Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-585796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-590142
Die 
Malerei 
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Mrge1td eine Art von Romautik wird in der deutschen Kunst immer wieder auf: 
J tauchen, da sie ihre eigentliche Lebensluft ist, dem nationalen Charakter in un: 
gewöhnlichem Maße entspricht. So ist denn auch der größte Unterschied, den diese 
Epoche in der Münchener Historien1nalerei zu Tage fördert, der, daß sie mit den 
letzten Resten des akademischen Klassizismus vollkommen ausräumend, sich gleichzeitig 
auch von der bloßen recht nüchternen Modellu1alerei, in die sie unter Pilotys un: 
n1ittelbarer Einwirkung nach dem Rezept der Delaroche, Gallait nnd Couture zu ver: 
laufen drohte, losreißt und wieder zur freien Schöpfung der Phantasie wird. Da: 
mit erhält sie aber auch einen weit volkstümlicheren Charakter. Denn nun erscheint 
jene neuromantische Richtung, als deren glänzendste Vertreter sich alsbald Haus 
Makart n11d Gabriel Max hervorthun. Der eine, indem er uns alle finnbethörende 
Pracht und Schönheit der Welt aus dem durchaus romantischen Zauber des Hell: 
dnnkels auftauchen läßt, welchen die klassizistische Kunst nicht kennt, der andere, in: 
dem er in die Tiefen des Gemütes hinabsteigt und uns seine Schähe enthüllt, uns 
in seine ahnnngsvolle Welt führt. Beide verbinden damit einen Kultus der echt 
deutschen Fraue11schönheit, von dem die Schule bis dahin, Schwind nnd Ramberg 
ausgenommen, nicht allzu viele Spuren gezeigt hatte.  Wie letztere, waren auch 
diese beiden Osterreicher, hatten also das sinnlichere, farbenfreudigere, schönheits: 
truukene Naturell ihres Stammes, das ihn vom norddeutschen Wesen so sehr unter: 
scheidet. Beide hatten aber auch von der Mutter Natur jene schöpferische Urkraft 
des Genies mit aus den Weg bekommen, die ihr Gesetz in sich trägt und ihren 
Träger so beherrscht, daß er mit der Sicherheit eines Nachtwandlers die gefährlichften 
Wege gehen kann, ohne zu strancheln. Beide waren tief innerliche Naturen, von 
Haus aus schweigsam, darauf angelegt, durch Handeln und Thnn, nicht durch Reden, 
neue Pfade zu zeigen. Beide muß man zu den mehr oder weniger naiven Charak: 
teren rechnen, obwohl sie sich der Mittel, die sie brauchten, wohl bewußt waren. 
Aber während Max als schwerlötiger Böhme den mystisch grtibelnden, musikalischen 
Zug seiner Landsleute in vollem Maße besaß und sich sogar eine ungewöhnliche 
Bildung angeeignet hatte, entwickelte Makart bei aller Wortkargheit doch ganz den 
glücklichen Leichtsinn, das sonnige Naturell, die Sorglosigkeit des Oberösterreichers 
in so hohem Maße, daß sich die beiden Jünglinge zu einander verhielten, wie Tag 
und Nacht, als sie im Jahre 1862 in dem kleinen kellerartigen Atelier eines abges 
legenen Hofes des einstigen Jesuitenklosters nnd damaligen Akademiegebäudes in 
München, der Wille des Meisters oder der Zufall zusammeuführte, um von hier 
ans bald die Blicke der halben Welt auf sich zu ziehen. 
Hans Makart Cgeb. den 27. Mai 1840 in Salzburg, s in Wien den 
3. Oktober 1884s, war der Sohn eines ebenfalls künstlerisch begabten Hofbedienten 
und Zimmeraufsehers im Lnstschloß Mirabell, den der Leichtsinn aber schon 
während der Kindheit seines Sohnes in die weite Welt trieb. So wuchs dieser 
unter der Obhut seiner in der kaiserlichen Residenz angestellten Mutter auf, die, 
sonst eine liebevolle und einfache Frau, doch mit ganz besonderem künstlerischem 
Geschmack begabt war, welchen jedenfalls sie dem schon früh sehr stillen und in
        

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