Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-585796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-590155
sich gekehrten Sohne vererbt hat, der auch zeitlebens mit großer Liebe an ihr hing. 
Klein, aber zierlich gebaut, schwarzlockig, war sein schöner blasser Kopf durch ein paar 
so dämonisch fesselnde, glühende schwarze Augen beseelt, daß sie allein schon hätten 
die Aufmerksamkeit auf ihn ziehen müssen. Im übrigen galt er ob seines stillen 
träumerischen Wesens umso eher für schlecht begabt, als er in der Schule sehr wenig 
lernte und lieber in den Sälen der beiden Schlösser oder in der herrlichen Gegend 
hernmschweiste, um seine Phantasie mit den Bildern ihrer Pracht zu füllen. Ab: 
gesagter Feind alles Rech11ens nnd aller Orthographie sein Leben lang, war er nur 
beim ZeichnuugsUnterricht immer der erste nnd überraschte besonders durch sein 
kolossales Formgedächtnis, das ihm erlaubte, alles, was er gesehen, sofort in seinen 
charakteristischen Zü:   beu Jahre als talent: 
gen wieder zu geben.  los wegschickte, weil 
Das bewog den eins  er sich, genau wie 
sichtigen Lehrer, J.    einst Overbeck, dem 
Mayburger, sich sei:  I   pedantischen Unter: 
ner besonders anzu:    richtsshstem nicht zu 
T      Wen www J ei o 
Rai hin ward er   mußte Es zu Fuß 
denn auch zum Küust:     Unter allen EIN: 
16.Jahre nach Wien     z  mut zurückkehren, um 
an die Akademie ge:    J nun vollends als ein 
schickt. Dort aber er:         unheilbarer ,,Trot: 
kannte man trog  J    Y  tell, zu gelten. Glück: 
seiner bereits die        J   licherweise kam bald 
eigenartigste Auf:       I: nachher der geschickte 
fassung verratenden       Landschaftsmaler 
Skizzen und Ent:     H Schiffmann nach 
würfe seine wunder:   Salzbnrg, heiratete 
bare Begabung so Hang; mAkakk in die Familie nnd 
wenig, daß man ihn photograpl7icveklng von Viktor Ungern in Wien nahm  sein Ta: 
schon nach einem hal: lent rasch erkennend, 
des Jünglings an. Ja, als er 1859 nach München zog, nahm er Makart dahin 
mit und brachte ihn zu Piloty, der ihn aber ob Plahmangel nicht aufnehmen 
konnte. So arbeitete er nun erst zwei Jahre lang ganz für sich, bald in der 
Galerie kopierend oder daheim bei Schiffmann, der eine große, vortrefflich mai 
lerisch aufgestellte Sammlung alter kunstgewerblicher Erzeugnisse besaß, nach dieser 
studierend, zahlreiche eigene Kompositionen entwerfend und Studienköpfe oder Bild: 
nisse malend. Als er dann 1861 endlich bei Piloty eintrat, war er schon so ganz 
fertig in seiner Richtung daß er sie dort nur weiter ausgebildet aber in keiner 
Weise verändert hat. Sie zeigte sich in ihrer romantischen Phantastik zuerst an 
einem TilIy, der nachts bei Mondschein über das Schlachtfeld von Lügen reitend, 
den verwundeten Pappenheim findet. Sein zweites, damals im Atelier bei Max 
gemaltes Bild, einer jener ,,UnglücksfälleH, die in der Schule keinem geschenkt wurden, 
war ein Lavoisier, der im Gefängnis die Hinrichtung erwartend, noch chemifche Unter: 
suchungen anstelIt. Er machte es zu einem Rembrandtschen Nachtstück voll dämoni:
        

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