Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-585796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-591914
stichelblätter dermal wohl der bedeutendste in Deutschland sein wird neben dem der 
Wiener ,,Gesellschaft für graphische KunstU, deren Blätter aber auch zum sehr großen 
Teil von Münchener Stechern ausgeführt werden. 
Am entschiedensten drängte indes die große Verbreitung der Photographie 
auf die Ausbildung der Radierung hin, da diese Technik als die künstlerisch freieste 
und gefälligste von allen die Konkurrenz des Lichtbildes am ehesten ertragen konnte. 
War sie früher besonders von den Malern, wie Eugen Neureuther, gepflegt worden, 
so ging jeHt der treffliche Raab zu ihr über und fertigte erst eine Anzahl Bildnisse 
von Münchener Künstlern, um dann die Herausgabe der besten Gen1älde der Mün: 
chener alten Pinakothek im Verlag der Kaeserschen Kunsthandlung zu beginnen, welche 
sich auch durch die der Makartschen Blätter bekannt gemacht. Hier hat Raub beson: 
ders Rubens Unübertrefflich wiedergegeben, aber auch bei allen anderen Blättern eine 
oft überraschende Fähigkeit bewährt, sich mit großer Feinheit in die Eigentiimlichkeit 
der verschiedensten Maler:Jndividualitäten hiueinzufiuden.  Jhm schloß sich bald 
seine Tochter Doris an nnd hat bereits eine Reihe ausgezeichneter Blätter nach 
Cuyp, Max, Jakobides und Toby Rosenthal geliefert, wo sie an Feinheit der Em: 
pfindung fast alle Vorgänger übertrifft.  Auch der treffliche Holzschueider Wilh. 
Hecht ging zu dieser Technik über, in welcher es ihm besonders gut gelang, die geist: 
reiche Freiheit Lenbachscher Bilder wiederzugeben, bis er nach Wien berufen ward. 
Neben diesen haben sich Wilh. Krauskopf, Wilh. Rohr, Aug. Volckert, Holzapfl auch 
mit Glück ans die Radierung geworfen, während sonderbarerweise unter den Malern 
sich fast nur Rickelt und Willroider in derselben mit entschiedenem Glück versucht 
haben, es aber noch nie zur Gründung eines Radierklnbs, wie in Düsseldorf, Weimar 
und Berlin gekommen ist. 
Wirkte die Photographie unlengbar auf den Kupferstich sehr vorteilhaft da: 
durch ein, das; sie ihn, jede Art von Pfuscherei durch ihre erdriickende Konkurrenz 
fast unmöglich machend, nötigte, sich weit mehr zufammenzunehmen, so drängte sie ihn 
auch vor allem dahin, sich seiner eigentümlichen Vorzüge bewußter zu werden und 
sie entschlossener auszubilden. Dasselbe gilt auch vom Holzschnitt. Auch er ward, 
wie der Kupferstich, entweder auf größere Strenge, oder aber auf eine malerischere 
und freiere Behandlung hingewiesen. Bei der fortwährend wachsenden Thätigkeit 
des Verlagsgeschäftes überhaupt, vor allem aber der periodischen Blätter, die ihn 
vorzugsweise in Anspruch nahmen, hatten sich nach und nach den älteren HolzscJueides 
Instituten von Braun cis Schneider, Knesing, Knilling, Hecht, eine ganze Anzahl 
neuerer angeschlossen, wie Walla, Diemer, Forberg, Gehrig, Rueprecht, 
Schweig el, S endtner, dann Wolf, Lehrer des Holzschnitts an der Kunstgewerbe: 
schule n. a. m., so daß dermal München nicht weniger als 23 xylographische Aus 
stalten zählt, von denen manche Dut;zende von Gehilfen beschäftigen nnd ihre Thätig: 
keit weit über Deutschland hinaus ausdehnen. Hatte man aber selbst noch nach 1870 
das Geschäft meist sehr handwerksmäßig betrieben, die Arbeit ,,billig und fchlechtH 
gemacht, so daß selbst die maßgebenden ,,FliegeudenU bis 1874ss75 eine oft aufs 
falleude Nachlässigkeit zeigen, so wurden jetzt durch Entstehung einer Reihe von 
illustrierten Blättern, wie das ,,Daheimlt, ,,Schorers FamilieublattU, ,,Vom Fels 
zum Meers, u. a. die älteren gezwungen, ihre Produktion ganz auffallend zu steigern, um 
der Konkurrenz nicht zu erliegen, also vor allem höhere Honorare zu bezahlen, 
was sie bei dem kolossal gestiegenen Absatz, auch sehr wohl vermochten. Dadurch
        

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