Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten, Kunstwerke und Geräthschaften vom frühen Mittelalter bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts nach gleichzeitigen Originalen
Person:
Hefner-Alteneck, Jakob Heinrich von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-602527
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4014574
Tafel 
Modell eines Ofens 0,25 Höhe, seiner Zeit im .75esitze von G. 1Vittemann in Geisenheim, unter A 
von vornen und B von der Seite dargestellt. Dieses Modell ist unmittelbar durch Meisterhand, welche sich 
durch das J1Tonogramni H. G. D. 1550. auf der Rückseite bezeichnet hat, in schwarzem Thon geformt. Er 
ist zum Gegensatz der gewöhnlichen Kachelofen jener Periode mehr architelitonisch lionstruirt und zeigt die 
Form eines Thurmes mit Crlier und .Bedachung; die Gesimse und Ornan1ente sind vergoldet. Auf beiden 
Seiten erscheint das Bildnis; Karl V. Ruf der Vordeisseite erhaben modellirt und bemalt ist das Wappen von 
1TassausiZweibrüclien, ein goldener Löwe mit rother Krone und Pranlien in blauen: Felde, von goldenen 
Ziegeln umgeben. 
Tafel 
Turnierrüstung aus der Mitte des XVI. Jahrhunderts nach einem Originalharnifuh, welcher sich im 
hist0rifohen Museum zu Dresden befindet. Sie gehört zu jener 2lrt von lsZarnischen, welche eigentlich zum 
Kriege bestimmt waren und nur durch das 2lufschrauben besonderer Stücke CI,leberlegeJ, welche das Eindringen 
und Fdcingenbleiben der Turnierlanzen verhinderten, zur Turnierriistung umgestaltet wurden. So sehen wir 
hier ein Stück aufgeschraubt, welches einen Theil der Brust, die l7zalsgelenke und das Gesicht deckt; darüber 
hinweg konnte man beim V0rlegen des Körpers nur durch einen Schlitz des Uisirs sehen. Ein anderes Stück 
Eisen ist an den hinteren Theil des Keimes angeschraubt, welches sich bis Auf den RÜCkOII I2k1IAb Ellfk1VCIdt, 
wo es befestigt ist; durch dieses wird das KJalsgelenk unbeweglich gemacht, weil sonst durch einen Tanzen: 
stofz aus den oberen Theil des Kopfes leicht der Hals brechen konnte. Ferner sieht man ein Stück aus den 
linken 2lrm geschraubt, welches den Ellenbogen umhiillt und den Oberarm wie durch ein Schild deckt, es 
läfzt nur soviel Beweglichkeit zu, als nöthig ist, den Zügel zu führen. Die l7dandschuhe sind auf beiden Seiten 
in gröszerem Maßstabe dargestellt; sie sind verschiedenartig geformt, der rechte B zum 5iihren der Turnier: 
lanze, jener C zum Führen der Zügel. Die Fortsetzung der Lanze, welche zum Rennen im Krönling gebraucht 
wurde, ist unter H dargestellt. Es sind ferner zwei Lanzenspitzen aus derselben Sammlung beigefügt, jene 
G zum Scharfrennen und F zum Rennen im Krönung. Die Brechscheibe an der Lanze ist nicht vorhanden. 
Ein sogenannter Lanzenhaken zum 2luflegen der Kriegslanze an einer anderen Rüstung dieser Samin: 
lung sieht man unter D und E; derselbe kann durch eine Vorrichtung höher oder niederer gestellt werden. 
Tafel 
Turnierlanzenspitzen und F9arnischtheile aus der Mitte des XVI. Jahrh1MdettS. Von den Turnier: 
lanzenspitzen befinden sich jene unter A und B, wie jene unter C und D von zwei Seiten dargestellt, im 
ligl. Zeughause zu Berlin, jene unterE und F im bair. i1ationaImuseum zu München. Letztere mit der dazu: 
gehörigen Stange und der Brechscheibe Ctrichterf6rmiger Schutz für den rechten Arius stammt aus der bairischen 
altadeligen Familie der ,,VierecleH; die erstgenannten gebrauchten wohl die 111arligrafen von Brandenburg 
bei ihren Turnieren. A und B zeigt die Spitze von der breiten wie der schmalen Seite, C und D in seltener 
Weise verziert, erscheint ebenfalls von zwei Seiten. 
Die Lanzenspiizen wurden zu den versihiedenartigsten Turnieren gebraucht, wobei es theils zum 
tLanzenbrechen oder um den Gegner aus dem Sattel zu heben abgesehen war. Solche Turniere erscheinen unter 
den verschiedenartigsten Namen, als 5eldturnier, gemein S;harfrennen, Bunttrennen, Psannenrennen, geschifft 
Scheibenrennen, geschifft Tartschenrennen, des welsch Rennen mit dem 2lrmettin, Rennen im Krönung etc. ; 
zu letzterem diente besonders die Lanzenspiize E und F. 1iciheres hierüber in dem Werke von Quirin von tLeitner, 
,,5rehdall Turniere und 1Tlummereien des Kaisers J1Iaximilic1n IN 
Die untere Darstellung gibt eine Zusammenstellung einzelner Theile der Kriegsriistung, welche wir bereits 
mehrfach mit dem Namen ,,MaximiliansriistungH bezeichneten. Während wir bereits mehrfach diese Rüstungen 
nach noch erhaltenen Originalen dargestellt haben, sind diese 5ederzeichnungen der herzoglichen Bibliotheh 
auf der Veste Coburg entnommen; sie erscheinen daselbst in doppelter Gröfze auf vier Blättern Von einem 
Meister des XVI. Jahrhunderts, welcher diese einzelnen Riistungstheile zu irgend einem malerischen Zwecke 
in verschiedenen Stellungen und Bewegungen ansertigte. Die Zeichnungen tragen wohl das 1iTonogramm des 
Esaus Baldung Grün, doch sind wir nicht sicher, ob dasselbe nicht etwa von anderer Hand und in späterer 
Zeit darauf gesetzt wurde. Dasz auch Albrecht Dürer, Esaus Burgkmaier wie andere Meister dieser Periode 
ähnliche lZarnischstudien machten, haben wir mehrmals nachgewiesen. 
A zeigt den Brustharnisch mit Arm, 5äustlinghandschuh, der muschelförmigen Cllenbogeniiachel und 
Schossen, Beintaschen, welche den Obertheil der Beine schützten. 
B den K:elm ,,2lrmetU von der Seite, und C ein ähnlicher von vorn, welcher mit seiner stricliförmigen, 
gehöhlten 5assung in den vorspringenden Rand des 1ä:alsberges eingreift und sich darin umdrehen und jede 
Bewegung des fzzalses machen kann. D ein lä:andschuh, 5äustling genannt, an welchem die vier 5inger bei: 
samtnen sind, welche sich in den Schienen und vorspringenden Wulsten zu einer Faust schliefz:n können. 
H.
        

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