Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten, Kunstwerke und Geräthschaften vom frühen Mittelalter bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts nach gleichzeitigen Originalen
Person:
Hefner-Alteneck, Jakob Heinrich von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-598762
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-598979
Tafel 39Q- 
Trachten aus- der zweiten Hälfte des X.V. Jahrhunderts. 
Die Figuren A bis F erscheinen auf dem sogenannten fievernburgischen Bilde, welches sich in dem 
Archive zu Arnstadt befindet. Es stellt drei Ahnherrn dieser Familie nebst ihren Frauen dar. Dieses Gemälde 
gehört zu jenen Ahnenbildern, welche in der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts in der Weise angefertigt 
wurden, daß der Maler die Ahnen aus den verschiedensten Epochen der Vorzeit alle in der Tracht seiner 
Zeitgenossen darstellte, und sie nur durch die betreffenden Wappenzeichen und sonstigen Attribute kenntlich 
zu machen suchte. Sonach geben wir dieses Bild als eine treue Darstellung vornehmer iäaustracht der 
genannten Zeit, ohne dafz wir uns bei dem Zwecke, welchen wir hier verfolgen, auf die betreffenden Persön- 
lich1eeiten einlassen. 
Die wulstartige Beschaffenheit der fiopfbedeckung der Männer B und D sehen wir in ähnlicher Art 
auf dem Monumente des Grafen Johann von Wertheim  1407), auf Tafel 229. Sie wurde häufig gebraucht, 
um das eiserne Basinet darüber zu setzen. Was die hier wieder in verschiedener Anwendung erscheinende 
Tracht des kurzen Scheckenrockes, der Zatteln, der Schellen und Schnabelschuhe betrifft, so haben wir schon 
verschiedene Male Beispiele davon gegeben. 
Die Figuren G bis K nach Pergamentmalereien des Prjvilegienbuches von Jngolstadt vom Jahre 149Z, 
welches sich auf dem Rathhaus daselbst befindet. Die hier dargestellten vier Männer in schlichter Tracht sind 
wohlhabende Bürger, welche um genannte Zeit in dem hohen Rathe saßen. Es sind deren fünfundzwanzig 
aus den zwei ersten Blättern jenes Buches abgebildet. Sie haben alle, wie die hier davon ausgewählten, ihre 
Namen über dem Kopfe stehen 1md auch die Darstellungen der Schilde haben meist Bezug auf ihre Namen. 
Tafel 393- 
Grabdenlimat, l1;1ut-relief in grauem Sandstein des lä)einrich Fries H- 1482, Abt von St. Ulrich in 
Augsburg; dasselbe befindet sich in dem bair.1"tati0nalmuseum zu München und war ursprünglich auf dem 
Grabe desselben in dem Kreuzgang von St. Ulrich, welcher später zur Kaserne verwendet wurde. Der Abt 
tragt das einfache Mönchsgewand und als infulirter Abt die Jnful, hier in einer ungewöhnlichen Höhe, 
wie sie erst im XVl. Jahrhundert allgemein wurde. In der Linken heilt er den Abtstab, wie ihn auch die 
Bischöfe führten, mit daranhängendem Sudarium. Wir geben ihn seiner Charakteristik wegen unter A in 
größerem Maaßstabe. Er ist im gothifchen Stil, zum Gegensatz jener Bischofs-stcibe der romanischen Periode, 
von welchen wir bereits mehrere Beispiele gegeben. Zum Vergleiche stellen wir unter B einen einfacheren 
BischofSstab in etwas früherem gothischen Stil dar, nach dem Gral)monumente eines Abtes der prcimonstra- 
tenserabtei Ursberg Johannes Rhbler (ebenfalls im baier. Nati0nalmuseum). 
F-3einrich VIlI. (5ries) wurde nach Abt Melchior (-f 1474) zum Abt von St. Ulrich gewählt. Er be- 
gann bereits 1474 den Wiederaufbau der eingestürzten Kirche durch den Steinmet3en Valentin und durch den 
berühmten Architeliten Burkard Engelberg, der auch am Münster zu Ulm gearbeitet hatte. Er erlebte noch 
die Ausführung der F-Dauptmauern und Pfeiler des neuen Tempels und starb, wie die Umschrift auf vertieftem 
Grunde seines Denkmals zeigt, am 9. Mai 1482, allgemein betrauert, wegen seiner ausgezeichneten Kenntnisse 
und Tugenden. 
Taf8I 594- 
Fragment einer (-3unftfahne der Bergleute von Throl, jetzt in dem bair. 1lationalmuseum. 
Dasselbe besteht aus grober, ursprünglich weißer Leinwand mit in Glsarben daraufge1naIten Dar- 
stellungen. In der Mitte der rothe ;ldler von Throl mit Krone, Schnabel, Sängen und sogenannten Klee- 
stengeln in den Flügeln von Gold. Uber demselben das Wappen des deutschen t"iönig5 mit schwarzem, ein- 
köpfigem Adler in goldenem Felde, zur Rechten desselben das ,l-Zauswappen von (-l")sterreich (lZ;)absburg) mit 
silbernem Querbalken in rothem Felde. Zur Rechten des T12roleradlers St. Georg in goldener Rüstung, den 
Drachen erlegend; unter demselben lnIieend ein Z5ergknappe in seiner Berusstracht. Man darf annehmen, daß 
diese Fahne, als sie noch vollständig war, auf ihrer heraldisch-linken Seite als Gegentheil ähnliche Dar- 
stellungen, wie auf der rechten zeigte. Zu bemerken ist, dafz aus der Kehrseite dieser Fahne sich dieselbe 
Malerei wiederholt, nur umgeliehrt, daß z. B. St. Georg das Sihn)ert aus der rechten, statt wie hier auf 
der linken Seite tragt. 
Der Bergsegen in T12rol war im Mittelalter ein sehr l1edeutender und eine der 1?)auptbergwerlisorte 
war Schwaz am Inn mit seinen Silber- und Kupsergruben, aus denen u. U. die Fugger ihre großen Reich- 
thümer schöpften. M. Merian sagt in seiner (Topogr. Tyrol P. 1i54): ,,Das Silber- vnd KuPfferbergwerclk ist 
in Schwa1z noch umbs Jar 1560 so gut gewesen, daß bis in die Z0,000 Personen täglich darin gearbeitet haben." 
1)ermuthlioh stammt auch diese vorliegende Fahne aus Schwaz.
        

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