Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-585796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-588560
1852 den Nimrod von .Kaulbach folgen, die man in ihrer empfindnngsvollen Art 
vollkommen nennen kann, wie noch mehr die sieben Werke der Barmherzigkeit und 
das Aschenbrödel nach Schwind 1858, die ihn zu einem nnvergleichlichen Jnterpreten 
dieses großen Künstlers stempeln. Von den Schülern wäre der früh gestorbene Ernst 
aus St. Gallen zu erwähnen, der Schwinds Symphonie mit Gefühl und Geschick 
stach. Außer diesen Meistern sind in unserer Zeit noch Adrian Schleich sgeb. 
1812 zu Münchens, der größtenteils den Reinecke nach Kanlbach und auch Schmaus 
thalers Giebelfeld der Walhalla, sowie das Lied von der Glocke nach Nilson mit 
Treue und Sauberkeit stach, sowie der Schweizer Nu d. Rahu sgeb. 1805 in Zürichs 
zu nennen, der sich an Kaulbachs Rei11ecke ebenfalls beteiligte, nnd H. Schüt;,, der 
verschiedenes nach Genelli stach. Diese Kartonstecher bildeten eine förmliche, jetzt 
freilich völlig ausgestorbeue Schule, die sogar ihre eigenen Religionsartikel hatte, 
unter denen der des alleinseligmachenden Konturs der erste blieb und die vor allem 
auf Cornelius eingeschworen waren.  Neben ihnen huldigte indessen anderen Tendenzen 
schon früh die von Reindel in Nürnberg nnd Fro1nn1el in Karlsruhe gebildete, mehr auf 
farbige Wirkung ausgehende Schule, zu der Gottlieb Siehling Cgeb. in Nürnberg 
1812, s in Leipzig 1863J und der Baseler Frd. Weber gehörten, die sich später 
ganz der Pariser Stecherschule anschlosseu. Die Radierung fand fast ausschließlich 
durch die Maler Vertretung, wie sich denn Eugen Neurenther in ihr am meisten aus: 
zeichnete. Der Stahlstich fand in dieser Zeit besonders durch J. Poppel fgeb. 1807 
zu Nürnberg, im Fache der Landschaft eine wirksame Vertretung, da dieser Schüler From: 
mels, bald von Nürnberg nach München übersiedelnd, dort das land: läusige Bedürfnis 
nach Prospekten aller Art vollaus, wenn auch ein wenig trocken und hart befriedigte. 
Mehr Lebenskraft als die mit der Cornelianischen Schule bald ganz vom 
Schauplat;, verschwindende Kartonknpferstecherei entwickelte der um die Mitte der 
dreisziger Jahre durch den Maler Kasp a r Braun sgeb. 1807 in Aschaffenburg, T 1878 
in Münchens eingeführte Holzschnitt. Derselbe hatte bei Vr6viäre in Paris sich dieser 
Technik bemächtigt. Angeseuert durch die außerordentlichen Erfolge, die Menzels 
geniale Einwirkung die Berliner Holzschneiderschule unter Unzelmann um diese Zeit 
erzielen ließ, begründete Braun 183U ein Holzschneide:Jnstitut in München, in welchem 
er die Cotta,sche Bilderbibel von Schnorr und Strähuber, die NibelungensJllustra: 
tionen von Neureuther und Schnorr, Jllustrationen zu Schillers Braut von Messiua, 
zu Musäus Volksmärchen u. a. aufertigte. Dabei griff er im Gegensatz zur male: 
rischen Technik der Berliner Schule bald ans die einfache nnd streng stilisierende 
Behandlung des Holzschnitts durch Diirer zurück, die wenig mehr als den möglichst 
vereinfachten Umriß und eine Strichlage als Schattierung gibt. Er hatte damit einen 
glänzenden Erfolg dank dem Talente Neureuthers, Schnorrs und besonders dessen 
Schülers Alois Strähuber lgeb. 1814 zu Mondsee, s in München 1883s, der 
schon vorher Martin Luthers geistliehe Lieder vortrefflich illustriert hatte und nun: 
mehr als Jllustrator immer mehr ein Kompositionstalent entwickelte, das er als 
Maler Cornelianischer und Schnorrscher Kartons in der Ludwigskirche und den 
Nibelnngensälen nie zu zeigen vermocht. Entschieden die wertvollsten, ja unbedingt 
klassische Arbeiten von unvergänglichcm Wert gab durch Braun angeregt bald Schwind, 
da er seine Kompositionen wie die meisten anderen selbst auf den Holzstock zeichnete. 
So in feinen berühmten Märchen der ,,Münchener BilderbogenH, die in den vierziger 
Jahren begonnen, dank seinem Talente bald eine unermeßliche Verbreitung in der
        

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