Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-585796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-588448
nächsten Nähe, speziell am Starnberger oder Chiemfee suchend, stellt er die Tiere fast 
immer in behaglicher Ruhe, selten oder nie dramatisch bewegt dar, und seine Ochsen 
sind weder sentimental, noch leidenschaftlich aufgeregt.  Nicht am wenigsten durch 
den Einfluß von Schleich, mit dem er auch mehrere große Bilder zusammen n1alte, 
erlangte er nach nnd nach eine seltene Feiuheit und Lichtfülle des Kolorits, so daß 
man seine Vilder auf jeder Ausstellung bein1 ersten Blick herausfand, weil sie eben 
mehr Bilder, d. H. vollkommen abgerundete uod harmonische Schöpfungen waren, 
als andere. Sie sind dadurch in alle Welt verbreitet worden und bei fei11er kolossalen 
Arbeitskraft möchte Voll; wohl neben Andr. Achenbach der prodnktivste aller deutschen 
Maler gewesen sein. Allerdings auch darum, weil er sich nach Art der iNiederländer be: 
ständig wiederholt, über den engen Kreis von idyllischeu Aufgaben, die er sich stellt, 
selten oder nie hinausgeht und das ganze Jahr über die Morgensonne auf seinen Auen 
dieselben Kühe bescheinen läßt.  Meist nur kleine Kabinettsstücke n1alend, findet 
man doch in der N. Pinakothek von ihm eine ans dem Walde abends heimkehreude 
Herde von großem Umfang. Ohne Zweifel liegt das Geheimnis ihres Erfolgs in 
der Ruhe und Befriedigung, welche Volt;, Bilder auf den Beschauer ausströmeu, 
hier steht er mit Berchem ganz auf gleicher Höhe. 
Neben Volks in ihrer Art oft klafsische11 immer wenigstens fesselnden Werken 
konnten sich freilich die aller Technik ermaugeluden oder sonst untergeordneten Talente 
wie Seh. Haberschaden fgeb. in München 1813, T 1868J und Karl Heß, 
jüngerer Bruder des Peter, nicht halten. Der erstere hat dagegen sehr hübsche Tiere 
modelliert und dabei mehr Geschick entwickelt als in seinen Bildern.  Besser bei 
hauptete sich Benno Adam, Sohn des Albrecht, sgeb. 1812f, der die Darstellung 
der Tiere selber, oft in Lebensgröße, zu seinem ausschließlichen Fach erwählte und 
neben den Haustiereu auch das Wild mit Vorliebe auf seinen Jagdbilderu schilderte. 
Trog einer schwachen Technik gelang ihm das um so eher, als er der Landschaft 
möglichst ans dem Wege ging und im Gegensatz zu VolH das dramatische im Tier: 
leben betonte. Die N. Pinakothek enthält eine Menge seiner Werke.  Neb.n ihm 
hat sich auch Volks Bruder Ludwig fgeb. 1825J mit Geschick der Darstellung des 
Wildes, besonders aber der Pferde gewidmet, die indes Franz Adam doch zu größter 
Meisterschaft brachte.  Der Trierer Wyttenbach, der Däne .Kiellerup u. a. m. uralten 
auch Tierbilder in dieser Zeit; zu rechter Bedeutung kam das Fach aber doch erst 
in der Zeit nach 1848, in die ja auch Volks beste Periode fällt. 
Auch bei der Architektnrmalerei kann man in dieser Zeit eine romantische 
und realistische Richtung bestimmt unterscheiden, bei der die erstere zunächst auf unser 
Gemüt wirken, die zweite vor allem das Auge durch das Malerische ihrer Dur: 
stellung erfreuen will.  Gehörte der schon geschilderte Dominik Quaglio der ersteren 
und Neher der lehteren Richtung an, so brachte es nunmehr der Schweizer August 
v. Bayer Cgeb. 1803 zu Rorfchach, T 1875 zu Karlsruhef oft zu einem durch Technik 
nnd FormvolIendung nahezu klafsischeu Ausdruck der romantischen Stimmung seiner 
Zeit. Erst Architekt und Schüler von Weinbrenner, kam er um 1825 nach München, 
um bei Gärtner seine Studien fortzusetzen, ja baute sogar für einen Freund die 
prächtigste Galeone auf dem Starnbergersee. Schweizerischer Junker vom Scheitel 
bis zur Zehe, hochgebildet im Sinne der Bonstetteu und Salis, Haller und Hurter, 
Geny und Chateaubriand, dabei ein Katholik, der den ,,Heiligen nnd den RitternH 
am liebsten den ganzen Staat zum Lohne überantwortet hätte, lag ihm die
        

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