Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-585796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-589945
in der Stadt, ganz besonders aber durch Herstellung zahlreicher Zimmereinrichtungen 
in diesem Stil bekannt gemacht hatte. In München hat er dann noch das ,,deutsche 
HausH am Karlsplatg,, die Rathänser in Jngolstadt und Worms, das Haus des 
H. Schön dort, die Villa Schönbühl nnd Schloß Büdeshei1n bei Frankfurt, Haus 
und Wirtschaft des ,,Spatenbräult in Berlin, den Franziskanerkeller in München 
gebaut.  Zu solchen Trinklokalen eignet sich.der nationale Stil nun unstreitig 
ausgezeichnet, ob der Traulichkeit seiner Holzvertäfelungen, der Gemütlichkeit der 
bunten Bnzenscheiben, der prächtig flimmernden Kachelofen und dem köstlichen Feld 
für allerhand derben gemalten Schmuck a11f den Mauerflächen über den Vertäfelungen, 
wie durch die stattlichen, bald barocken, bald zierlichen Formen der Möbel und 
Geräte. Denn das ist ja das Charakteristische dieses Stiles, daß er die sonnige 
aber kühle Heiterkeit der italienischen Renaissance in weniger vornehmen als tief 
gemütlichen Humor verwandelt. Die große Anziehungskraft nun, welche die ersten 
Lokale dieser Art im Kunstgewerbeverein und anderwärts ausübten, veranlaßten das 
Wagnis des obenerwähnten Arzberger Kellers, der an einen Hügel angelehnt zu 
architektonisch vorteilhafter Ausnüt;,ung förmlich einlud, da er einen malerischen Frei: 
treppenbau und die Aulegung großer gewölbter Trinkhallen über dem eigentlichen 
Keller gestattete, die auf zwei Seiten einen riesigen Saal umgeben, der bei schlechtem 
Wetter oder vorgerückter Jahreszeit die Gäste ausnin1mt und mit Malerei und Plastik ver: 
ziert ward. Damit war ein Vorbild geschaffen, das Sch1nidt bei seinen1 unmittelbar daneben 
gelegenen Löwenbräukeller nun alsbald sehr verbessert und vergrößert wiederholte, da 
es den großen Aktiengesellschaften, welche die Unternehmung machten, auf die Mittel 
weit weniger ankam, als auf den Effekt. So gestaltete er seinen mächtigen Frei: 
treppenbau, welcher zu der prächtigen Bogenhalle hinaufführt, welche dem grandiosen 
Saal über dem eigentlichen Keller vorliegt, noch reicher und fügte einen stattlichen 
hurmartigen Eckpavillon hinzu, so daß das Ganze wie ein stolzes Schloß aussieht 
und doch seine Bestimmung durch den vorliegenden tischbeseHteu Garten mit Musik: 
pavillon wie die weiten, für den Aufenthalt einer großen Menge berechneten Arkaden 
vollkommen deutlich ausspricht. Bis heute ist dieser Keller denn auch uniibertroffen 
geblieben, obwohl ihm nun noch eine Menge anderer nachfolgten. Denn das erwies 
sich bald als der Segen dieses glänzend gelungenen Versuches die Stätten der Be: 
friedigung des sprichwörtlichen Durstes der Deutschen durch den Reiz der Kunst zu 
adeln: daß nicht nur die Menge alsbald mit Vorliebe dahiuströmte und also die 
Konkurrenten zur Nachahmung zwang, sondern daß auch dies ganze Kneipvergnügen 
dadurch auf eine viel höhere Stufe gehoben ward, da nun diesFrauen, ja die 
höheren Stände überhaupt wie die zahlreichen Fre1ndenscharen diese Orte auch, 
sogar mit Vorliebe besuchten. Damit verboten sich die Szenen pl11mper Völlerei, wie 
sie die Kellerwirtschaften früher dargeboten, ganz von selbst, da auch der Roheste 
fühlte, daß sich dergleichen nicht mehr passe in solcher durch alle Reize der Kunst 
veredelten Umgebung. Hatte er sich darum früher allein hinbegeben um sich un: 
gestörter zu betrinken, so ging er jetzt mit Frau und Kind hin, trank weniger und 
freute sich umsomehr, so daß es vollkommen außer Zweifel steht, daß durch diese Ein: 
mischuug der Kunst eine ganz erhebliche Minderung der Roheit und Verbesserung 
der Sitten herbeigeführt worden ist. Dies ward besonders durch den nach ihrer 
Verfeinerung immer allgemeiner werdenden Besuch solcher Lokale durch das weibliche 
Geschlecht sehr begünstigt. Nirgends mehr als hier zeigte sich der Vorteil einer aus dem
        

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