Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-585796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-587222
Arabesken ansmalen lassen wollte. Nun war es Cornelius, der mit seiner Sehn: 
sucht nach Beschäftigung in der Fresko1nalerei ihn dazu brachte, die Wände dieses 
Saales ihm und seinen Freunden Overbeck, Schadow und Phil. Veit zur Ver: 
zierung mit Bildern zu überlassen; Honorar bekamen sie nicht, sondern nur Erfah 
der Kosten. Mit Rücksicht ans die Konfession des Bestellers wählten sie die Ges 
schichte des egyptischen Josephs. Das war nun freilich ein sonderbarer Anfang zur 
Wiedergeburt einer neuen nationalen Kunst, unterm Schutz, eines Juden in Roml 
Dennoch war das Resultat dieser enthnsiastische11 Aufopferung ein verhältnis: 
mäßig immerhin glä11zendes, wenigstens erregte es damals das größte Aufsehen. 
Ja man überfah ganz, wie weit es hinter dem zuriickblieb, was Mengs schon zwei 
Menschenalter früher in der Villa Albani und der Stanza dei Papyri in solcher 
Nachahmung des Raffaelschen Stils geleistet.  Denn mehr gaben diese Künstler, 
Overbeck ausgeno1nme11, kaum, speziell Cornelius nicht, der hier nur wiederum seine 
schon, von Goethe bewunderte Geschicklichkeit bewährte, sich in die verschiedensten 
Stilformen zu finden. In einem freilich find sie alle Mengs durchaus überlegen: 
in dem tiefen, echt deutschen Ernst, der ihre Bilder durchglüht und alsbald unsere 
Achtung erzwingt. 
Cornelius hatte Josephs Traumdeutung nnd die Wiedererkennungsszene mit 
den Brüdern gewählt. Jene würde man beim ersten Blick sofort Rasfael zuzu: 
schreiben versucht sein, wenn man nicht den leichten geistvollen Pinsel, die leuchtende, 
harmonische Farbe des Urbinaten vermißtel Bei näherem Zusehen findet man dann 
freilich sofort, daß vor allem das ungeheure Naturstudium gänzlich fehlt, das den 
Raffaelschen Sihöpfungen zu Grunde liegt. An seiner Stelle sehen wir nur, wie 
die Wahrheit und Natürlichkeit des Ausdrucks sehr oft dem Rhthmus der Linie 
nicht ganz, aber doch etwas, aufgeopfert worden, dadurch bekommt die Komposition 
etwas künstliches, theatralisches, das wenigstens jede Naivetät ausschließt, die doch 
gerade bei Rasfael oft so bezaubernd wirkt. Viel besser ist die Wiedererkennungss 
szene; hier entwickelt der Künstler eine Wahrheit und Jnnigkeit des Ausdrucks, die 
sehr wohlthätig berühren, vortrefflich ist die Charakteristik der reuigen Brüder, bei 
denen er offenbar römische Bauern benutzte, wie denn dieses Bild vielleicht von allen 
die Cornelius je gemacht, am meisten direktes Naturftudium zeigt. Dadurch erhält 
es neben dem hohen Ernst, der gewaltigen Subjektivität, die aus allem sprechen, 
was er macht, eine überrafchende Wärme, die man sonst nur zu oft vermißt. 
Da die Arbeiten des Overbeck und Veit auch sehr viel Schönes haben und 
wenn nicht die Großartigkeit derer des Cornelius doch dafür noch mehr Originalität 
des Stils besiHen, so begreift man leicht, welches Aufsehen sie damals nach derimehr 
als zwanzigjährigen absoluten Kunstdiirre machen mußten. Niebuhr, der eben jetzt 
als prenßischer Gesandter nach Rom kam, blieb denn auch entzückt davon, obwohl 
oder weil er offenbar kein eigentlicher Kunstkenner war. Noch mehr aber gefiel ihm 
Cornelius selber, der ihm.vou allen diesen römischen Deutschen weitaus am meisten 
imponierte. Er zweifelte keinen Augenblick, daß diese jungen Männer eine neue 
klassische Kunstperiode bei uns heraufführeu würden und gab sich deshalb alle mög, 
liche Mühe, für sie Stellungen nnd Beschäftigung in Deutschland zu finden. Ja 
er verstieg sich zu der Äußerung: ,,Jch glaube allerdings, daß wir jetzt in der Kunst 
für Deutschland in eine Epoche treten, wie die unserer aufblühenden Litteratnr im 
18. Jahrhundert war    It Zwei Jahre später freilich, als nach Overbecks, Schadow;
        

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