Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten, Kunstwerke und Geräthschaften vom frühen Mittelalter bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts nach gleichzeitigen Originalen
Person:
Hefner-Alteneck, Jakob Heinrich von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-602549
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-602851
Prosil und unter D von oben gesehen. Beide bestehen aus einer sd7üsselartigen Scheibe, leicht aus Holz gedreht, 
nach Jnnen konkav, nach Aussen konnex; auf beiden steht in der Mitte nach oben ein Zapfen, am Ende 
desselben ein flockenartiger Busch von schwarzer Seide; ersterer unter A und B ist wie der darausstehende 
23apfen mit schwarzem Sammet, der größere unter C und D, wie dessen iZapfen mit fein gefälteltem schwarzen 
Seidenstofs i1berzogen. Die natürliche Größe beider Gegenstände zeigt der beigefügte Maafzstab. 
Um das Tragen dieses eigenthümlichen Kopfputzes nachzuweisen, fügen wir gleichzeitig Bildwerke bei 
und zwar unter E das Bildnifz der zweiten Gemahlin des P. P. Rubens, der geborenen Kzelene 5ourment, 
in der h. Pinak0thek zu München und unter sF das Bildnisz einer hollandischen Dame in einer lsiolorirten 
Radirung von Wenzel Kd0llar. Beide Damen tragen dieses Käppchen auf der Stirne, bei beiden sieht man den 
nach hinten herabhängenden, schwarzen Schleier, welcher nach vornen mit diesem Käppchen in Verbindung 
steht so daß letzteres gewissermaßen das Gegengewicht zu dem Schleier bildet. 
Unter den vielen Bildwerhen hollcindischer Meister dieser Periode existirt in vier radirten Blättern 
der figurenreiche, hollcindische Jahrmarkt von Johann van de Velde; wir geben aus demselben unter G H K 
einzelne Gruppen bürgerlicher Frauen mit cihnlichem Kopfput3, jedoch steht derselbe mit einem größeren 
lieberwurf in Verbindung. 2luszerdem erscheint unter G und K noch eine andere Art einer gleichzeitigen 
hollcindischen Kopfbedeckung in Form eines Schiffes, ebenfalls in Verbindung mit einem Ueberwurf. Die Dars 
stellung I, einer Zeichnung des 2ldrian van der Venne entnommen, stellt eine wohl Vornehmere Dame, mit einem 
Herrn aus der Kirche gehend, in ähnlicher Tracht dar. 
Tafel 
Reiterrüstung aus der ersten Hälfte des XVIl. Jahrhunderts, im Besitze des Verfassers, erworben im 
Jahre 1836; sie stammt aus dem ehemaligen bürgerlichen Zeughaus zu Frankfurt a. M. 
Das wesentlichste dieser Art K:arnische, welche den ganzen k30jährigen Krieg hindurch in den vers 
schiedensten Ländern im Gebrauch waren, besteht vorzüglich darin, dasz die Beinschienen an der Hüfte 
eingehängt, mehrfach geschoben, ununterbrochen bis über die Kniee herablaufen, wo sie über die ledernen 
Stiefel geschnallt wurden, während früher die Faüftentheile C,,TaschentJ sreihcingend, nur den oberen Theil der 
Beine schützten, und darunter die übrigen Beinschienen, für sich allein bestehend, bis über die Süße herabliefen. 
An der Darstellung dieser Rüstung zeigt sich der beim im läsalbprofil; wir geben denselben nochmals von 
vornen bei A mit geschlossenem und unter B mit offenem Visir, von der Seite gesehen. C zeigt den rechten und D 
den linken Fzandschuh in verschiedener Stellung. Solche Art Fzandschuhe,  ,,läzäi1tschentt, nannte man auch 
,,5ciustlingU, im Falle die vier Finger nicht einzeln geschient, sondern wie hier, in einem Geschiebe zusammen: 
gefaßt waren. wiewohl der hier in drei verschiedenen Ansichten gegebene iäzelm bei derartigen Rüstungen 
der gewöhnlichste ist, so kommen dabei doch auch manche Verschiedenheiten vor, wie u. a. an dem Beim, 
welchen wir unter E im profil und unter F von vornen gesehen, darstellen; derselbe befand sich in dem 
5eughaus zu 11ietz, wo er mit dem Namen casque L: la hibou bezeichnet war. 
Die vorliegende Rüstung ,,hammersertigU in schwarzem Eisen; mag wohl vom Gemeinen bis zum 
Wachtmeister getragen worden sein, während zur selben Zeit das Wesentliche dieser Rüstung in feinerer 
Ausführung und oft blank, ornamentirt mit Vergoldung und Aetzung auch von den vornehmsten getragen 
wurde; so sehen wir auf Tafel 680 in einer ähnlichen Rüstung Herzog Bernhard von SaihsensWeimar. 
Auch trugen Gustav Adolf, Wallenstein, Kurfürst Maximilian I. von Baiern, Till17 und viele andere hohe 
Herren diese Gattung von Rüstungen. 
Tafel 
Bernhard von SachsensWeimar T 1639, nach einem selten gewordenen le0l0rirten Kupferstich, im 
25esiize des Verfassers. 
Bernhard spielte im dreiszigjcihrigen Krieg eine hervorragende Rolle; er focht zuerst aus Seite der 
Schweden, dann auf Seite 5rankreichs und ist bekannt durch sein abenteuerliches Leben und seinen 
liriegerischen Sinn. Er erscheint hier in der Reiterrüstung, welche den ganzen dreißigjährigen Krieg hindurch 
eine bedeutende Rolle spielte und sich wesentlich von jenen Rüstungen unterscheidet, welche noch bis zum Schluß 
des XVI. Jahrhunderts im allgemeinen Gebrauch waren; nciheres darüber gaben wir bereits auf Tafel 679. 
Tafel 
Srauenjacke von Seidenst0ff, aus der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts, in dem groszherzoglichen 
Museum zu Darmstadt; sie gehört, wie jene Mcinnerjacke auf Tafel 657, zu den interessanten hulturhistorischeU 
Gegenständen, welche seiner Zeit Baron Kzül1sd7 in Köln dem Großherzog von FzessensDarmstadt vermachte.
        

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