Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten, Kunstwerke und Geräthschaften vom frühen Mittelalter bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts nach gleichzeitigen Originalen
Person:
Hefner-Alteneck, Jakob Heinrich von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-596789
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-597067
Tafel 
Tafelgeräthe aus der Mitte des XV. Jahrhunderts. 
A Weinhanne von 5inn, seiner Zeit im Besitze des Bildhauers Andreas 5ortner zu München. 
Diese .iFianne, von beträchtlicher Größe, wie der beigesiigte Maafzstab angibt, zeigt bei großer 
Einfachheit eine Eigenthümlichiieit der Form, wie sie in der Zeit besonders in Deutschland verbreitet war. 
Das Ganze ist gegossen, auf der Drehbank abgedreht, mit einigen auf den Effekt gut berechneten Vorsprüngen 
und Linien versehen. Auf dem Deckel befindet sich eine doppelte .läreuzblume, unter E von vorne in Originals 
große dargestellt. Um untern Theil des fä3enliels sind drei Drachenköpfe angebracht, zwei davon abwärts und 
einer aufwärts schauend, erstere unter C, letzterer unter D in Originalgrosze.  
Vorn am Bauche befindet sich ein Reiterschild CTartsches wie er von den Rittern um diese Zeit getragen 
wurde, schief stehend, mit Cinschnitt zum Einlegen der Lanze; unter E ebenfalls in Originalgr6ße dargestellt. 
F ein Salzfaß, in .Bronze gegossen, melonenartig gebaucht, mit einer gothifchen Giebelblume, im 
Besitze des baierisd7en 1iationalmuseums. Der obere Theil, welcher den Deckel bildet, wenn er geöffnet ist, 
hat seinen RuhePunlit mit der Spitze auf der Tischflciche. 
2lehnliche Salzfcisser, wie auch die vorgenannte große Kanne erscheinen häufig auf den Gemcilden 
dieser Periode, bei Darstellung von Gastmcihlern Fee. 
Tafel 
Bildnisse der Münchner PatriziersFamilic pötschner vom Jahre 1477. Dieselben sind aus dem Altar: 
gemälde, welches sich noch in der ehemaligen Hauskapelle dieser Familie befindet. 
Ein Eberhard pötfchner wird schon im Jahre 1318 als Bürger und Stadtrath von München genannt. 
Sie führen im Wappen eine ,,Pötsahett d. i. ein hölzernes Gefäfz im Allgemeinen und in diesem speziellen Fall 
eine gewisse Art von Salzbehälter, wohl Bezug habend auf den SalzsJ23wischenhandel, welchem München sogar 
seine Entstehung zu verdanken hat; der Ausdruck ,,Pötsohe, Pitschett ist bis in die Jetztzeit noch im Volksmund 
gebräuchlich. Dieses Wappenbild führt schon Ulrich Pötschner im Jahre 1Z66. Die Familie errichtete viele 
fromme Stiftungen und schuf bedeutende Kunstwerke, u. A. zu St. Peter das schöne MarmorsGrabmonument 
des Balthasar pötsohner, is 1505, mit seiner Frau, darüber die Messe des hl. Gregorius und in der Frauen: 
kirche Glasge1nälde mit dem PötscJ2ner,schen Wappen u. f. w. Das Geschlecht starb 16s56 aus; sein altes 
Pötschnerische Stammhaus befindet sich noch in seinen wesentlichen Bestandtheilen in München auf dem 
Rindermarkt Nr. 8. In dem Hof desselben, welcher an die einstige Ringmauer der Stadt anstößt, ist zur 
Linken ein hoher viereckiger Thurm, ein s. g. .,tLuginsLandtt, und zur Rechten der Eingang in befagte 
.l7siapelle; dieselbe, ursprünglich gothisch, erlitt in späterer Zeit vielfache ungünstige Veränderungen. Das alte 
Gemälde, welches den Altar zierte, hängt nun an einer Seitenwand und ist durch ein Bild des XVIII. Jahr: 
hunderts ersetzt. 
Unser Gemälde, ein Flügelaltar oder Tripthchon, von einem oberbaierischen unbekannten Meister, 
zeigt in dem Haupt: und Mittelbild in reicher Eomposition die Anbetung der drei Weisen aus dem Morgens 
land. Jede der beiden Flügelthüren enthalten übereinander zwei verschiedene Darstellungen. Jene heraldisch 
rechts im Obertheile, Antonius den Eremiten und St. Onuphrius; jene links Johannes den Täufer und 
Johannes den Apostel; in den Untertheilen, knieend und betend als Donatoren das Ehepaar Pötschner mit 
ihren fünfzehn Kindern und zwar links, Georg Pötschner in der vollen, Rüstung feiner Zeit, hinter ihm seine 
acht Söhne und zwar ,läaspar, Balthasar und Melchior als die drei Altesten in Halbrüstung mit Panieren, 
worauf die Abzeichen der drei Könige. 
Jm Original steht neben dem Vater der hl. Georg, welcher Heiliger, wie häufig im Gegensatz zu den 
irdischen Personen in übernatürlicher Grösse erscheint; er trägt dieselbe Rüstung wie der Ritter, darüber 
einen rothen Mantel und auf dem lockigen Haar die Sendelbinde. 
Diese Rüstungen gehören zu den ersten jener Art, welche schon den Körper bis auf die Füße mit 
blankem Eisen CPlattenrüstungenJ umschlies3en, eine Vollständigkeit, welche sie erst um die Mitte des XV. Jahr: 
hunderts erhielten und dann sich weiter bis in die ersten Jahre des XVI. Jahrhunderts entwickelten. C1Vir 
lassen alsbald alle Details dieser Rüstung nach noch erhaltenen Originaltheilen folgen.J  Der knieende Ritter 
hat hier vor sich, auf dem Boden stehend, den Reiterschild unter der verhältniszmäszigen Größe und darin die 
befagte Pötsche. Die Helmzierde, in ungewöhnlicher Höhe auf dem Heim CSchallerJ, zeigt ebenfalls die 
Pötsche von zwei Armen getragen, ähnlich der bei Herzog tLudwig von Bayern, Cis 1429J, auf Tafel 267 
erscheinenden Helmzierde. 
Sämmtliche Söhne haben die Kopfbedeckung, die zu gleicher Zeit umgekehrt mit herabgeschlagener 
Krempe die Unterlage des He1mes bildete. Der vorderfte, Kafpar, trägt auf dem Beinkleid einen Streifen 
von Kettengeflecht, was, wenn auch selten, noch im XVI. Jahrhundert vorkommt. 
Die Mutter knieend, hat als g,,eb0rene Fröschel vor sich das Wappenschild mit einemlFrosch. Sie 
trägt das mit Pelz verbrämte lange Uberkleid und das den Kopf umhüllende ,,Rissentuchtt. Die sieben
        

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