Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-585796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-590993
geriet er jetzt mit dem koloristisch so hoch begabter: Architekten Gnauth in Verbini 
dung und malte für ihn in der Villa Sigle und dem Palais Engelhorn in Mann: 
heim. Dann besuchte er endlich mit Guauth 1873 Italien, wo Venedig am mäch: 
tigsten ans ihn wirkte, und lernte bei der Rückkehr über Wien zuerst Makarts Werke 
kennen, dessen Art nunmehr durchaus bestimmend für ihn wie Gnauth ward. Mit 
letzterem gab er von 1875 an, das ,,MalersJournalU heraus. Nachdem er sich 
zweifellos zu einem der ersten Dekorationsn1aler in Deutschland aufgeschwungen, 
siedelte er nach München über. Dort ging er, der bloßen ornamentalen Malerei 
müde, allmählich immer mehr zur Verzierung seiner Dekorationen mit großen sigürs 
lichen Kompositionen über. In Ol hatte er ohnehin schon von Jugend auf gemalt 
und sich der Technik in uugewöhnlichem Grade ben1ächtigt. So malte er jeHt1876 
sein erstes allegorifches Decke11bild bei KomnIerzienrat Falk in Duzendteich bei Nürn: 
berg, eine zwischen der Arehitektur und Kunstindustrie sik3eude Pallas. Daraus erhielt 
er die Dekoration des Ahnensaales im Sigmariuger Schloß übertragen, eine Aufs 
gabe,l die er auf die glänzendste Weise in italienischer Spätrenaissance gelöst hat. 
Besonders die Decke ist ein Meisterstück mit ihren sieben von ihm ersnndenen nnd 
ausgeführten Olbildern, deren größtes eine Art Verherrlichuug des Hauses Höhen: 
zollern ganz in der Art des Paul Veronese oder doch Tiepolo darstellt.  Hier 
adoptierte er sogar mit verblüfsender Kühnheit die Froschperspektiveu jener Künstler 
und eröffnete so für die Münchener Kunst jene Richtung, die nach deutschen und 
italienischen Vorbildern nnn1nehr die Spätrenaissance mit ihrem, wenn auch meist 
leerem Pompe wieder aufnahm, der uns, unbekünunert um die Forderungen tieferen 
Inhalts, vor allem den Eindruck des Reichtums, geschmackvoller Pracht, oft auch 
wilden Übermuts machen will.  
Hatte sich die Münchener Malerei unter Max und Desregger nnd der großen 
Gruppe ihnen verwandter Künstler wie Löfftz, Diez 2e. ganz auf die Schilderung 
der Heimat und ihres Gen1ütslebens, oft auch der engsten nnd kleinsten Verhältnisse 
geworfen, so bildete diese rein dekorative Richtung, der es, nach Makarts Vorbild, 
auf die Bedürfnisse des Herzens, ja überhaupt auf irgend einen anderen idealen 
Jnhalt aber auch gar nicht ankam, eine notwendige Ergänzung in einer Zeit, in der 
einem nicht geringen Teil der Gesellschaft alle Ideale abhanden gekommen waren, 
als die der sinnlicher: Schönheit und des Genusses, deren erstes künstlerisches Bei 
dürsnis ganz nnd gar nicht das Erhabene, der Ernst, sondern das Prächtige, Be: 
rauschende, Sinnbethörende blieb.  Für sie waren verzierende Talente wie Makart 
oder Lesker, ganz am Platz, da dieser überdies einen sehr ausgebildeten Sinn für 
den organischen Zusammenhang der Bau: u11d Zierformen hat. 
Zwischen die große Sig1naringer Arbeit hinein malte er noch zwei mächtige 
Bilder für den Museumssaal in Heilbronn, welche die Erziehung des Bacchus, dann 
Bacchus und Ariadne darstellen, wo er die malerischen Reize der Makartschen Abuni 
dantiabilder mit großem Geschick benützte. Ebenso malte er zwei Zinunerdekorationen 
für Wirth in Stuttgart, in deutscher Renaissance voll feiner Grazie, lehnte aber die 
ihm angebotene Anstellung an der dortigen Knnstgewerbeschule ab, in der richtigen 
Erkenntnis, daß das Schulmeistern fast jedes Talent rasch abnüHt. Dagegen vers 
zierte er jetzt das Treppenhans im Palais Kramer:Klett in München mit sehr graziös 
ersnndenen Deckenbildern, welche teils spieleude Putten, dann Kunst und Poesie dar: 
stellen. Dabei bewies der einstige Stubenmaler, der kaum je ordentlichen Sehnt:
        

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