Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-585796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-589892
Charakter der deutschen Renaifsance erkennen, wie wir ihn am Augsburger Rathaus, 
den Schlössern zu Aschaffenburg, Güstrow und anderwärts, in Jtalien aber nirgends 
ausgebildet finden. Auch hier ist durch einen köstlichen, um das ganze Gebäude herum: 
laufenden Figurenfries, durch Medaillons zwischen den Fenstern, zahlreiche Nifchen: 
figuren, endlich durch Figurengruppen auf der Höhe, dem Balkon und den Frei: 
treppen des das Vestibül und die große Treppe enthaltenden Mittelpavillons die 
Starrheit der architektonischen Formen so glücklich aufgehoben, das Ganze so anmuts: 
voll belebt, daß es nach dieser Seite hin wiederum alle bisherigen Münchener Bauten 
übertrifft. Jedenfalls bei aller Würde mehr heitere Wärme atmet als sie, wie sich 
das für eine Pflegestätte der schönen Künste ziemt, die ja den veredelndeu Einfluß 
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derselben zunächst an sich zu zeigen hat. Das Schicksal des 1873 begonnenen, 
1885 zwar nicht vollendeten, aber doch der Ben11tg,ung übergebenen Baues ist freilich 
bezeichnend genug, da er kaum unter Dach wegen einer unbedeutenden Überschreitung 
der bewilligten Bausu1n1ne jahrelang liege11 blieb u11d heute noch der Nifchenfiguren 
sowohl als des vorausbestim1nten Schmuckes des Vestibüls und der Korridore durch 
die Malerei entbehrt, die doch da gelehrt werden soll und hier vor allem ihre 
Leistungsfähigkeit zu beweisen gehabt hätte, wo ihr die herrlichsten Aufgaben winkten. 
Der Architekt aber, der München diese beiden Zierden geschenkt, hatte nur froh zu 
sein, daß er wegen seiner Überschreitungen nicht noch zur Verantwortung gezogen 
ward, was nur seine persönliche Beliebtheit verhinderte. Er ist denn auch gestorben, 
ohne sein Werk vollendet zu sehen. 
Pecht, Geschichte der Münchener Kunst. 1EI
        

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