrte, um teils da, teils in Olevano die Zeit bis zur Rückreise zu verleben. Friedrich 
blieb in Rom, um seine Studien noch fortzuseHen, die andern fuhren anfangs Juni 
mit dem Vetturin über Florenz mit mannigfaOen Aufenthalten bis Mantua und dann 
mit der Eisenbahn heimwärts. Der beabsichtigte Besuch von Sizilien hatte der 
Kriegsunruhen wegen auch diesmal unterbleiben müssen. Prellers Tagebuch zu lesen, 
das die Hauptstücke der Reise umfaßt, ist ein hoher Genuß, zumal wenn man die 
gehaltreichen Skizzenbücher dazu nimmt. In Einzelheiten wird es durch die Aus: 
zeichnungen von Fräulein Bouterweck in liebenswürdiger Weise ergänzt. Ich muß 
mich jedoch hier auf das beschränken, was unmittelbar zur Sache gehört, und kann 
das um so eher, als schon Roquette ausführliche Auszüge aus jenem Tagebuch ge: 
geben hat. 
Wenn Preller eine Reise nach Italien als Vorbereitung zur Ausführung seiner 
Odyssee:Bilder für unerläßlich hielt, so dachte er dabei wohl in erster Reihe an den 
heiteren Eindruck der südlichen Natur überhaupt. Nicht ohne Grund war von seinen 
Kartonzeichnungen gesagt worden, es sei hie und da ein Ton von nordischem Ernst 
darin zu spüren. Fast drei Jahrzehnte hindurch hatte er sich vorwiegend mit der 
rauheren Natur des Nordens beschäftigt; jeHt galt es, den ,,Frohblicktt wieder auf: 
zufrischen, den man nach Goethes Ausspruch nur im Süden gewinnen kann. Und 
das wurde ihm besonders erleichtert durch die Gegenwart seiner Gattin, die mit ihrer 
sonnigen Anmut und ihrem feinen Sinn für Ordnung und Sauberkeit ihm überall 
das Gefühl eines behaglichen Daheim zu erwecken wußte. 
Jene Heiterkeit verdankt die südliche LandscJaft vor allem der klaren Luft; diese 
genossen unsere Reisenden während der Herbfttage in Olevano, dann in der Cum: 
pagna in vollen Zügen. ,,Von der Klarheit und Schönheit dieser Fernen,t sagt Preller, 
,,kann nur der einen Begriff haben, der Jtalien gesehen hat. Die Reinheit und der 
Glanz sind nur mit Edelsteinen zu vergleichen.lt Und an einer andern Stelle: ,,Je 
mehr ich die Campagna besuche, die römische Farbe sehe und ftudiere, um so wider: 
wärtiger werden mir die meisten neueren Produktionen. Jtalien ist unendlich reizend 
in der Farbe, aber diese ist stets in der strengsten Harmonie und nicht aus gelben, 
blauen und roten Tinten zusammengesetzt wie eine Harlekinsjacke. Der Ton ist tief 
aber klar, im Schatten bis weit in den Mittelgrund stets die Lokalfarbe sichtbar u1Id 
nur scheinbar blau lasiert, die Lichter im fernen Gebirge stets satt und still im Ton, 
die Tiefen im Schatten oft brennend in der schönsten blauen Farbe.t7 Wenn man 
das malen wolle, bemerkt er einmal, möchte man oft das Malzeug zu Boden werfen, 
daß einem die Pinsel um den Kopf springen. Von menschlichem Machwerk kenne er 
nichts, was ihm nach dieser Seite vollendeter erscheine, als die Mühle von Claude 
Lorrain in der Galerie Doria. Von der Umgebung Roms liebte Preller besonders 
die Gegend um.Acqua acetosa und weiter östlich bis Ponte Nomentano C,,Lamentanott 
im VolksmundeJ und Ponte Mammolo. ,,Dieser Teil gehört zu den schönsten des so 
reichen Landes, und doch gibt es Menschen, welche die Umgebung von Rom lang: 
weilig finden    Wie ist es möglich, sich ein Urteil in den Künsten anzueignen, wo 
das Auge für Form und Farbe in der Natur so ganz fehlt, und was suchen sie in 
Rom TM Die Studienblätter lassen sich wegen ihrer Breite C58 cmJ hier nicht wieder: 
geben. Den Charakter der Gegend veranschaulicht aber neben Abb. 17 treffend eine 
Zeichnung des Meisters aus dem Jahr 1871, die hier PlaH finden mag sAbb. 110J. 
Die darauf folgende Federskizze LAbb. 111J zeigt das Kloster St. Onofrio am Giani: 
colo, wo Tasso die legte Ruhe gefunden hat; Preller stattete ihm einen pietätvollen 
Besuch ab Cvgl. Roquette, S. 230f.J.
        

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