Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-585796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-592100
Pov3ellans, 
Majolika: 
und 
Gmail:2Ualevei 
x,;cuffallenderweise hat die große Verbesserung des Kolorits, welche 1nit Pilotys und 
V besonders Makarts Auftreten in der Schule vor sich ging, hier fast keinen Ein: 
fluß geäußert und nirgends sind wir darum so hinter den Franzosen zurückgeblieben, 
als in diesen Knnstzweigen, denen ein Th. Deck erst erstehen müßte, um ihnen neues 
Leben einzuflößen. 
Als nach Neureuthers Abtreten die altberühmte Nymphenburger Porzellan: 
fabrik völlig verfiel, gab sie der Staat auf, welcher sie durch seine bnreaukratifche 
Verwaltung glücklich ruiniert hatte, statt aus ihr eine Mnsteranstalt unter kiinst: 
lerisc.her Leitung zu machen, bei der man freilich nicht auf den Gewinn, sondern nur 
auf die Verbesserung der Fabrikation zu sehen gehabt hätte. Was man beim Hof: 
bräuhaus vortrefflich begriffen und die bayrische Bierindnstrie dadurch zu einer er: 
staunlichen Entwicklung und einem kolossalen Export gebracht hat, das verstand man 
beim Porzellan und der Fayence nicht, obwohl es da ebenso gut möglich gewesen 
wäre, wie das Beispiel Frankreichs zeigt.  Ebenso wenig begriffen es die Unter: 
nehmer, während doch in Nürnberg unter Krelings Einfluß, durch Fleischmann und 
Schwarz eine schöne Majolika: und Fayence:Jndustrie anfbliihte. Nur die Ofen: 
fabrikation nach alten Mustern brachte es unter Hausleiter, dann Guttenberg und 
Mittermayr zu großer Gesundheit und weiter Verbreitung. 
Allerdings nur noch in der Porzellanmalerei älterer Art hat jetzt in München 
die Deiniugersche Anstalt und dann die Thallm eyers verhältnismäßig am meisten 
geleistet und beschäftigt wenigstens viele Arbeiter meist mit Kopien nach Pinakothek: 
oder sonstigen beliebten Bildern. Den für das Rokoko vorzugsweise passenden 
Charakter des Materials mit seiner kühlen, höfischen Glätte für entsprechend leichte 
und zierliche Produktion auszunügen, ist aber nie gelungen.  In der Majolika: 
Malerei zeigt die Anstalt von Heider wenigstens gute Ansätz,e und in der Kunst: 
gewerbeschule gibt Ulke Unterricht. Daß hier aber noch ein weites Feld zu erobern 
wäre, unterliegt keinem Zweifel. 
Beinahe noch schlimmer ist es mit der Schmelz:Malerei bestellt, in der doch 
einzelne Münchener Künstler zur Zeit der Renaissanee das Bewunderuugswürdigste 
geleistet, ja bei ihrer Verbindung mit Gold und Juwelen alle anderen hinter sich 
zurückgelassen haben, wie man das in der k. SchaHkammer an der berühmten Georgi: 
Ritter:Ordenskette in unerreichter Vortrefflichkeit sehen kann. Denn Niemand begriff 
besser als diese Meister, daß das Email die Überleitung von den Edelntetallen und 
anderen Stoffen zu den Edelsteinen zu vermitteln habe, die leHteren also nie über: 
schreien. dürfe, sondern vielmehr die nötigen Supplementärfarben neben den Edel: 
steinen zur Erreichung einer vollständigen Harmonie zu liefern habe. Davon ist jetzt 
nicht viel zu bemerken. Ein einziger unserer Emailleure, Elching er, hat indes diese 
Seite der alten Meister einigermaßen begriffen und verdankt dem eine Reihe der 
schönsten, in Ketten, Brochen, Ohrgehängen unübertrosfenen Arbeiten. Sonst ist an 
den sonst so vortrefflichen Leistungen unserer Schmuckindustrie die Schmelzarbeit ge: 
wöhnlich der schwächste Teil, selbst bei FriH von Miller, Seit; und Halbreiter, wäh: 
rend man doch bei den Japanesen die unübertrefflichsten Muster dieser Technik seit:
        

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